Jahrhundert-Dürre

21. Juni 2014 20:17; Akt: 03.08.2018 16:29 Print

In Kalifornien reisen Lachse im Tankwagen

von Terence Chea, AP - Im ausgetrockeneten Westen der USA helfen die Menschen der Natur mit Technik nach: Millionen Junglachse müssen neuerdings per Lastwagen zum Meer transportiert werden.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im dürregeplagten Kalifornien erreichen junge Lachse den Pazifik nicht durch einen Fluss, sondern auf der Strasse: Weil die historische Dürre Flüsse und Bäche fast ausgetrocknet hat, werden Millionen sechs Monate alte Lachse mit Tankwagen ans Meer transportiert. Die herkömmliche Wanderung durch die Gewässer würden die Jungtiere wohl kaum überleben.

«Die Dürrebedingungen haben zu niedrigeren Wasserständen in den Flüssen und höheren Wassertemperaturen geführt, und die Fische, die normalerweise flussabwärts schwimmen würden, wären wegen ihrer Feinde und der Wärme sehr, sehr gefährdet», sagt Kari Burr, Biologin der kalifornischen Fischereistiftung.

Seit Jahren schon fährt Kalifornien Zuchtlachse per Lastwagen ans Meer, um Staudämme und riesige Pumpen zu umgehen, die den Süden und die zentralen Agrargebiete des US-Staats mit Wasser versorgen. Doch dieses Jahr werden nach Angaben der Fischereibehörde wegen der Dürre fast 27 Millionen Junglachse auf diese Art transportiert, rund 50 Prozent mehr als normal.

Tanklaster und Plastikschläuche

Jedes Frühjahr setzt die nationale Fischzuchtstation Coleman üblicherweise etwa zwölf Millionen Junglachse im Battle Creek frei, einem Zufluss des Sacramento. Dieses Jahr aber wurden 7,5 Millionen von ihnen direkt zur Bucht von San Francisco gefahren. Denn wegen der Dürre wäre der rund 500 Kilometer lange Weg im Fluss zu gefährlich gewesen.

Ein kleiner Konvoi Tanklastwagen mit Fischen aus der Coleman- Zuchtstation fährt am Dock von Mare Island nördlich der Bucht von San Francisco vor. Dort werden 750'000 Junglachse über lange Plastikschläuche in schwimmende Gehege entladen. Die nur wenige Zentimeter grossen silbrigen Fische akklimatisieren sich in den Gehegen, bevor sie mit Booten der Fischereistiftung in die Bucht gebracht und dort freigelassen werden. Von den Gezeiten werden sie dann ins offene Meer gezogen.

Der Transport mit Lastwagen stellt sicher, dass eine grosse Zahl der Fische überlebt und zum Königslachs heranwächst, der von Fischern und Köchen hoch geschätzt wird. Doch wenn die Fische nicht durch einen Fluss zum Meer schwimmen, bedeutet das, dass die Zugfische in drei Jahren nicht wissen, wie sie zum Laichen von ihren Jagdgebieten im Meer zurück in ihr Heimatgewässer gelangen. «Weil dieser Prägungszyklus durchbrochen ist, ist es unwahrscheinlich, dass es viele Fische zurück nach Coleman schaffen», sagt Scott Hamelberg, Manager der Zuchtstation. «Mit anderen Worten: Sie irren umher. Sie werden die Spur nach Hause nicht finden.»

Hoffen auf Hilfe

Eine Zuchtstation im Bezirk Shasta nutzte einen vorübergehenden Anstieg der Flusspegel nach Regenfällen im April, um 4,5 Millionen Junglachse im Battle Creek auszusetzen. Hamelberg hofft, dass zumindest eine kleine Anzahl von ihnen in einigen Jahren zurückkehrt und den Grundstock für künftige Generationen bildet.

Die Fischereiindustrie drängte, die Tankwagentransporte auszuweiten, um die Chancen für eine gute Lachssaison 2016 zu verbessern. Dann werden die in diesem Jahr ausgesetzten Junglachse ausgewachsen sein. «Ich lebe vom Lachsfang, deshalb ist das ziemlich wichtig für mich», sagt John Terry, Berufsfischer aus dem Staat Washington, beim Entladen seines Fangs am Fisherman's Wharf in San Francisco. «Wir brauchen die Hilfe.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • René am 22.06.2014 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krieg?

    Der nächste Weltkrieg wird ums Wasser geführt.

    einklappen einklappen
  • ML am 22.06.2014 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man kann nich alles haben....

    Der Ursprung des Problems liegt doch wahrscheinlich darin, dass der Wasserverbrauch im SW der USA extrem hoch ist. Die Kraftwerke an den Flüssen erzeugen Energie, stellen aber auch die Wasserversorgung der Region sicher. Dadurch kommt immer weniger - z.T. keines - Wasser im Meer an. Der Fischereiindustrie geht nun Geld verloren, weil die Fische den Weg in die Flüsse nicht finden. Na da sollte man sich mal fragen was man denn will, Lachse verkaufen oder Wachstum. Sparsam mit Wasser umzugehen wäre schon mal ein Anfang - auch anderswo.

  • mags frisch am 21.06.2014 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Amerika hat noch ganz andere grosse Probleme. Ihre Monokulturen drohen zu verwildern. Sie kaufen für ihre milionen von Hektaren Sojasaatgut welche auf ein bestimmtes Herbizid resistent ist von ein und der selben Firma. Nun beginnt dieser gentechnisch veränderte Soja auch gegen dieses Herbizid resistent zu werden und ein superresistentes sehr schnell wachsendes Unkraut breitet sich sehr schnell aus. Amerika droht eine Katastrophe ganz besonderen Ausmasses.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Miguel am 07.08.2018 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Achtung Verlinkung

    Der Link zur Dürre in Kalifornien verweist auf einen Artikel von 2014! Die Dürre von 2011-2017 ist im März 2017 offiziell als überstanden erklärt worden.

  • ML am 22.06.2014 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man kann nich alles haben....

    Der Ursprung des Problems liegt doch wahrscheinlich darin, dass der Wasserverbrauch im SW der USA extrem hoch ist. Die Kraftwerke an den Flüssen erzeugen Energie, stellen aber auch die Wasserversorgung der Region sicher. Dadurch kommt immer weniger - z.T. keines - Wasser im Meer an. Der Fischereiindustrie geht nun Geld verloren, weil die Fische den Weg in die Flüsse nicht finden. Na da sollte man sich mal fragen was man denn will, Lachse verkaufen oder Wachstum. Sparsam mit Wasser umzugehen wäre schon mal ein Anfang - auch anderswo.

  • René am 22.06.2014 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krieg?

    Der nächste Weltkrieg wird ums Wasser geführt.

    • Gruss am 24.06.2014 17:33 Report Diesen Beitrag melden

      Und wir sind dann der Mittelpunkt

      Das Wasserschloss Europas.

    einklappen einklappen
  • Charly62 am 21.06.2014 23:32 Report Diesen Beitrag melden

    Europa

    Die Europäer sind kein Har besser!!!

  • Mia/Henker am 21.06.2014 23:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Extrem fragwürdig!

    Ja Tiere haben auch Gefühle. Aber gerade deshalb finde ich solche Transporte sehr fragwürdig weil die Lachse nicht mehr zu ihren Laichstellen finden und auch der Transport wohl nicht Ohne ist für die Lachse. Ich denke es geht hier hauptsächlich um den Profit des Menschen was für die Lachse sehr schädlich ist. Was bringt der Transport den Lachsen, wenn er nur dazu dient, dass sie danah gefangen werden??