Aids-Erreger

09. Juli 2018 17:10; Akt: 09.07.2018 17:10 Print

Forscher sind HIV-Impfung einen Schritt näher

Kaum Nebenwirkungen, dafür eine Immunreaktion: Ein HIV-Impfstoff zeigt sich im Tierversuch als vielversprechend. Nun soll er an Frauen getestet werden.

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Das Outing von Conchita Wurst im April 2018 verdeutlicht einmal mehr: Das HI-Virus kann jeden treffen. Doch das könnte sich in Zukunft ändern, wie eine im Fachjournal «The Lancet» publizierte Studie hoffen lässt Laut dieser haben Wissenschaftler auf der Suche nach einem Impfstoff gegen das HI-Virus einen wichtigen Fortschritt erzielt: Zwei Drittel der Rhesusaffen, denen der Wirkstoff sowie ein HIV-ähnlicher Virus injiziert wurde, waren anschliessend völlig vor der Infektion geschützt. Auch der Test mit 393 gesunden Erwachsenen zwischen 18 und 50 Jahren schürt Hoffnungen: Bei ihnen löste der injizierte Wirkstoff starke Immunreaktionen aus, jedoch kaum Nebenwirkungen. Daher darf die Forschung zum Impfstoff nun in die nächste Phase gehen. Das Medikament soll in Südafrika 2600 Frauen injiziert werden, um zu überprüfen, ob es Aids tatsächlich vorbeugen kann. Ergebnisse werden 2021/2022 erwartet. (Im Bild: die südafrikanische Bergkette Twelve Apostles) Der Frankokanadier Gaétan Dugas galt übrigens viele Jahre als derjenige, der das HI-Virus in die USA gebracht und dort für seine Verbreitung gesorgt hatte. Er sei Amerikas Patient null gewesen, hiess es. Grund dafür war eine 1984 veröffentlichte Studie. In dieser wiesen die Forscher nach, dass mehrere Sexpartner des Flugbegleiters mit HIV infiziert oder bereits an Aids erkrankt waren. Demnach konnte bei mindestens 40 der ersten 248 HIV-Patienten eine Verbindung zu Dugas hergestellt werden. Doch Dugas, der 1984 am Virus starb, erlangte seinen Status zu Unrecht und auf tragische Weise aufgrund eines Missverständnisses, wie eine neue Studie von Forschern der University of Arizona zeigt. Demnach hatte das Virus bereits Anfang der 1970er-Jahre ... ... die USA erreicht. Damit scheidet Gaétan Dugas als Auslöser der Epidemie aus. Als er 1982 seine Blutprobe abgab, war HIV längst an beiden Küsten verbreitet. Die Daten zeigen, dass die epidemischen Ausbrüche in Kalifornien eigentlich Ableger des älteren Ausbruchs in New York waren. 1981: In den USA sterben immer mehr junge Männer – vor allem in Kalifornien – an einer mysteriösen Krankheit, die das Immunsystem der Kranken ausschaltet. Am 5. Juni äusserst sich erstmals die US-Gesundheitsbehörde CDC über die auffällige Zunahme einer seltenen Krankheit. (Im Bild: der Aids Memorial Quilt, der an das Leben verstorbener Aids-Patienten erinnert) 1982: Die erworbene Immunschwächekrankheit wird AIDS – Acquired Immunodeficiency Syndrome – genannt. 1983 identifizieren der Amerikaner Robert Gallo und der Franzose Luc Montagnier das Virus, das die Krankheit auslöst. 1985: In Atlanta findet die erste Welt-Aids-Konferenz statt. 1985: Im Oktober stirbt als erster Prominenter der US-Schauspieler Rock Hudson an den Folgen der Immunschwäche. Durch seinen Tod wird die breite Öffentlichkeit auf Aids aufmerksam. 1986: Aus Afrika werden die ersten Aids-Fälle gemeldet. 1988: Die WHO führt den 1. Dezember als Welt-Aids-Tag ein. 1991: Die Rote Schleife wird internationales Symbol für den Kampf gegen Aids. Im November des gleichen Jahres stirbt der Leadsänger der Popgruppe Queen, Freddie Mercury, an Aids. 1993: Das Modehaus Benetton thematisiert AIDS in einer Werbekampagne. 1993: «Philadelphia» mit Tom Hanks ist der erste grosse Hollywoodfilm, der sich kritisch mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Aids-Erkrankten und Homosexuellen in den USA auseinandersetzt. Im Jahr 1995 kommen sogenannte Protease-Hemmer als neues Aids-Medikament auf den Markt. Nach Angaben der UNAIDS im Dezember 2005 sind über 40 Millionen Menschen auf der Welt mit dem HI-Virus infiziert – ein neuer Höchststand.

