Neue Studie

22. März 2012 22:55; Akt: 22.03.2012 22:55 Print

Früher Kontakt mit Keim schützt vor Asthma

Sollten Kleinkinder so früh wie möglich im Dreck spielen, um später keine Autoimmunkrankheiten wie Asthma zu bekommen? Oder sollten sie möglichst keimfrei aufwachsen? Forscher tippen auf Ersteres.

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Mit Tropfen finden Ärzte raus, ob jemand eine Allergie hat. (Bild: Keystone)

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Forscher haben herausgefunden, dass früher Kontakt zu Keimen bei Mäusen Immunzellen reguliert und kann die Tiere vor Krankheiten wie Asthma oder entzündlichen Darmerkrankungen schützen, wie deutsche und US-Forscher im Fachjournal «Science» berichten. Die Ergebnisse untermauern die so genannte Hygiene-Hypothese.

Demnach geht die Zunahme solcher Autoimmunkrankheiten auf das Konto einer möglichst keimfrei gehaltenen Umgebung bei Säuglingen. Die Forscher um Torsten Olszak und Richard Blumberg von der Harvard Medical School in Boston (USA) betonen, dass noch erforscht werden muss, ob diese Ergebnisse auch wirklich für den Menschen gelten.

Keimfrei aber anfällig

Das Team verglich normale Labormäuse mit besonders keimfrei gehaltenen Mäusen. «Deren Haltung ist aufwendig, sie leben in extra abgeschotteten Plastikbehältern und erhalten speziell aufbereitetes Futter», sagte Olszak.

«Es zeigte sich, dass die keimfreien Mäuse besonders viele natürliche Killer-T-Zellen in der Lunge und im Darm haben, die nach Aktivierung eine Reihe von Botenstoffen ausschütten, die bei Autoimmunkrankheiten und Entzündungen eine Rolle spielen.»

Die keimfreien Mäuse waren im Vergleich zu den anderen Labormäusen anfälliger für Asthma und eine der menschlichen Colitis ulcerosa verwandten Darmentzündung. Diese beruhen auf überschiessenden Reaktionen des Immunsystems, und wurden von den Wissenschaftlern durch spezielle Stoffe provoziert.

Gesunde Bauernhofkinder

In einem Begleitartikel in «Science» betonen US-Wissenschaftler, wie stark die Studie die sogenannte Hygiene-Hypothese untermauert, und Beweise für etwas liefert, «dass wir seit Jahrzehnten beobachten, aber nicht verstanden haben».

So hatten Studien zuvor gezeigt, dass Asthma und Allergien bei Kindern, die auf Bauernhöfen aufwachsen und verstärkt Keimen ausgesetzt sind, seltener vorkommen als bei anderen Kindern. Der Kontakt mit Mikroben kurbelt anscheinend das Immunsystem an und beugt Überreaktionen wie Asthma und Autoimmunkrankheiten vor.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Walter-R am 23.03.2012 02:20 Report Diesen Beitrag melden

    10 Gramm Dreck pro Tag...

    Ein Bekannter von mir hat immer gesagt: "Um gesund zu bleiben, braucht der Mensch pro Tag 10 Gramm Dreck". Ich denke, ganz Unrecht hat er damit nicht, denn je steriler wir leben, um so schlimmer wird es doch mit diesen Immun-Krankheiten.

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  • T.O am 23.03.2012 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist das nicht schon lange bekannt..

    Das Kinder die im Dreck wühlen dürfen, gesünder sind als die, die steril aufwachsen? Wobei man bedenken muss, wenn Asthma erblich bedingt ist, kann das Kind mit noch soviel Dreck spielen.. so wie es bei meinem Sohn der Fall ist. Aber im grossen und ganzen halte ich auch nicht viel davon, wenn man die Umgebun des Kindes so sauber wie möglich halten will. In meiner ehemaligen Kinderkrippe sah man, welche Kinder nicht mit Dreck spielen durften, die waren um einiges öfter oder schellet krank als andere.

  • sauber mann am 23.03.2012 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    keimfrei

    das ist ja gar nicht neu.

Die neusten Leser-Kommentare

  • marc am 24.03.2012 20:11 Report Diesen Beitrag melden

    stimmt

    ich würde mein baby jetzt nicht im dreck leben lassen. aber wenn die kinder draussen spielen und mal dreckig sind usw. würde ich jetzt auch nicht nachrennen und alles sterilisieren. ich selbst bin auf dem lande aufgewachsen, hab als kind auf einem nahegelegenen bauern geholfen, im sandkasten gespielt und war auch sonst recht aktiv draussen. mir hat es nicht geschadet. ich habe ein sehr gutes imunsystem. ich bin 27jahre alt, das letzte mal habe ich vor ca 6jahren gefehlt und dies nicht wegen grippe, sondern wegen hexenschuss. :) natürlich gehört auch eine gesunde ernährung dazu.

