WM-Vorbereitung

26. Mai 2010 23:13; Akt: 26.05.2010 23:57 Print

Hochalpines Wettrüsten der roten Blutkörper

von Sandro Compagno und Andy Huber - Fünf der neun Spielorte an der WM in Südafrika liegen höher als 1300 Meter über Meer. Kein Wunder, fallen die Teams scharenweise in den Bergen ein.

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Akribisch, wie es seiner Art entspricht, bereitet Ottmar Hitzfeld die Schweizer Nationalmannschaft in der Walliser Höhenlage von Crans-Montana (1500 m ü. M.) auf die Weltmeisterschaft vor. Damit übertrifft die Schweiz ihre drei Gruppengegner Spanien, Chile und Honduras zwei Wochen vor der Weltmeisterschaft um mehrere hundert Höhenmeter (siehe Box).

Hitzfeld überlässt nichts dem Zufall. Mediziner überwachen jeden Pulsschlag seiner 23 Spieler. «Wir waren sehr überrascht, dass die Belastung schon nach 30 Minuten sehr hoch war», staunte Hitzfeld gestern. Denn nach 30 Minuten war auf dem Trainingsplatz in Lens (1200 m ü. M.) gerade einmal das Aufwärmen beendet. «Die Atmung geht schneller, der Puls ist höher», fasst Hakan Yakin die Erfahrungen der ersten Höhentrainings zusammen. Neben Lens verfügt die Nati auch im Walliser Talboden in Sierre (533 m ü. M.) über einen Trainingsplatz. Dort kann schon jetzt mit höheren Belastungen trainiert werden.

Dass Höhentrainings Sinn machen, weil sie die Produk­tion von roten Blutkörperchen anregen und so die Ausdauerleistung verbessern, steht aus­ser Zweifel. «Wichtige Tore fallen häufig in der Schlussphase», sagt Sportmediziner Urs Frölicher von der Endoclinic Zürich, «da braucht man Spieler, die auch in der 85. Minute über 30 Meter noch schneller als der Gegner spurten können.»

Die Schweizer trainieren in Crans-Montana, die Algerier waren schon hier, Japan ist in Saas-Fee, die Elfenbeinküste in Saanenmöser, Nordkorea in Anzère. Zwei Wochen vor der WM hat ein hochalpines Wettrüsten der roten Blutkörperchen eingesetzt.