Zu viel des Guten

07. April 2016 13:20; Akt: 07.04.2016 13:57 Print

Freunde tun intelligenten Menschen nicht gut

Je mehr Freunde, desto besser? Sollte man annehmen, aber laut zwei Evolutionspsychologen gilt das nicht für alle: Clevere Personen leiden darunter.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Danach gefragt, was ein Leben lebenswert macht, kommen die meisten Menschen rasch auf die Bedeutung von Freunden zu sprechen. Schliesslich gilt ein gesundes Umfeld als Glücksbringer.

Umfrage
Wie wichtig sind Ihnen Freunde?
8 %
68 %
24 %
Insgesamt 3146 Teilnehmer

Zwei Evolutionspsychologen zeigen nun aber, dass man die Wirkkraft von Freundschaften differenzierter betrachten muss. Laut ihrer Studie tut ein grosser Kollegenkreis nicht allen gut. Für intelligente Menschen gilt: Je mehr Zeit sie mit Freunden verbringen, desto trauriger sind sie.

Schuld ist die Vergangenheit

Satoshi Kanazawa von der London School of Economics und Norman Li von der Singapore Management University hatten für die im «British Journal of Psychology» erschienene Arbeit Interviews von 15'000 Männern und Frauen zwischen 18 und 29 Jahren ausgewertet. Die Befragten hatten darin unter anderem Auskunft zu ihrem Umfeld gegeben und dazu, wie glücklich sie sich einschätzen.

Der Abgleich zeigte: Zum einen leben Menschen in weniger dicht besiedelten Gebieten zufriedener als jene in solchen mit hoher Bevölkerungsdichte. Das passt auch zur zweiten Erkenntnis: Je mehr Zeit die Befragten mit engen Freunden verbringen, desto glücklicher fühlen sie sich. Doch wie so oft bestätigte auch hierbei eine Ausnahme die Regel. Denn das Ergebnis gilt nicht für besonders intelligente Personen (IQ über 116). Sie sind mit mehr Freunden unglücklicher.

Verschiedene Erklärungen

Die Forscher erklären die Resultate mit der sogenannten Savannen-Hypothese, die auf der Annahme basiert, dass der Lebensstil unserer Vorfahren – der Jäger und Sammler – die Grundlage bildet für das, was uns heute glücklich macht. Seither hat sich das menschliche Gehirn nicht mehr wesentlich entwickelt.

Mit anderen Worten: Es ist immer noch für ein Leben in kleinen Gemeinschaften, mit viel Kontakt zu langjährigen Freunden ausgelegt. Das passt jedoch nicht mehr zu unserem Lebensstil, der durch ständige Erreichbarkeit, hohe Anforderungen und wechselnde Kontakte gekennzeichnet ist. Das führt dazu, dass das Gehirn von durchschnittlich intelligenten Personen (IQ von 90 bis 109) von der modernen Welt schnell mal überfordert ist. Überdurchschnittlich intelligente Menschen hingegen kommen damit besser klar. Das führt dazu, dass weniger smarte Leute das Zusammensein mit Freunden als Entspannung erleben, während Intelligenzbestien dabei eher unterfordert sind und sich langweilen.

Eine alternative Erklärung liefert die US-Glücksforscherin Carol Graham, die die Studienergebnisse für die «Washington Post» analysiert hat. Ihre Vermutung: «Intelligente Menschen verbringen weniger Zeit in Gesellschaft, weil sie auf ein anderes, längerfristiges Ziel fokussiert sind.» Soziale Interaktion sei da nur hinderlich und mache letztendlich unzufrieden.

(fee)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schlau Meier am 07.04.2016 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wusste ich schon immer

    Da muss ich wohl ganz intelligent sein, hab nicht mal 5 Freunde.

    einklappen einklappen
  • Clu94 am 07.04.2016 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Allein Glücklich

    Ich sage von mir nicht dass ich Intelligent bin, aber ich bin besser dran ohne Freunde. Bekannte habe ich viele, aber bin lieber alleine. Bin seither viel Glücklicher.

  • Timm am 07.04.2016 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    ja schon

    Sehr interessanter Artikel. Bestätigt meine Vermutungen. Das "möglichst viele "Freunde", möglichst viele Likes"-Konzept ist in erster Linie eine Geschäfts-Modell, mehr nicht. Eine Handvoll gute Freunde finde ich besser als ein grosser Pulk von Bekannten, da hat es oft falsche "Freunde" dabei und v.a. solche die nur profitieren wollen. Ist jedenfalls meine Erfahrung.

Die neusten Leser-Kommentare

  • M.Wyss am 07.04.2016 21:31 Report Diesen Beitrag melden

    Freunde

    Man hat besser wenige Freunde dafür wahre, statt viele oberflächliche Freundschaften.

  • BVBkusi am 07.04.2016 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hugepack

    Freunde sind was tolles

  • Chloe90 am 07.04.2016 15:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Qualität über Quantität

    Ich dachte, dass es generell besser ist eenige Leute als Freunde zu haben, dafür aber richtige...überrascht mich, dass dies mit Intelligenz assoziiert wird...als 3te Erklärung könnte ich mir auch vorstellen, dass sehr intelligente Menschen es einfach schwer haben, Freunde zu haben, die sie vollkommen verstehen.

  • Marina am 07.04.2016 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Schon krass

    wie viele introvertierte Menschen es gibt, ich persönlich kenne keinen ausser mich selbst. Lange Zeit dachte ich immer dass mit mir was falsch läuft. Habe schon ein paar gute Freunde und Bekannte und gehe auch ab und zu mal feiern, Aber am liebsten und wertvollsten ist mir die Zeit mit mir alleine. Könnte nicht jeden Tag was los haben, 1-2 mal pro Woche genügt mir jeweils völlig. Ich liebe meine Freunde und meine Familie, dennoch strengen sie mich nach einer gewissen Zeit an. Verstehen tut es fast niemand wenn ich es versuche zu erklären. Schön, tuns hier einige :-)

    • Tommy am 07.04.2016 18:50 Report Diesen Beitrag melden

      super Kommentar!

      ...sehe ich genau so! Wollen wir Freunde werden? ;-)

    • Sam am 07.04.2016 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marina

      Du sprichst mir aus der Seele. Ich mache mir immer Vorwürfe und fühle mich als Egoistin oder Unmensch, weil ich mich alleine wohler fühle und bei/mit Freunden oft und schnell gelangweilt bin.

    einklappen einklappen
  • Leser am 07.04.2016 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt absolut.

    Das oberflächliche "soziale Theater" kann intelligenten Menschen auch nicht gut tun. Um den Mensch selber geht es überhaupt nicht, nur wer man ist und wie viel man dem anderen und der jeweiligen Gruppe nützt. Bin daher gezwungenermassen alleine, aber immer noch besser als mit zu schauspielern.