Gefährliche Entwicklung

11. Februar 2019 20:04; Akt: 11.02.2019 20:04 Print

Insektensterben könnte zu Kollaps der Natur führen

Jedes Jahr schrumpft die Biomasse der Insekten um 2,5 Prozent. Ohne Korrektur drohen katastrophale Folgen, wie eine neue Studie warnt.

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Weltweit schrumpfen die Insektenbestände, wie eine in «Biological Conservation» veröffentlichte Übersichtsstudie von Francisco Sánchez-Bayo und Kris Wyckhuys zeigt. (Im Bild: frisch geschlüpfte Eintagsfliegen) Hauptverantwortlich ist laut den Forschern neben dem Verlust des Lebensraums durch intensivierte Landwirtschaft und Verstädterung auch der massive Einsatz synthetischer Pestizide, denn diese vernichten nicht nur die zu beseitigenden Schädlinge, sondern sorgen auch für Kollateralschäden. Das Gleiche geschieht jedoch auch, wenn Privatleute chemische Pflanzenschutzmittel einsetzen – um Schädlinge zu eliminieren und Unkraut fernzuhalten. Doch das muss nicht sein. werden. Das gilt für Garten und Balkon genauso ... ... wie im restlichen Haushalt. Laut Experten sollten eingesetzt werden. Denn es gibt es für die meisten Problemchen im Garten natürliche Lösungen. So lassen sich beispielsweise Blattläuse zuverlässig mit – auch Brennnesseljauche genannt – vertreiben ... ... und Unkraut lässt sich auch . Damit Insekten auch in einer städtischen Umgebung überleben, müssen sie dort Nahrung finden. Hat es um das Haus herum keine , auf denen die Tiere jede Menge Pollen und Nektar finden, ist der Mensch gefragt. Denn auch im Garten, auf Balkon und Terrasse kann man Bienen & Co. eine grosse Futterauswahl bieten – in bestückt. Neben bunten Blumen ... ... kann man auch anpflanzen. Dann hat man auch selber noch etwas davon. Ebenfalls attraktiv für Fluginsekten sind und ... ... sogenannte . Beide brauchen wenig Pflege, stellen für die Tiere aber so gut wie ganzjährig einen gut gedeckten Tisch dar. Auch hierbei gilt es zu beachten, dass es sich um einheimische Pflanzen handelt, denn nur sie bieten den heimischen Insekten das, was sie brauchen. Besonders empfehlenswert sind neben der (Anthemis tinctoria), ... ... auch der (Chenopodium album), ... ... die (Achillea millefolium) und ... ... die (Phacelia tanacetifolia). Laut Untersuchungen von Forschern der Justus-Liebig-Universität Giessen werden diese vier Pflanzenarten von rund 80 Prozent aller Wildbienen und Schwebfliegen angeflogen. Auch die immerblühende (Salix triandra L.) zieht Insekten an. Kenner wundert das nicht. Unter ihnen gilt der grosse Strauch als der 24-Stunden-Laden der Insektenwelt. Wer noch mehr Platz im Garten hat, kann auch eine (Salix caprea) pflanzen. Aufgrund ihrer frühen Blütezeit ab Anfang März ist sie eine wichtige, erste Futterpflanze für Insekten wie Honigbienen. Eigenheimbesitzer können noch mehr machen. So können auch und ... (Im Bild: Naval Station Norfolk, Stützpunkt der US-Navy) ... den so wichtigen Tieren helfen. Natürlich gilt auch hier wieder: Was zählt, sind einheimische Pflanzenarten. (Im Bild: Vertikaler Garten in Madrid) Doch nicht nur das Anpflanzen neuer Pflanzen sorgt dafür, dass sich Insekten wohlfühlen. So profitieren Wildbienen etwa von . Vor der Anschaffung lohnt es sich aber, sich eingehend zu informieren – Auch bei der Gartenpflege kann man einiges tun, damit es den Insekten in Zukunft besser geht. So wird empfohlen, Dadurch bleiben immer Rückzugsflächen für die Tiere erhalten, bis das Gras wieder nachgewachsen ist. Dann kann man sich den nächsten Abschnitt vornehmen. Apropos Gartenpflege: Experten empfehlen, stets zu kaufen. Preisgünstiger und wirkungsvoller als dieser ist nämlich , der deutlich mehr Nährstoffe als Torf enthält. Weiterer Vorteil: Dadurch wird auch der Zusatz von Düngemitteln überflüssig. Auch – nicht Rindenmulch – hilft, torfhaltige Erde zu ersetzen. Dabei handelt es sich um zerkleinerte und kompostierte Rinde, die man mit oder ohne Zusatz von Nährstoffen erhält und die zudem die Qualität des Bodens langfristig verbessert. Auch wer keinen eigenen Garten oder Balkon hat, kann dazu beitragen, dass sich der Insektenbestand erholt. So könnte man beispielsweise aufhören, störende Insekten zu töten. Entdeckt man eines, kann man es besser. Wer sich davor ekelt oder die Tiere . Auch wichtig: Bei Dunkelheit das . Ausserhalb des Hauses gibt es ebenfalls einige Möglichkeiten, das Insektensterben einzudämmen: Wer das Auto öfter stehen lässt und stattdessen die nimmt, verhindert beispielsweise, dass Fliegen, Bienen & Co. auf der eigenen Windschutzscheibe sterben. Und der Kauf von bringt etwas. Weil diese vor Ort angebaut werden, profitieren auch die Insekten davon – sie finden auf den entsprechenden Feldern genug zu essen.

