Beunruhigende Studie

27. Februar 2014 11:32; Akt: 27.02.2014 12:30 Print

Gestresste Pfleger sind eine tödliche Gefahr

In Spitälern, in denen das Pflegepersonal überdurchschnittlich belastet ist, steigt das Sterberisiko für Patienten deutlich an – besonders, wenn dazu das Ausbildungsniveau tief ist.

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Wirds für die Pfleger hektisch, sind die Patienten die Leidtragenden. (Bild: Keystone)

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Wie gut ein Patient in einem Spital aufgehoben ist, liegt nicht nur an der Qualität der behandelnden Ärzte. Auch das Pflegepersonal spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Ist es übermässig belastet, kann die Zahl der Todesfälle in Krankenhäusern deutlich ansteigen: Eine am Mittwoch im Fachmagazin «Lancet» veröffentlichte Studie in neun europäischen Ländern, darunter die Schweiz, legt einen solchen Zusammenhang offen.

Höhere Todesraten hängen demnach mit einer höheren Arbeitsbelastung des Pflegepersonals sowie mit einem niedrigeren Ausbildungsniveau von Krankenschwestern zusammen. Die Forscher untersuchten Daten von 420'000 Patienten im Alter über 50 Jahre sowie die Todesfälle in 300 Krankenhäusern. Aus der Schweiz flossen Daten aus 31 Akutspitälern ein.

Dabei ging es um Patienten, die gängige Operationen wie Eingriffe an der Hüfte, am Knie oder am Blinddarm hinter sich hatten. Generell war die Todesrate mit 1,0 bis 1,5 Prozent niedrig. Innerhalb der einzelnen Länder gab es aber Krankenhäuser mit einer Todesrate von mehr als sieben Prozent.

Der Untersuchung zufolge erhöhte jeder Patient, der zur Arbeitsbelastung einer Krankenschwester hinzukam, das Todesfall-Risiko um sieben Prozent. Im Gegenzug sank dieses um ebenfalls sieben Prozent, wenn der Anteil des Pflegepersonals mit Bachelor-Abschluss um zehn Prozent zunahm.

Zum Vergleich: In einem Spital kümmert sich eine Krankenschwester um sechs Patienten pro 24 Stunden und 60 Prozent des Pflegepersonals haben einen Bachelor. Im anderen betreut eine Krankenschwester acht Patienten und nur 30 Prozent der Pflegenden hat diesen Abschluss. In Letzterem ist das Sterberisiko nach Operationen um ein Drittel höher, wie die statistische Auswertung aufzeigte.

Schweiz: Wenig Pflegende mit Bachelor

Ob dieser Zusammenhang auch in der Schweiz alleine zutrifft, untersuchen die an der Studie beteiligten Forscher um René Schwendimann von der Universität Basel nun in einer Folgestudie. Die Schweizer Situation sei speziell, erklärte Schwendimann auf Anfrage.

Nur 10 Prozent des hiesigen Pflegepersonals haben einen Bachelor-Abschluss von einer Hoch- oder Fachhochschule. Die meisten Pflegenden haben ihr Diplom an einer höheren Fachschule gemacht. Die Folgestudie soll die Effekte dieses dualen Systems nebst denen der Arbeitsbelastung auf die Sterblichkeit nach Operationen in der Schweiz untersuchen.

In die aktuelle Studie flossen auch Daten aus Belgien, Grossbritannien, Finnland, Irland, den Niederlanden, Norwegen, Spanien und Schweden ein.

(jcg/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P. Meyers am 27.02.2014 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wobei...

    Wobei eine Lehre oder HF als Krankenschwester vermutlich ebenbürtig ist mit vielen ausländischen Bachelors. Weil es dort gar keine duale Ausbildung gibt, tritt der Bachelor an Stelle der Lehre/HF.

  • jovizz am 27.02.2014 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    alte Garde

    Ob die Akademisierung der Pflege der richtige Weg sein soll, wage ich zu bezweifeln. Kommt noch ein Spezialgebiet hinzu (weitere 2 Jahre), wie Intensiv, Anästhesie oder Notfall, kann man auch gleich ein Medizinstudium absolvieren. Wenn die Pflegenden nicht stundenlang Pflegediagnosen schreiben müssten hätten sie mehr Zeit sich am Krankenbett den Kranken und Alten zu widmen. Viel psycho-sozialer Quatsch und immer weniger medizinisches Fachwissen

  • Dipl. PFF am 27.02.2014 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts?

    Diese Studie wundert mich nicht. Ich bin selber dipl. Pff mit Zusatzausbildung und arbeite auf einem Notfall. Egal wo man arbeitet, überall steigen die Abforderungen, komplexere Fälle, knappe Personalresourcen etc. Die Pflege rennt oft ihrer Arbeit hinterher. Es kommt immer mehr Büroarbeit dazu. Alles muss genaustens dokumentiert, notiert & analysiert werden. Leider, leider werden die optimale & sichere Pflege mehr abgelöst durch die gefährliche Pflege. Es wundert mich nicht, dass viele Pflegende ihren Job wechseln, der Druck ist enorm!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pflegerin sRK am 28.02.2014 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Alles geht nur noch über compiuter jeder Pflegebereicht wird nur noch eingetoggelt wen man eine Krankenschwester sucht haben die keine Zeit weil sie am compi sitzen.es wird alles nur noch verkomplieziert.man hat keine Zeit mehr für Patienten.

  • Steibi am 28.02.2014 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch

    Also ich finde es hunderte male besser wen ich im krankenbett aufwache und mir eine führsorgliche krankenschwester bei meinem alltag hilft als wenn einer mit batchelor schnell reinschaut fragt wie es mir gänge und dann gleich wider geht

    • Bellaaa am 28.02.2014 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Genau lesen 

      falsch verstande. krankeschwöstere mit bachelor! die sind besser ausgebildet und können deshalb besser mit so einer stress situation umgehen :)

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  • Andy am 28.02.2014 04:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Lohn als anreiz?

    Über heisst es das die Nachfrage den Preis bestimmt. Bei den armen Lehren mit einem Grundlohn um die 8000.- sagte man auch, dass ein höherer Lohn mehr Lehrer hervorbringt. Jetzt wäre es auch mal Zeit dies im Pflegebereich anzuwenden. Aber stimmt ja die Pflege und Gesundheit darf nichts kosten.

  • jl am 28.02.2014 01:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    das diplomierte personal sitzt nur vor dem computer.die ganze arbeit am bett machen die pflegeassistenz.solche die den job aufgeben kann ich verstehen.es ist ein körperlich und psychisch belastbarer job der sehr mies bezahlt wird.die meisten burn outs hat man in diesem beruf oder einen rückenschaden.

  • Doc am 27.02.2014 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dank an alle

    Ohne ausländische Pflegekräfte wären wir am Ende, da könnten sämtliche Spitäler dicht machen !! Danke das ihr herkommt, lasst euch nicht von der Abstimmung verschrecken !!