09. Juni 2011 22:34; Akt: 09.06.2011 19:41 Print

Fremde verdrängen Einheimische

von Vanessa Buff - Die einheimischen Krebsarten sind vom Aussterben bedroht. Ein Aktionsplan vom Bundesamt für Umwelt will sie retten.

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Der einheimische Edelkrebs (l.) und sein Konkurrent, der Amerikanische Flusskrebs . Foto: c. lukhaup

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Normalerweise verbindet man Krebse mit Strand und Meer. Doch die Schalentiere bevölkern auch Schweizer Seen und Flüsse. Wie lange noch, ist ungewiss: Die einheimischen Krebse drohen auszusterben.

Zum einen haben hohe Schadstoffbelastungen im Wasser die Populationen dezimiert. Zum anderen bekommen die heimischen Krebse seit den 1970er-Jahren Konkurrenz durch fremde, hauptsächlich aus Amerika eingeschleppte Arten. «Diese sind meist stärker als die Schweizer Krebse», sagt Wolfgang Nentwig, Professor für Ökologie an der Universität Bern. Und die Fremdlinge sind auch resistent gegenüber einem Pilz, der zusammen mit ihnen eingeschleppt worden ist und die heimischen Tiere massenweise dahinrafft.

Um dieses Problem anzugehen, hat das Bundesamt für Umwelt (Bafu) nun einen Aktionsplan verabschiedet. Er beinhaltet verschiedene Massnahmen, um die drei einheimischen Krebsarten – den Dohlenkrebs, den in der Ostschweiz vorkommenden Steinkrebs und den hauptsächlich in Seen lebenden Edelkrebs – zu schützen. So sollen Fangnetze oder Schleusen verhindern, dass sich die Fremdlinge in den Schweizer Gewässern noch weiter ausbreiten. Allerdings machen solche Isolierungsmassnahmen nur da Sinn, wo die fremde Population erst räumlich begrenzt vorkommt. An anderen Stellen schlägt das Bafu hingegen gezieltes Abfischen der eingewanderten Krebse oder das Einsetzen von Raub­fischen vor.

Der Aktionsplan soll bis 2024 umgesetzt sein, ansonsten droht den heimischen Krebsen das Aus. «Das Problem dabei ist, dass es meist nicht beim Aussterben einer Art bleibt», sagt Ökologe Nentwig. «Vielmehr kommt dadurch eine Kettenreaktion in Gang, deren Auswirkungen nicht abzuschätzen sind.» Darum müsse man nicht bloss einzelne Arten, sondern Ökosysteme als Ganzes schützen.