Kraft der Gedanken

16. Mai 2012 23:40; Akt: 16.05.2012 23:40 Print

Hirn-Chip lässt Gelähmte wieder Zugreifen

Selbstständig eine Tasse Kaffee zu trinken, ist für Tetraplegiker ein Ding der Unmöglichkeit. Ein Gehirn-Chip und Roboterarm könnten dies künftig ändern.

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Fast 15 Jahre war eine Amerikanerin nach einem Hirnschlag vom Hals abwärts gelähmt. Nun kann sie wieder selbstständig Kaffee trinken. Der Arm, den die 58-jährige Frau dazu bewegt, ist nicht ihr eigener, sondern ein in Deutschland entwickelter Roboter-Arm. Sie steuert ihn über ein in ihr Gehirn eingesetztes Implantat, und zwar allein mit der Kraft ihrer Gedanken.

Von diesem und einen weiteren Versuch mit einem 66-jährigen Mann berichtet ein Forscherteam aus Deutschland und den USA im Fachblatt «Nature». Das Kaffeetrinken sei die bisher komplexeste Funktion, die je über eine Mensch-Maschine-Schnittstelle ausgeführt wurde, schreiben die Wissenschaftler.

Eine praktische Anwendung der Technik sei trotz der Erfolge jedoch noch Jahre entfernt, betont Hauptautor Leigh Hochberg von der Brown University in Providence.

Das Gehirnimplantat funktioniert wie ein Sensor, der über winzige Elektroden die Nervensignale aus dem Gehirn an einen Computer leitet. Dieser ist mit einem Roboter-Arm verbunden und wandelt die Nervensignale in Bewegungen um. Der Arm stammt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen.

Über Gehirnimplantat Computer gesteuert

In ihrem Bericht stellen die Forscher einen weiteren durch Hirnschlag gelähmten Patienten vor. Der 66-Jährige bekam fünf Monate vor Beginn der Tests das Hirnimplantat. Beide Probanden hatten in ersten Experimenten zunächst trainiert, über das Implantat kraft ihrer Gedanken einen Computer-Cursor zu steuern.

Um den Roboterarm zu bewegen, stellten sich die Patienten dann einfach vor, sie würden die Bewegungen mit ihrem eigenen Arm ausführen. Besonders anstrengend sei das nicht, berichteten die beiden nach den Versuchen.

Als sie das erste Mal nach 15 Jahren den Strohhalm berührte, habe die Frau gelächelt. «Das war für alle Beteiligten ein grosser emotionaler Moment», sagte DLR-Projektleiter Patrick van der Smagt. Die Forscher hoffen, dass künftig noch viel geschicktere Bewegungen möglich sein werden. Doch schon das einfache Greifen sei für solche Menschen enorm befreiend, da sie wieder selbständig essen und trinken könnten.

Derzeit werde das Implantat - und damit der Patient - noch über Kabel mit dem System verbunden, erläuterte Hochberg. Wünschenswert sei eine kabellose Signalübertragung. Ein Fernziel sei es, das Gehirn nicht mit einem Roboter-Arm zu verbinden, sondern direkt die gelähmten Muskeln anzusteuern und diese etwa über ein entsprechendes Gerät elektrisch zu stimulieren. In Affen seien solche Versuche erfolgversprechend verlaufen.

Die Entwicklung des genutzten Braingate-Systems wurde von den US- Gesundheitsbehörden NIH gefördert. Für eine solche Technik seien Jahrzehnte an Forschung nötig gewesen, betonte NIH-Abteilungsleiter Story Landis.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • peter p am 17.05.2012 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    sie wollen uns nur helfen...

    und wie jede geniale arbeit wird auch diese wieder missbraucht und zum nachteil der ganzen menschheit eingesetzt werden...! sicher werden einige davon profitieren aber wir dürfen nicht vergessen, dass genau solche chips verwendet werden um uns in jeder einzelnen lebenslage zu überwachen...

  • Paul am 17.05.2012 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man kann ja hoffen!

    Man sollte ehrlich gesagt kein Geld dafür verschwenden, das ein 107 Jähriger Mann länger leben kann, man sollte die Grenze bei 100 Jahren festsetzen. Wir sollten unsre Ressourcen lieber dafür verwenden, den Behinderten das Leben zu erleichtern( oder gar die Behinderung zu ,,heilen") Den todgeweihten die Schmerzen zu nehmen, oder der Generation U 100 das Leben zu verlängern( die Akademiker sollten 70 arbeiten, die Bauarbeiter möglich lange arbeiten, und danach ggf. eine Umschulung machen, man Weiß ja nicht, was in zehn Jahren möglich sein wird( Fit bis ins hohe Alter, Gene etc.))

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  • d.m. am 17.05.2012 13:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    affen 

    ich gönne allen kranken eine verbesserung aber alle vergessen dahinter die massenhaften tierversuche. das müssen wir ändern und an uns selber test durchführen lassen anstatt an affen, schafen, ratten... die haben auch gefühle und rechte aufs leben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • peter p am 17.05.2012 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    sie wollen uns nur helfen...

    und wie jede geniale arbeit wird auch diese wieder missbraucht und zum nachteil der ganzen menschheit eingesetzt werden...! sicher werden einige davon profitieren aber wir dürfen nicht vergessen, dass genau solche chips verwendet werden um uns in jeder einzelnen lebenslage zu überwachen...