  • Simi am 23.03.2012 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne 7kg Dreck stirbt man

    Als ich Kind war (Bauernhof), pflegten Eltern stets zu sagen, dass man im Leben 7kg Dreck essen müsse - man sonst sterbe... :-) Ja, gut -sterben tut man trotzdem mal habe ich unterdessen erfahren. Jedenfalls genossen wir die Karotten usw. damals ungewaschen direkt aus dem Garten. Eine Pollenallergie kam erst, als ich fern vom Bauernhaus lebte, lebe aber heute glücklich- und tierallergiefrei mit einer Hauskatze.

  • T.O am 23.03.2012 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist das nicht schon lange bekannt..

    Das Kinder die im Dreck wühlen dürfen, gesünder sind als die, die steril aufwachsen? Wobei man bedenken muss, wenn Asthma erblich bedingt ist, kann das Kind mit noch soviel Dreck spielen.. so wie es bei meinem Sohn der Fall ist. Aber im grossen und ganzen halte ich auch nicht viel davon, wenn man die Umgebun des Kindes so sauber wie möglich halten will. In meiner ehemaligen Kinderkrippe sah man, welche Kinder nicht mit Dreck spielen durften, die waren um einiges öfter oder schellet krank als andere.

  • heuschnupferin am 23.03.2012 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Archivsbeitrag?

    Alter Artikel, neu verfasst! Zum Glück werden unsere Steuergelder immer in soooo wertvolle Studien investiert. Ob wohl wieder mal was wirklich neues kommt?

  • Lucie M. G. am 23.03.2012 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Studien sind nicht verlässlich

    Als Kind bin ich in der Nähe eines Bauernhofs aufgewachsen und habe fast täglich mit meinen Gspändli auf dem Hof gespielt. Ich durfte bei den Stallarbeiten und beim Heuen mit helfen. Wir spielten Verstecken auf dem Heuboden, im Hühner- und Kuhstall oder anderen interessanten Ecken in der Scheune. Eigentlich sollte ich damals genug Keimen ausgesetzt gewesen sein, die für ein gesundes Immunsystem sorgen sollten. Weit gefehlt - seit vielen Jahren bin Pollenallergikerin und habe Asthma. Jeder Frühling wird für mich zur Qual..... Studien stimmen nicht immer, man kann sich darauf nicht verlassen!

    • Peter am 23.03.2012 10:35 Report Diesen Beitrag melden

      Studien und deren Verlässlichkeit

      Ein einzelnes Beispiel kann nie dazu dienen eine Studie zu widerlegen oder bestätigen. Es geht hier um Wahrscheinlichkeiten. D.h. Kinder die Keimfrei aufwachsen haben häufiger solche Probleme als Kinder die nicht Keimfrei aufwachsen. Das heisst insbesondere nicht, dass alle keimfrei aufwachsende Kinder Probleme haben werden, oder dass alle anderen davon verschont bleiben. Einzelne Erfahrungen können höchstens als Idee für eine Studie benutzt werden, nie aber für einen Beleg einer Tatsache. Man beachte seltener vorkommen im letzten Abschnitt, dass heisst NICHT dass es nie vorkommt.

    • Roman am 23.03.2012 11:04 Report Diesen Beitrag melden

      Ausnahme bestätigt die regel

      Natürlich kann man nicht sagen, dass das immer 100% bei allen so ist, aber die tendenz dürfte wohl stimmen. Die menschen haben in den letzten 100 Jahren vermehrt Allergien und anderes, was früher nur ein Bruchteil der Leute hatte. Das wird ziemlich sicher an der Hygiene liegen, da der Körper nicht entsprechend gegen diese Keime ausgerüstet ist.

    • Petra am 24.03.2012 04:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Genau so ist es.

      Geht mit ganz ähnlich. Als Kind auf Bauernhof mit allem möglichen in Kontakt gekommen, habe ich trotzdem mit 20 Heuschnupfen und eine chronische Entzündung, eine Autoimmunerkrankung bekommen. Mein Immunsystem ist nicht zu schwach, sondern so aktiv, dass es mir die Schilddrüse zerstört, keine Aussicht, diesen Vorgang zu stoppen.

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