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Bei 40 Prozent der Insektenarten nehmen die Bestände ab, ein Drittel ist gefährdet. Bleibt der Rückgang um 2,5 Prozent pro Jahr ungebremst, drohen die Insekten innerhalb eines Jahrhunderts zu verschwinden. Das hätte einen «katastrophalen Kollaps der Ökosysteme der Natur» zur Folge, heisst es in einer aktuellen Übersichtsstudie.

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Besonders gefährdet sind demnach Schmetterlinge, Käfer, Hautflügler wie Bienen, aber auch Eintagsfliegen und Libellen, wie der «Guardian» schreibt. Für die Übersichtsstudie wurden 73 Einzelstudien analysiert. Dabei zeigte sich, dass es sich um ein globales Problem handelt. Die australischen Forscher benutzen in ihrem im Fachjournal «Biological Conservation» veröffentlichten Bericht denn auch ungewöhnlich deutliche Worte.

«Wenn wir die Art, wie wir Lebensmittel produzieren, nicht ändern, werden die Insekten in ihrer Gesamtheit in wenigen Jahrzehnten aussterben», schreiben sie. «Die Auswirkungen auf die Ökosysteme des Planeten werden gelinde gesagt katastrophal sein.» Als Erstes zu spüren bekommen das laut den Forschern jene Vögel, Reptilien und Amphibien, die Insekten fressen. Sie verhungern schlicht und einfach.

Weniger Lebensraum und Pestizide

Den Hauptgrund für das Insektensterben sehen die Forscher im Verlust der Lebensräume aufgrund der intensivierten Landwirtschaft, die keine Bäume und Gebüsche am Rand der Felder mehr zulässt, und der Verstädterung. Ebenfalls in der Verantwortung der Landwirtschaft liegt der zweitwichtigste Grund für das Insektensterben: synthetische Pestizide. Dazu kommen biologische Faktoren wie invasive Arten sowie der Klimawandel, wobei Letzterer hauptsächlich in den Tropen einen Einfluss auf die Bestände hat.

Laut den Forschern gibt es zwar eine kleine Zahl von Insektenarten, die in die freigewordenen Nischen drängen und einen Aufschwung erleben. Doch sie können die Menge der verschwundenen Insekten niemals aufwiegen. Sie fordern als Konsequenz aus ihrer Studie eine massive Reduktion beim Einsatz von Pestiziden und mehr Biolandbau. Ausserdem müssten vermehrt Gewässer in landwirtschaftlichen und städtischen Umgebungen saniert und gesäubert werden.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Werner Schmid am 11.02.2019 20:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Direktzahlungen nur noch an Bauern, die keine Pestizide oder Herbizide verwenden. Ganz einfach.

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  • lilu am 11.02.2019 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke, sehr schöner Artikel

    Pestizide und Düngemittel haben im Hausgarten nichts verloren. Wir gärtnern seit Jahren ohne, gedüngt wird nur mit Kompost. Auch für Insekten kann man mit wenig Aufwand viel gutes tun!

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  • Barbi am 11.02.2019 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    Übertriebenes Mähen

    Kann das bitte auch mal jemand den Gemeinden und Tiefbauämtern klarmachen, die jeden noch so kleinen Grünstreifen kurz- und klein mähen? Völlig übertrieben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • henne am 12.02.2019 23:57 Report Diesen Beitrag melden

    Bei mir

    kommen sie alle auf den Balkon zu meinen Blüten. Leider auch die Fruchtfliegen. Die sollen aber zu nichts nutze sein.

  • Barbie am 12.02.2019 23:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langsam hilft auch.

    Endlich flächendeckend die Höchstgeschwindigkeit aller Verkehrsmittel auf 20km/h beschränken, dann überleben viel mehr Insekten.

  • Mensch am 12.02.2019 23:16 Report Diesen Beitrag melden

    Fachhochschule lässt den ganzen Tag

    die Roboter-Rasenmäher alles abmähen. Da ist keine Blume mehr. Kein Grashalm. Und das von einer Fachhochschule! Im Sommer sucht man vielerorts noch echte Wiesen die nicht kahl- und totgemäht sind. Die Wissenschaftler mit Herz und Verstand mähen nicht die Wiesen tot.

  • alle müssen helfen Insekten zu schützen am 12.02.2019 21:36 Report Diesen Beitrag melden

    Aufruf an Gärtner und Gemeinden

    Wem wirklich etwas an der Natur liegt, lässt ab der kommenden Saison alles mehr blühen und gedeihen. Vergesst den englischen Rasen, informiert Euch, was unsere Insekten an Nahrung lieben. Nicht nur im google lesen, umsetzen und handeln wäre ein erster Schritt.

  • Edmo am 12.02.2019 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Punktueller Kleinkram bringt es nicht

    Die Zunahme der Weltbevölkerung steht in einem direkten Zusammenhang mit der Abnahme der Insekten. Mehr Menschen bedeuten automatisch intensivere Landwirtschaft und die Verschiebung des Wohnraumes, weg von den Insekten, hin zu den Menschen. Wer nicht bei der Menschheit ansetzen will, soll vom Thema Insektensterben die Finger lassen. Ein wenig Sesselflickerei bei der Landwirtschaft hilft nicht!