  • R. Jahnson am 17.05.2012 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Wieso die eine elektronische Schnittstelle einfügen, anstatt denn natürlichen Heilprozess der Nervenbahnen wieder her zu stellen, bzw. daran vermehrt zu forschen? Wahrscheinlich hat das Militär mehr interesse an so etwas...

  • d.m. am 17.05.2012 13:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    affen 

    ich gönne allen kranken eine verbesserung aber alle vergessen dahinter die massenhaften tierversuche. das müssen wir ändern und an uns selber test durchführen lassen anstatt an affen, schafen, ratten... die haben auch gefühle und rechte aufs leben!

    • Felix D. am 17.05.2012 15:19 Report Diesen Beitrag melden

      Ja die bösen Forscher

      Schnitzel auf dem Teller, schicke Lederjacke, Zirkusbesuche etc. haben alle gern, aber über die Gehirnforscher herziehen ist einfach da muss man nicht auf Luxus verzichten, wen interssieren schon die Kranken.

    • a.p. am 17.05.2012 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      weil die affen mehr wert sind als wir

      An uns versuche durchführen? wozu sind wir wohl die klügste spezies wenn wir uns die tiere nicht unterordnen dürfen.

    • d.m. am 17.05.2012 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      pelz

      was hat das eine mit dem anderen zu tun? ich finde will der mensch fortschritt dann mach es mit zellkulturen oder seines gleichen. aber nicht mit tieren. ja du hast recht genau so zu verurteilen ist der pelz, fleisch das man nicht selber schlachtet etc.

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  • Paul am 17.05.2012 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man kann ja hoffen!

    Man sollte ehrlich gesagt kein Geld dafür verschwenden, das ein 107 Jähriger Mann länger leben kann, man sollte die Grenze bei 100 Jahren festsetzen. Wir sollten unsre Ressourcen lieber dafür verwenden, den Behinderten das Leben zu erleichtern( oder gar die Behinderung zu ,,heilen") Den todgeweihten die Schmerzen zu nehmen, oder der Generation U 100 das Leben zu verlängern( die Akademiker sollten 70 arbeiten, die Bauarbeiter möglich lange arbeiten, und danach ggf. eine Umschulung machen, man Weiß ja nicht, was in zehn Jahren möglich sein wird( Fit bis ins hohe Alter, Gene etc.))

    • allan am 17.05.2012 09:07 Report Diesen Beitrag melden

      ahaaa...

      du willst also wirklich, dass der staat vorschreibt, wie alt du werden darfst oder bis zu welchem alter die geholfen werden kann? bloss, weil du nicht mehr lange zu leben hast?

    • Jon am 17.05.2012 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Hallooooo

      Hallo Paul Sie sind also einer derjenigen die wissen wie die Zukunft aussehen soll und sind auch der Meinung dass unsere Gesellschaft eine Altersbeschränkung haben soll. Warum nich gleich so: der Mensch darf so lange leben so lange er auch arbeiten kann? Dann wäre ja das Problem mit der Pensionskasse geklärt. Ich finde Ihre Einstellung diskreminierend. Jeder hat das recht zu leben, auch mit 100 Jahren und auch in diesem Alter hat man das Anrecht auf ärztliche Behandlung.

    • maffessanti am 17.05.2012 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Respekt...

      wie konnte ich bloss nicht selber drauf kommen? Umschulung mit 70 und Entsorgung mit 100. In Anbetracht der Tatsache, dass ein Lebensalter von über 100 Jahren für die heutigen Jungen durchaus realistisch ist, nenne ich das eine gaaanz tolle Lösung des Problems (habe ich "Problem" gesagt?). beste Grüsse an ihre Grosseltern.

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  • Ricardo Granda am 17.05.2012 01:57 Report Diesen Beitrag melden

    Vernünftiges

    Hier, sollte die Wissenschaft ansetzen und nicht in Projekte wie, das Leben verlängern zu wollen, oder sinnlos Geld ausgeben, um festzustellen, dass ein Pferd die Stimme eines bestimmten Menschen, mit seinem Bild verbinden kann. Es sollte kein Leben verlängert werden, sondern den Kranken und Behinderten, das Leben so beschwerdenfrei wie möglich zu gestalten.

    • allan am 17.05.2012 09:08 Report Diesen Beitrag melden

      sehr intelligent

      wenn leben nicht verlängert werden würden, hätten wir eine lebenserwartung von 25-30 jahren. wir können ja auch wieder hygienestandards des mittelalters einführen. dann klappt das von ganz allein.

    • Lukas am 17.05.2012 10:31 Report Diesen Beitrag melden

      @allan

      seit wann werden heutzutage lebensverlängernde Massnahmen bei 25-30jährigen eingesetzt? Die Lebenserwartung ist ohne dies viel höher heute, oder leben sie noch im Mittelalter. Ricardo hat schon recht, wenn man seinen Beitrag richtig liest und versteht.

    • vanessa t. am 17.05.2012 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      knochenfunde

      als archäologin muss ich darauf hinweisen, dass es den leuten im mittelalter viel besser ging als z.b. während der industriellen revolution! sie wurden älter, grösser und waren gesünder. das wirkliche ungemach setzte also erst mit dem "fortschritt" ein!

    • Denker am 17.05.2012 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ricardo Genau!!

      Bin 100% Deiner Meinung!!!

    • Ricardo Granda am 17.05.2012 15:21 Report Diesen Beitrag melden

      @ allan

      Ich meine natürlich, dass wenn jemand 85 Jahre alt wird, nicht gerade Sinn macht,dieses Leben auf über 100 Jahren, künstlich zu verlängern.

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