Schlachtfeld Arbeitsplatz

05. November 2015 16:13; Akt: 05.11.2015 16:13 Print

Grossraumbüros sind Gift für das Arbeitsklima

42 Prozent der Beschäftigten in Grossraumbüros beklagen sich über fehlende Höflichkeit, Respektlosigkeit und sogar Gewalt.

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In Grossraumbüros nerven laute Gespräche und dauernde Unterbrechungen besonders. (Bild: Keystone/Boris Roessler)

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Die Arbeit im Grossraumbüro und der übermässige Gebrauch von Smartphones führen zu einem ruppigeren Umgangston in Unternehmen. Dies geht aus einer Studie der französischen Stelle für Arbeitsgesundheit Eleas hervor, wie die Nachrichtenagentur AFP schreibt. In einer Online-Umfrage gaben Mitte September 42 Prozent der Teilnehmer an, dass sie an ihrem Arbeitsplatz unter unhöflichem Benehmen leiden, sei das mangelnder Respekt, Anstandslosigkeit oder – seltener – verbale oder sogar physische Gewalt.

Die Studie legte ihr Hauptaugenmerk auf die Auswirkungen der Arbeitsorganisation, den Gebrauch digitaler Geräte und Unterschiede bei den verschiedenen Altersstufen. Bemerkenswert ist die Erkenntnis, dass 58 Prozent der befragten Angestellten angaben, dass die Arbeit im Grossraumbüro den ruppigen Umgang fördere. Und zwar unabhängig von der Branche, der Grösse des Unternehmens und dem Alter der Angestellten.

«Laute Gespräche und Unterbrechungen stellen kein Problem dar, wenn sie einmalig passieren, doch in der Wiederholung verschlechtern sie das Arbeitsklima», schreiben die Studienautoren.

Altersabhängig

55 Prozent der Befragten gaben an, dass unhöfliches Verhalten mit dem Alter zusammenhänge. Diese Feststellung machten alle Altersgruppen. 48 Prozent nehmen die Jüngsten (16 bis 34 Jahre) als am unhöflichsten war.

Die 20- bis 34-Jährigen zeigen sich besonders von Respektlosigkeit gegenüber ihrer Person betroffen, während die über 55-Jährigen am meisten die Verletzung der Anstandsregeln anprangern. Hier wurde speziell das Schreiben von SMS oder Mails während eines persönlichen Gesprächs hervorgehoben – 76 Prozent lehnen ein solches Verhalten ab.

Die Auswirkungen der Ruppigkeit auf die Produktivität und die Gesundheit der Angestellten unterscheiden sich je nach Altersgruppe. 67 Prozent der 20- bis 34-Jährigen fühlen sich dadurch bei der Arbeit demotiviert (59 Prozent bei den über 55-Jährigen). 44 Prozent der Jüngeren haben ein schlechtes Bild von den Gleichaltrigen entwickelt (29 Prozent bei den über 55-Jährigen). 34 Prozent der 20- bis 34-Jährigen erlebten am Arbeitsplatz schon einmal einen Nervenzusammenbruch oder brachen in Tränen aus (21 Prozent bei den über 55-Jährigen).

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • martin rüger am 05.11.2015 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    100% korrekt

    ich habe mal ein halbes Jahr um 6 begonnen während der rest so um 9 Uhr eingetrudelt ist, ich habe in den 3h ungestört richtig viel erreicht in den restlichen 5.4h hab ich nicht mehr so viel geschafft wie in den ersten 3 h, weil es lärmiger wurde, Leute Schwätzchen halten wollten und so weiter. Lieber Projektbüros wo die Leute die an einem Projekt arbeiten zusammen setzen das bringt was. Grossraumbüros sind auch ideale Virenverteiler man konnte teilweise zusehen wie die Krankheit sich durch das Büro arbeitete

  • Beni am 05.11.2015 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Hire & Fire

    Realistisch gesehen sind wir heute in der Arbeitswelt nur eine Nummer, jeder ist ersetzbar. Resultat: Ein haufen Einzelkämpfer und Egoisten.

  • Dieter Kaiser am 05.11.2015 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Plausibel

    In Anlehnung an "Allzu viel ist ungesund" wird das niemanden wundern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Easy am 06.11.2015 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ach, man gewöhnt sich dran.

    Ich arbeitete 15 Jahre in einem Grossraumbüro. Es ging zwar laut zu und her, aber mir gefiel es so. Ich lernte auch, die Umgebung auszublenden, damit ich mich auf die Arbeit konzentrieren konnte. Es passierte aber auch ab und zu etwas lustiges oder einer rastete aus und die anderen hatten später in der Pause ein Thema.. ;-)

  • Musti Mustermann am 06.11.2015 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Nie wieder

    Habe vor langer Zeit mal bei der UBS so gearbeitet. Wie Hennen in der Legebatterie! OK, mit Kopfhörern und Musik konnte man sich etwas abschirmen, aber sonst wirklich null Privatsphäre.

  • Muller am 06.11.2015 05:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ablenkung

    Seit wann ist Ablenkung durch A: Lärm,B: Visuell, : C gestank und zuviel abgeatmete. Luft... Förderlich für die Konzentration und somit Qualität der Arbeit. ? Es müssten strenge Regeln durchgesetzt werden. Dann wäre es 50% effizienter.

  • Marc am 06.11.2015 02:44 Report Diesen Beitrag melden

    intro/extro

    Habe schon Jobs abgelehnt, weil es für mich nicht tragbar ist in einem Grossraumbüro zu arbeiten. Als stark introvertierte Person ist sowas der Horror.

    • DominikMW am 06.11.2015 12:56 Report Diesen Beitrag melden

      genau

      Geht mir genau so, gleiches Problem. Grossraumbüro = No go, die psychische Belastung ist zu gross.

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  • Luna am 05.11.2015 22:28 Report Diesen Beitrag melden

    kein Problem

    Ich fühle mich im Grossraumbüro eigentlich ganz wohl. Dem Lärmpegel kann ich problemlos ausblenden, weil er regelmässig und immer gleich laut ist. Wenn es lange still ist und dann plötzlich laut wird, lenkt mich das viel mehr ab. Für meinen Geschmack ist auch die Luftqualität besser, da die Luft trocken ist, regelmässig geheizt und klimatisiert wird und die Fenster geschlossen bleiben. In 2-4er Büros mit ständig aufgerissenen und wieder geschlossenen Fenster hatte ich abwechseln zu warm oder zu kalt. Ausserdem bekommt man so viel mehr mit und ist generell besser informiert.

    • Stella am 06.11.2015 22:53 Report Diesen Beitrag melden

      Dito

      Fast richtig: Fühle mich auch wohl, aber: Bei schlecht funktionierender Klimaanlage ist die Luft einfach schrecklich. Ich ecke immer an, da ich im Sommer lieber bei heisser Frischluft und offenem Fenster arbeite, als dass ich fast ersticke. Leider sind wir Fensteröffner in der Minderheit.. Das bedeutet ständiger Kampf. Ansonsten sind Grossraumbüros Top!

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