Phlegräische Felder

16. November 2018 12:58; Akt: 16.11.2018 12:58 Print

Italiens Supervulkan tritt in neue Aktivitätsphase

Über 500 Jahre sind seit der letzten Eruption der Phlegräischen Felder bei Neapel vergangen. Nun haben Forscher den Start eines neuen Zyklus festgestellt.

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Die Phlegräischen Felder bei Neapel erstrecken sich über ein riesiges Gebiet ... ... entlang der Küste des Mittelmeeres beziehungsweise des Golfes von Neapel. Im Süden dehnen sie sich unterseeisch aus und schliessen hierbei auch das Gebiet der Inseln Ischia und Procida sowie Nisida ein. (Im Bild: Relief-Karte mit Kratern und Geysiren der Region) Sie liegen über einer riesigen Magmakammer. (Im Bild: Solfataren. Das sind heisse Ausströmungen von Gasen, die hauptsächlich Schwefelwasserstoff, Kohlenstoffdioxid und Wasserdampf enthalten). Wie ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der ETH Zürich im November 2018 berichtetet, befinden sich die Phlegräischen Felder in einer neuen Vorbereitungsphase und Magma staut sich wieder in den der Oberfläche näheren Kammern auf. Dies könne möglicherweise zu einem nicht näher bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu einer neuen grossen Eruption führen, schreiben sie Eine Eruption des Supervulkans wäre eine tödliche Gefahr für mehr als 1,5 Millionen Menschen im Grossraum Neapel. Bereits 2017 berichteten Forscher um Christopher Kilburn vom University College London von einer zunehmenden Aktivität des unterirdischen Vulkans seit den 1950er-Jahren. Sie vermuten, dass die Aktivitäten Vorboten einer gewaltigen Eruption sein könnten. Die Begründung: Die Erschütterungen könnten in der Kruste des Vulkans Spannung aufgebaut haben, so dass sie künftig leichter nachgibt, wenn Magma aus der Tiefe nach oben drückt. Dafür sprechen auch historische Aufzeichnungen: Die letzte ähnlich ruhelose Phase sei im 15. und 16. Jahrhundert gewesen, kurz bevor der Vulkan 1538 ausbrach. Die damalige Eruption dauerte acht Tage und türmte dabei den 133 Meter hohen Monte Nuovo (im Bild) auf. Schon im November 2016 äusserten Forscher vom Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie in Bologna Befürchtungen, nach denen sich die Phlegräischen Felder einem kritischen Ausgasungsdruck annähern, an dem es zu einer weiteren Eruption kommen könnte. (Im Bild: Überwachungsraum im italienischen Vesuv-Observatorium) Ganz in der Nähe der Phlegräischen Felder liegt der Vesuv. Er ist einer der bekanntesten Vulkane Italiens – wohl auch seiner Grösse wegen. Zuletzt ist er im Jahr 1944 ausgebrochen. Seitdem befindet er sich in einer Ruhephase.

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Mehr als 1,5 Millionen Menschen leben auf oder in unmittelbarer Nähe eines Supervulkans in Italien, der Phlegräischen Felder. Eine Studie von Forschenden der ETH Zürich gemeinsam mit britischen und italienischen Kollegen zeigt, dass sich das vulkanische Gebiet bei Neapel auf einen nächsten Ausbruch vorbereiten könnte – der allerdings nicht unmittelbar bevorstehen muss. Davon berichten sie im Fachblatt «Science Advances».

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Zwei massive Ausbrüche und mehrere kleine Eruptionen während der letzten 60'000 Jahre sind Zeugen, dass das Gebiet vulkanisch sehr aktiv ist. Bei der letzten Eruption im Jahr 1538 entstand ein neuer Berg, der Monte Nuovo.

Magma wie vor grossen Eruptionen

Anhand von Gesteinsuntersuchungen und Modellrechnungen haben die Forschenden um Francesca Forni von der ETH Zürich untersucht, wie sich das Magma der Phlegräischen Felder langfristig entwickelt. Wie sie im Fachartikel schreiben, ähneln die Eigenschaften des Magmas, das beim Ausbruch 1538 zutage trat, denjenigen in der Zeit vor und zu Beginn der zwei massiven Eruptionen vor rund 39'000 und vor 15'000 Jahren.

Bei diesen Supereruptionen entleerten sich oberflächennahe Magmakammern so stark, dass sie einstürzten und kesselartige Vertiefungen (Caldera) hinterliessen. Diese Caldera-bildenden Eruptionen verlaufen laut den Forschenden in jahrtausendelangen Zyklen, während derer sich die Eigenschaften des Magmas ändern, unter anderem der Wassergehalt und die Kristallbildung.

Die Caldera-Phase, in der die Eruption und Kesselbildung stattfinden, wird demnach von einer Post-Caldera-Phase abgelöst, in der es zu regelmässigen kleinen Ausbrüchen kommt. Schliesslich geht diese wieder in eine Prä-Caldera-Phase über, in der Eruptionen seltener sind und diese Ausbrüche eher wasserreiches, kristallarmes und weniger heisses Magma zutage fördert.

