Crispr-Cas9

31. Mai 2017 19:09; Akt: 31.05.2017 19:09 Print

Gefeierte Gen-Schere hat Hunderte Nebenwirkungen

Crispr-Cas9 gilt als revolutionärste Methode der Gentechnik: Mit ihr kann man das Erbgut von Lebewesen verändern. Doch sie führt zu Mutationen.

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Punktgenaue Eingriffe ins Genom: Das ermöglicht die Crispr-Cas9-Methode und setzt damit völlig neue Massstäbe. In China wird sie bereits am Menschen getestet. In den USA soll es ebenfalls bald so weit sein.

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Doch es ziehen dunkle Wolken auf: Laut einer Studie von Forschern der Columbia University in New York ist die Gen-Schere, wie die Methode auch genannt wird, doch nicht so frei von Nebenwirkungen, wie Laborversuche mit Gewebekulturen annehmen liessen.

Blinde Mäuse sehen wieder

Für die im Fachjournal «Nature Methods» veröffentlichte Arbeit hatte das Team um Stephen H. Tsang blinden Mäusen mithilfe von Crispr-Cas9 wieder zum Sehen verholfen.

Das Problem: Die vermeintlich präzise Korrektur des defekten Gens führte zu viel mehr Mutationen im Genom, als prognostiziert worden war. Konkret führte der Eingriff zu rund 1500 sogenannter Einzelnukleotidmutationen. Bei diesen wird je ein Buchstabe der DNA umgeschrieben. Dazu kamen rund hundert weitere, grössere Veränderungen. Dabei waren Genabschnitte sowohl gelöscht als auch ergänzt worden.

Dass diese Entwicklung in den Labortests nicht festgestellt wurde, erklären die Forscher damit, dass nur Genomanalysen an lebenden Organismen die wahren Dimensionen der Mutationen zeigen.

Warnung und Ratschlag

Zwar stellten die Forscher bei den Mäusen nach der Behandlung keine offensichtlichen Defekte fest. Trotzdem geben sie zu bedenken, dass auch eine einzelne kleine Mutation grosse Folgen haben kann.

Aus Sicht der Forscher ebenfalls besorgniserregend: Die Mutationen befanden sich auch an Stellen, die durch bisherige Analysen nicht als gefährdete Regionen prognostiziert worden waren. Sie raten deshalb, vor weiteren Versuchen am Menschen die Nebenwirkungen noch besser zu untersuchen.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sunny K. am 31.05.2017 21:25 Report Diesen Beitrag melden

    Rezessive Vererbung

    Die Auswirkungen von CRISPR zeigen sich möglicherweise erst nach fünf Generationen. Vor allem, wenn rezessive Gene betroffen sind. So kann es sein, dass ein Patient und dessen Enkel gesund sind, aber die Urenkel sind schwer missgebildet.

  • ScienceDog am 31.05.2017 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wow, aber...

    Wow, gemischte gefühle. Einerseits ist es ein unglaublicher Fortschritt Gen-Defekte zu beseitigen, andereseits öffnet das ganze Tür und Tor zu unvorstellbaren Horrorszenarien. Diese Technik muss definitiv streng geregelt und ständig erforscht/verbessert werden. Ich währe aber absolut dagegen es zu verbieten, es ist unsere Pflicht als Spezies uns zu verbessern, neu erfinden. Dafür hat uns der Liebe Herrgott einen Verstand gegeben.

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  • Forschung FTW am 31.05.2017 23:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tierexperimente

    Und genau darum, Kinder, sind Tierexperimente gut. Ist ja schön, wenn man in vitro Gewebekulturen anzüchtet und behandelt (tut man sowieso), aber um ernsthaft relevante Nebenwirkungen zu sehen, muss eine Testsubstanz in ein lebendes Wesen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dr. Muko am 02.06.2017 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Freiwilliger

    Würd ich sofort an mir testen lassen, wenns zugelassen wird.

  • Daniel am 02.06.2017 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Da kommt noch mehr...

    Buchtipp: "Helix" von Marc Elsberg. Schöne neue Welt!

  • Mike am 01.06.2017 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Resident Evil

    Ich sehe schon Zombies rumlaufen und Mutanten...

  • me again am 01.06.2017 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Kein problem

    Solange alles reguliert/kontrolliert ist und die Personen dies freiwillig mitmachen ist das in Ordnung

  • Buchleser am 01.06.2017 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Helix vs. schöne neue Welt...

    Im Buch 'Helix' beschreibt Marc Elsberg ein spannendes 'fiktives' Szenario das aus solchen Genmanipulationen entstehen kann. Vielleicht nimmt dieses Buch die Zukunft vorweg, wie es Huxley in 'Schöne neue Welt' beschrieben hat.