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Auf der Suche nach einem Impfstoff gegen den Aids-Erreger HIV haben Wissenschaftler einen wichtigen Fortschritt erzielt. Ein Wirkstoff habe bei Menschen eine Immunreaktion erzeugt und Affen vor einer Infektion geschützt, wie die Fachzeitschrift «The Lancet» schreibt.

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Als nächster Schritt soll das Medikament an 2600 Frauen in Südafrika getestet werden. «Die Ergebnisse sind vielversprechend, aber wir müssen vorsichtig bleiben», sagte Dan Barouch, Professor für Medizin an der Universität Harvard, der Nachrichtenagentur AFP. Die vorliegenden Daten bewiesen noch lange nicht, dass auch Menschen durch den Impfstoff vor HIV geschützt werden könnten.

Durchschlagende Ergebnisse bei den Affen

In einer Laborstudie wurde 72 Affen der Wirkstoff sowie ein HIV-ähnlicher Virus injiziert. Zwei Drittel der Tiere wurden demnach durch die Impfung völlig vor der Infektion geschützt.

Barouch und sein Team nahmen zudem eine Studie mit 393 gesunden Erwachsenen zwischen 18 und 50 Jahren aus Ostafrika, Südafrika, Thailand und den USA vor. Ein Teil der Gruppe erhielt den Wirkstoff, den restlichen Teilnehmern wurde lediglich ein Placebo verabreicht. Medizinprofessor Barouch gab an, das Testmedikament habe «starke Immunreaktionen bei den Menschen ausgelöst».

Anwendung beim Menschen

Zudem löste das Mittel bei nur wenigen Teilnehmern Nebenwirkungen aus – fünf von ihnen beklagten etwa Magenschmerzen und Durchfall, Schwindel oder Rückenschmerzen. Daher darf die Forschung zum Impfstoff nun in die nächste Phase gehen: Das Medikament soll in Südafrika 2600 Frauen injiziert werden, um zu überprüfen, ob es Aids tatsächlich vorbeugen kann. Ergebnisse werden 2021/22 erwartet.

Die Suche nach einem Impfstoff gegen Aids ist extrem herausfordernd, weil das HI-Virus sehr anpassungsfähig ist. Weltweit sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa 37 Millionen Menschen mit HIV infiziert oder leben bereits mit Aids.

Jährlich stecken sich etwa 1,8 Millionen Menschen neu mit dem Virus an, das die Immunabwehr des menschlichen Körpers zerstört. Etwa eine Million Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robin Waltz am 09.07.2018 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Hmmmm

    Lancet sollte man zwar schon ernst nehmen können, allerdings hört man alle 2-3 Jahre von solchen HIV-heilenden Ankündigungen und danach plötzlich wieder einfach nichts mehr. Und das seit gefühlt 15 Jahren...

  • Amina123 am 09.07.2018 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    frauen 'besser' geeignet?

    ich frage mich,warum nur an frauen getestet wird.hat es etwas mit den hormonen zu tun? wäre sinnvoll,dies dem artikel anzufügen,worin der grund liegt.

  • mm66 am 09.07.2018 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hope?

    Naja... Ich traue dem nicht ganz. Solange kein Virus isoliert wurde, kann man schreiben was man will. Bin da sehr skeptisch.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stella am 10.07.2018 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nur Frauen?

    Der Bericht ist schon ein wenig befremdlich. Zuerst machen sie Tierversuche, dann testen sie an Frauen? Warum wird hier mit keinem Wort erwähnt, weshalb an Frauen und nicht generell an Menschen getestet wird?

  • Flunder am 10.07.2018 08:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gibt es schon lange

    nennt sich Kondom. Alles andere sind bedauerliche und seltene Fälle. Entwickelt lieber ein Medikament dagegen, dass die Viren im Körper abtötet.

    • Thomas am 10.07.2018 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Flunder

      Ach ja ein Medikament das die Viren einfach so abtötet. Wenn das so einfach wäre. Eine Impfung scheint mir eher möglich, da die Viren dann in ihrer schwächsten Phase abgetötet werden. Der Keim wird so im Kern erstickt.

    einklappen einklappen
  • Amina123 am 09.07.2018 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    frauen 'besser' geeignet?

    ich frage mich,warum nur an frauen getestet wird.hat es etwas mit den hormonen zu tun? wäre sinnvoll,dies dem artikel anzufügen,worin der grund liegt.

  • mm66 am 09.07.2018 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hope?

    Naja... Ich traue dem nicht ganz. Solange kein Virus isoliert wurde, kann man schreiben was man will. Bin da sehr skeptisch.

  • Cheyenne1 am 09.07.2018 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wesshalb nur Frauen

    Eigenartig dass der Impfstoff nur an Frauen getestet wird. Eigentlich sollten Forscher, wenn sie überzeugt sind, dass es nicht schadet , die Impfstoffe auch an sich testen. Wenn es Erfolg hat werden sie gefeiert und mit Auszeichnunge geehrt aber das Risiko tragen zu 100% andere und in diesem Fall Frauen..