Verseuchter Schnee

15. August 2019 09:41; Akt: 15.08.2019 09:41 Print

In den Alpen und der Arktis schneit es Mikroplastik

Der Mensch hat offenbar den ganzen Globus mit Mikroplastik eingedeckt. Selbst in entlegenen Gegenden wie der Arktis wurden Forscher nun fündig.

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Da vergeht einem doch die Lust, im nächsten Winter Schnee in den Mund zu nehmen: Forschende haben feinste Kunststoffteile in Schneeproben von den Schweizer Alpen über die Nordseeinsel Helgoland bis in den hohen Norden nachgewiesen.

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Die Forschenden des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) und des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) gehen davon aus, dass sich die Plastikteilchen durch die Atmosphäre verbreiten und dann mit dem Schnee aus der Luft ausgewaschen werden.

Noch unbekannte Reiseroute

Diese Mechanismen sind bisher noch wenig erforscht. Bekannt sei aber bereits seit längerem, dass sich Blütenpollen aus mittleren Breitengraden auf demselben Wege ebenfalls bis in die Arktis verbreiteten, erklärte das AWI in einer Mitteilung. Diese hätten eine ähnliche Grösse. Auch Staub aus der Sahara gelange durch die Atmosphäre über rund 3500 Kilometer bis in den Nordostatlantik.

Die höchste Mikroplastikmenge massen die Forschenden an einer Landstrasse in Bayern mit 154'000 Partikeln je Liter, in der Arktis waren es bis zu 14'400. In Davos GR lag der Wert bei rund 2700 Partikeln pro Liter.

Je nach Region waren es unterschiedliche Arten von Kunststoff. An der Landstrasse wiesen die Wissenschaftler, die ihre Studie nun in der Zeitschrift «Science Advances» präsentierten, vor allem Kautschuk nach. Aus diesen bestehen etwa Autoreifen.

Plastik aus Schläuchen und Dichtungen

In der Arktis und den Alpen waren es insbesondere Nitrilkautschuk, Acrylate und Lackteilchen. Nitrilkautschuk wird unter anderem für Schläuche und Dichtungen verwendet, weil er von Kraftstoffen nicht angegriffen wird und grössere Temperaturschwankungen aushält.

In der Arktis fanden sich die Mikroplastikteilchen etwa auf der Insel Spitzbergen, aber selbst im Schnee auf treibenden Eisschollen.

Die Experten massen in den Schneeproben darüber hinaus auch wesentlich höhere Mikroplastikkonzentrationen als andere Studien etwa in Staubablagerungen nachgewiesen hatten. Sie sehen dafür zwei mögliche Erklärungen. Zum einen könnte dies einfach an ihrer feinen Analysetechnik mittels Infrarotspektroskopie liegen. Zum anderen scheine Schnee das Mikroplastik aber «offensichtlich besonders effizient» aus der Atmosphäre auszuwaschen, erklärte AWI-Forscher Gunnar Gerdts.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nik G. am 15.08.2019 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Mikroplastik überall!

    Aber ja nichts dagegen machen. Jetzt nehmen sie uns noch die Plastikräöhrlis! Sollen sie bei den anderen Aufräumen! Nein auch in der Schweiz liegt überall Mikroplastik und der ist von uns! Auch wir müssen etwas gegen den Plastik machen. Alle!

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  • Mike Wunderlin am 15.08.2019 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sacha gits

    Ist es nicht der Wahnsinn. Wir sprechen über Mikroplastik und in der Schweiz bekommen es die Leute nicht mal hin, gut sichtbaren und greifbaren Abfall selber in einen dazu vorgesehenen Behälter zu bringen. Wenn die Schweizer Bevölkerung dieses schafft, können wir wieder über nicht mit blosem Auge sichtbaren Mikroplastik sprechen.

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  • rolihündeler am 15.08.2019 10:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es fängt mit kleinen Sachen an

    Jeder kann etwas tun. Statt immer darauf zu warten, bis etwas verboten wird, selbst mal im eigenen Haushalt überprüfen, "was kann ich tun" wir sind denkende Organismen, statt darauf zu warten, dass uns andere sagen was wir tun sollen, selber überlegen. Jede Kleinigkeit kann helfen. Ich persönlich verzichte z.B. auf in Plastik eingepackte Multirasierklingen und bin zum Hobel zurückgekehrt für Glatze und Bart. Nutze nicht das Auto um meine Hunde irgendwohin zufahren um mit Ihnen spazieren zu gehen. Jeder kann was tun! Tut es!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lalala am 16.08.2019 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohje

    Kein wunder, zb in den meisten Shampoos und Duschgels etc ist mikroplastik enthalten und dies kommt dann wieder ins grundwasser und so weiter.. verbietet doch solche stoffe und zwar den Firmen! ich wette die meisten Leute haben keine Ahnung was für inhaltsstoffe ihre täglichen Verbrauchsartikel beinhalten.

  • Bürger am 16.08.2019 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    Industrie gefordert

    Vorallem die Elektrogerätegehäuse sollte man wieder Aus Metall, Bakelit oder Holz machen. Dann Wiede rNeuwagen Oldtimer mit Vergasermotoren herstellen auch ohne Plastik

  • Knallvix am 16.08.2019 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plastik-Schnee

    Schade ist nicht mehr Plastik im Schnee...ich bin mir sicher der würde viel länger liegen bleiben.

  • Konstrukteur am 16.08.2019 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kapitalismus

    Auch hier, das ist ganz klar ein Phänomen des heutigen Kapitalismus. Kein Mensch würde heute noch Geräte kaufen, wenn man die wie vor 50Jahren, so richtig langlebig, bauen würde. Oder würden Sie 10x mehr für die gleiche Anwendung / gleiches Gerät hinblättern? Wenn wir das in den Griff bekommen wollen, müssen wir von der heutigen Konsumwut runterkommen, und uns sinnvollere Geschäftsfelder die die Menschheit auch wirklich weiterbringen suchen und finden.

  • Kuesche am 16.08.2019 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Umweltschutz

    Über Umweltschutz wird viel geredet aber nichts oder sehr wenig getan! Alle Staatsbudgets der Regierungen aller Länder auf dieser Welt enthalten keine oder nur sehr kleine Summen für den Umweltschutz! Denn dies ist nicht rentable! Umweltschutz Massnahmen werden vernachläsigt oder überhaupt nicht in die Realität umgesetzt! Abwasser werden immer noch in die Ozeane entsorgt! Es gibt Länder in denen alles was nicht mehr gebrauchen wird am Strassenrand entsorgt wird! Die Plastikfelder in den Ozeanen werden immer grösser! Niemand tut etwas! Man redet und redet und belügt die Menschheit!!!!