In neuer Vorbereitungsphase

Wie Forni und Kollegen berichten, hatte auch das Material der Monte-Nuovo-Eruption ähnliche Eigenschaften. Dies könnte also darauf hinweisen, dass sich die Phlegräischen Felder in einer neuen Prä-Caldera-Phase befinden und sich Magma wieder in der Oberfläche näheren Kammern aufstaut. Dies könne möglicherweise zu einem nicht näher bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu einer neuen grossen Caldera-bildenden Eruption führen, schreiben die Forscher im Fachartikel.

Bereits vor einigen Jahren hatte der italienische Zivilschutz die Warnstufe für den Supervulkan aufgrund der unterirdischen Magma- und oberflächlichen Bodenbewegungen erhöht.

(jcg/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steff DiGennaro am 16.11.2018 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück

    Jetzt wirds interessant. Viel Glück allen und jedem. Hoffe er übertreibts nicht. Globaler Killer Vulkan, wie der Yellowstone.

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  • Markus im AG am 16.11.2018 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt Bilder von Häusern

    die innerhalb der letzten 10 Jahre geräumt wurden weil derart viel Schwefel aus Bodenritzen ströhmt das sich alles Metallische auflöst , Familien die dort zum teil 300Jahre sesshaft waren mussten mehrere 100m weichen.

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  • Alles Bio am 16.11.2018 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn der ausbricht...

    wird unvorstellbar viel CO2 freigesetzt, für und in ganz Europa. Was sagt bloss unsere Regierung dazu?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tom am 17.11.2018 22:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmm...

    Wenn in Italien der Vulkan los geht wird probiert den UN Migrationspakt umgekehrt anzuwenden. Bin mal gespannt wie die Europäer auf die welt kommen wenn sie im 3welt Länder klimaasyl anmelden, lach

  • Migge am 17.11.2018 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Die Lösung des Problems

    Bricht der so richtig aus, könnte womöglich Venedig sein Hochwasserproblem los werden. Alle Küstenstädte könnten dann aufatmen, da der Wasserpegel aufgrund des globalen Winters sinken würde. Oder anders gesagt.. unser ganzen bisherigen Umweltprobleme wären beseitigt. Die paar Nebenwirkungen verkraften die übrigen Menschen schon.

    • Kritiker am 17.11.2018 23:58 Report Diesen Beitrag melden

      "unser ganzen bisherigen Umweltprobleme

      wären beseitigt." Kleiner perverser Scherz wohl. Falls es dir nicht aufgefallen ist, was meinst du wo die landwirtschaftliche Produktion grösser ist, auf Grönland oder in Italien? Bald 2/3 unserer (massiv zu grossen) Bevölkerung hier wird mittlerweile vom Ausland ernährt, sei es durch direkte Importe oder Energie. Was meinst du in welche Richtung die Migrationsströme dann gehen? Ich würde mal raten sie drehen 180°...

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  • Sanat Kumara am 17.11.2018 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Das war's bald mit dem Unsinn

    Bravo ! ich bin gespannt, wieviele Menschen auf ihr Handy schauen wenn es zum Ausbruch kommt ;-) Die Menschen leben durch Handys und Computer und TV. Der Sinn des Lebens ist abhanden gekommen. Deswegen ist es sehr wichtig, dass diese Dinge geschehen

    • Realistischer Darwin am 17.11.2018 09:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sanat Kumara

      Was für ein sinnbefreiter Kommentar. Übrigens haben Sie diesen selber ja auch auf einem Handy, Tablet oder Computer verfasst.

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  • Boris am 17.11.2018 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wozu denn überhaupt forschen, wenn am Schluss nich

    Er könnte zu einem unbestimmten Zeitpunkt ausbrechen, aber nur vieleicht. Geht das nicht ein wenig genauer ?

    • Sandra am 17.11.2018 09:50 Report Diesen Beitrag melden

      Forschung

      Die Forschung war noch nie genau. Sie wird ständig korrigiert, weil sie falsch war. Aber es gibt viele Menschen die nur mit bla bla ihr Geld verdienen und es gibt noch viel mehr Menschen die diesen Unfug bezahlen :-)

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  • Paul am 16.11.2018 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Vulkanausbruch

    Italien wird keine CO2 Steuer dafür bezahlen können.

    • MeinSenf am 16.11.2018 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Paul

      mit Verlaub: Sinnfremd und unlustig, auch hier schon x mal versucht.

    • Ruedi Bachofen am 17.11.2018 08:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @MeinSenf

      Doch, es ist lustig weil es wahr ist. Auf unserem Planeten schlummern und walten Kräfte, welche wir nicht beeinflussen können. CO2 Steuern und dergleichen sind ideologische Augenwischereien, welche von dem einen wirklichen Problem ablenken sollen.

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