Fischinvasion

01. Oktober 2013 22:25; Akt: 01.10.2013 22:26 Print

Grundeln bedrohen einheimische Fische

Sie stammen aus Osteuropa und sind ausgesprochen anspruchslos: Die Schwarzmeergrundeln sind bereits in den Rhein vorgedrungen und bedrohen heimische Fischarten.

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Die Familie der Grundeln () ist mit über 200 Gattungen und mehr als 1500 Arten die artenreichste Gruppe der Meeresfische. Einige Arten haben auch das Brack- und Süsswasser als Lebensraum erobert. Bild: eine Kesslergrundel (). Nach der Eröffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals vor rund 20 Jahren wanderten im Schwarzen Meer und im Donau-Mündungsgebiet heimische Grundel-Arten ins Einzugsgebiet des Rheins ein. Bild: Kesslergrundel im Hafen Kleinhüningen. 2011 wurden sie erstmals in Basel festgestellt. Bild: Kesslergrundel. Grundeln können eine Grösse von 18 bis 24 cm erreichen. Bild: Schwarzmaulgrundel. Die unter der Bezeichnung Schwarzmeergrundeln zusammengefassten vier Grundelarten - die Kessler-, die Schwarzmund-, die Fluss- (oder Nackthalsgrundel) sowie die Marmorgrundel - sind äusserst vermehrungsfreudig. Grundeln laichen bis zu viermal im Jahr und können in kurzer Zeit grosse Bestände bilden. Bild: Invasive Muscheln, Fische und Krebse - und ihre Beute. Der anspruchslose Fisch, dem verschmutztes Wasser, niedriger Sauerstoffgehalt und starke Trübung nichts ausmachen, liebt langsam fliessende und stehende Gewässer. Bild: Laichfallen in Basel. Velokörbe, angefüllt mit Steinen, halb verdeckten Blumentöpfen und PVC-Röhren, werden in den Hafen gesenkt. Grundeln sind schlechte Schwimmer. Dennoch überwinden sie in kurzer Zeit grosse Distanzen, da sie über eine Saugscheibe am Bauch verfügen, mit der sie sich an Schiffsrümpfe anheften können. Bereits breiten sich zwei Grundelarten aus dem Schwarzen Meer in beängstigender Zahl im Basler Hochrhein aus. Untersuchungen im Hafen Kleinhüningen ergaben, dass sich die Invasoren innerhalb nur eines Jahres stark vermehrt hatten. Bild: Grundel in Laichfalle Dies bedroht hier ansässige Arten wie die Groppen und heimische Grundelarten, deren Eier massenweise von den gefrässigen Schwarzmeergrundeln vertilgt werden. Bild: Reusen werden mit Hundefutter präpariert. Bild: Die Reusen werden ausgeworfen. Erfolgreiche Jagd - gefangene Grundeln. Gefrässige Grundel.

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1992 wurde der Rhein-Main-Donau-Kanal eröffnet; damit war die letzte Lücke im Wasserstrassennetz zwischen Nordsee und dem Schwarzen Meer geschlossen. Die neue Verbindung öffnete allerdings auch ungebetenen Gästen den Weg zu uns: Im Schwarzen Meer und im Donau-Mündungsgebiet heimische Grundel-Arten wanderten in das Einzugsgebiet des Rheins ein. 2011 erreichten sie erstmals Basel.

Die unter der Bezeichnung «Schwarzmeergrundeln» zusammengefassten vier Grundelarten – die Kesslergrundel, die Schwarzmundgrundel, die Flussgrundel (oder Nackthalsgrundel) sowie die Marmorgrundel – sind äusserst vermehrungsfreudig: Grundeln laichen bis zu viermal im Jahr und können in kurzer Zeit grosse Bestände bilden. Der anspruchslose Fisch, der verschmutztes Wasser, niedrigen Sauerstoffgehalt und starke Trübung toleriert, liebt langsam fliessende und stehende Gewässer.

Schlechte Schwimmer, die weit kommen

Grundeln können eine Grösse von 18 bis 24 cm erreichen und sind schlechte Schwimmer. Dennoch überwinden sie in kurzer Zeit grosse Distanzen, da sie über eine Saugscheibe am Bauch verfügen, mit der sie sich an Schiffsrümpfe anheften können. Möglicherweise gelangen auch ihre Larven oder ihr Laich mit dem Ballastwasser von Schiffen in entfernte Gebiete – Schwarzmeergrundeln sind seit den Neunzigerjahren auch in den Grossen Seen in Nordamerika anzutreffen.

Auf den Ernst der Lage hierzulande hat Mitte September Patricia Holm von der Universität Basel in einem Vortrag für den Aargauischen Fischereiverband (AFV) hingewiesen. Bereits breiten sich zwei Grundelarten aus dem Schwarzen Meer in beängstigender Zahl im Basler Hochrhein aus. Untersuchungen im Hafen Kleinhüningen ergaben, dass sich die Invasoren innerhalb nur eines Jahres stark vermehrt hatten. Dies bedroht hier ansässige Arten wie die Groppen und heimische Grundelarten, deren Eier massenweise von den gefrässigen Schwarzmeergrundeln vertilgt werden.

Schlüsselgebiet Aargau

Der Kanton Aargau ist hinsichtlich der weiteren Verbreitung der invasiven Grundeln in der Schweiz ein Schlüsselgebiet. Am Kraftwerk Rheinfelden, wo die Rheinschifffahrt endet, könnte dem ungebetenen Gast das Eindringen in die Flusssysteme von Aare, Limmat und Reuss verwehrt werden, schreibt der AFV in einer Mitteilung. Sollte es den Schwarzmeergrundeln gelingen, die Treppen beim Kraftwerk zu überwinden, so der AFV, könnte ein systematisches Controlling an der Staustufe Klingnau aufgebaut werden. Dort befindet sich der Zugang zur Aare und damit zum Mittelland. Holm betont, Vorbeugung sei das beste Mittel gegen die Ausbreitung von invasiven Arten. Aber auch danach ist der Kampf nicht aussichtslos. In den Grossen Seen in Nordamerika gelang es, die Population der eingewanderten Grundeln durch Raubfische um fast 60 Prozent zu dezimieren.

Grundeln in der Reuse: Im Mai 2013 berichtete 20 Minuten über die Felduntersuchung einer Forschungsgruppe der Uni Basel.


«Das Grundelproblem, so sieht eine Schwarzmeergrundel aus!»
(Quelle: Youtube/Boerben16)

(dhr)