Architektur der Zukunft

18. November 2010 21:41; Akt: 18.11.2010 18:44 Print

Gebäude ohne Emissionen

von Fee Riebeling - Der Klimawandel verlangt die rigorose Reduktion von CO2-Emissionen. Experten der ETH Zürich zeigen, was Architektur, Bauwesen und Gebäudetechnologie dazu beitragen können.

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Der Erweiterungsbau der International Union for the Conservation of Nature ist nahezu emissionsfrei. (Bild: ETHZ)

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Vom Heizen mit Kohle oder Erdöl hat die Fachwelt bereits Abstand genommen – aber auch jüngere Technologien und Ideen wie die 2000-Watt-Gesellschaft oder Minergie greifen nach Ansicht der Experten vom Departement Architektur an der ETH Zürich zu kurz. Denn: Trotz zahlreicher baulicher Neuerungen sind Gebäude noch immer für rund die Hälfte des schweizweiten Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen verantwortlich.

Darum gehen die Spezialisten einen Schritt weiter und fordern Gebäude, die völlig frei sind von Emissionen. «Das Ziel ist eine Null-Emissions-Architektur. Und zwar auf den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden bezogen», sagt Marc Angélil, Vorsteher des ETH-Departements Architektur.

Es gebe neue Technologien, die den Einsatz erneuerbarer Energien noch deutlich verstärken und den Bedarf an nicht erneuerbaren Energien drastisch senken könnten:

■ Multifunktionale Solarpanels produzieren gleichzeitig Wärme und Strom. Die im Sommer eingefangene Wärme wird in einen Erdspeicher unter dem Gebäude geleitet. Im Winter kann sie dann mittels Wärmepumpe zurückgewonnen und für das Heizen der Räume verwendet werden.

■ Spezielle Sensoren sorgen
dafür, dass die Systeme nur dann in Betrieb sind, wenn es nötig ist: So setzt etwa die Lüftung erst dann ein, wenn ein CO2-Sensor meldet, dass ein Mensch im Raum ist.

■ Dank der Null-Emissions-Architektur sind dicke Wärmedämmungen künftig nicht mehr im gleichen Masse notwendig wie heute. Das entbindet die Architekten von engen Vorgaben, vergrössert deren Gestaltungsspielraum und führt zu einer besseren Nutzung der Flächen und des Tageslichts. So kann auch Material gespart werden.

Dass diese Konzepte keine reinen Zukunftsträume mehr sind, zeigen verschiedene Gebäude, die in den letzten Jahren entstanden sind: zum Beispiel der Erweiterungsbau der International Union for the Conservation of Nature in Gland VD. Zurzeit wird auch ein Gebäude der ETH Zürich auf dem Hönggerberg nach den Null-Emissions-Grundsätzen renoviert.