Anhänglicher als gedacht

24. September 2019 17:19; Akt: 24.09.2019 17:19 Print

Die Chancen stehen gut, dass dein Büsi dich liebt

Katzen haben für ihre Besitzer nicht viel übrig. Das hört man immer wieder. Nur richtig ist das nicht, wie US-Forscher nun zeigen.

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Katzen haben den Ruf, distanziert und unabhängig zu sein. Dabei können auch sie äusserst anhänglich sein, wie US-Forscher im Fachjournal «Current Biology» berichten. Weitere Fakten zu Büsi erfährst du in den nächsten Bildern. Schon die alten Ägypter waren Katzenfans. Sie verehrten Bastet, die Katzengöttin mit Frauenkörper und Katzenkopf. Der Göttin der Liebe und Fortpflanzung wurde sogar ein Tempel errichtet. Zudem war es Brauch, Katzen zu halten und während jährlich stattfindender Zeremonien anzubeten. Sie schnurren, schlafen und sind, sofern Freigänger, ausgesprochene Langstreckenläufer: Wöchentlich legen sie bis zu 38 Kilometer zurück. Weiter als 2,5 Kilometer entfernen sie sich jedoch nie von zu Hause. Das haben Forscher <a href="http://www.katzenwiefelix.de/sites/folgt-felix/index.html?articleId=59" target="_blank">mithilfe von GPS-Trackern</a> herausgefunden. Dass die pelzigen Genossen selbst entscheiden können, ob und wann sie ihr Daheim verlassen, verdanken sie niemand Geringerem als dem Naturforscher Isaac Newton. Weil ihn seine Katze bei seinen Experimenten störte, entwickelte er das, was heute als Katzenklappe bekannt ist. Wie der menschliche Finger verfügt auch das rosige Nasenpolster von Katzen über einen einzigartigen Abdruck. Allerdings ist es weitaus sensibler. Kein Wunder, schliesslich laufen dort rund 19 Millionen Nervenenden zusammen. Katzen maunzen sich gegenseitig nur selten an. Das typische «Miau» ist weitestgehend für die Kommunikation mit Menschen reserviert. Mit ihresgleichen schnurren sie eher. Katzen hassen es, gestreichelt zu werden, weil es sie stresst. So wurde 2013 eine Studie zitiert. Dann meldete sich jedoch ein Mitautor zu Wort: Alles Quatsch, liess er verlauten: Katzen stellen laut US-Forschern für die Artenvielfalt eine grössere Gefahr dar als landwirtschaftliche Pestizide oder die Zerstörung von natürlichen Lebensräumen durch den Menschen. So werden allein in den USA bis zu 3,7 Milliarden Vögel im Jahr getötet. Hinzu kommen bis zu 20,7 Milliarden Mäuse und andere kleine Säugetiere. Spielen Sie Ihrer Katze einfach mal klassische Musik vor. Vor allem dann, wenn Sie sie beruhigen wollen. Denn Katzen lieben Klassik. Besonders wirkungsvoll ist es, wenn sie auf dem Operationstisch liegen. Pop- oder Rock-Songs hingegen bewirken laut Forschern aus Lissabon eher das Gegenteil. Katzenbesitzer sind schlauer als Hundehalter - zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine neue Studie von Forschern der University of Wisconsin. Dafür hatte das Team 600 Studenten gefragt, ob sie sich eher als Hunde- oder als Katzentyp sähen. Anschliessend folgte ein Intelligenztest. Das Risiko, an einem Herzinfarkt oder einer anderen Herz-Kreislauf-Leiden zu sterben, ist laut Forschern der University of Minnesota für Katzenbesitzer deutlich geringer. Auch dann, wenn die Probanden nur früher mal eine Katze besessen hatten. Das niedrigere Herzinfarkt-Risiko hängt mit einem Talent der Katzen zusammen: Sie können beruhigen. New Yorker Wissenschaftler , dass Katzenbesitzer einen signifikant niedrigeren Blutdruck und langsameren Herzschlag im Ruhezustand haben als andere. Jugendliche, die in ihrem ersten Lebensjahr mit einer Katze im Haushalt lebten, hatten laut einer Studie ein nur halb so hohes Risiko, später eine Katzenallergie zu entwickeln. Ausschlaggebend war allerdings nur der Kontakt im ersten Lebensjahr. Der Schweizer Katzenforscher Dennis C. Turner ist der Überzeugung, dass Katzen negative Stimmungen ihrer Besitzer wie Ängstlichkeit, Niedergeschlagenheit oder Introvertiertheit verbessern. Das sei wichtig, um etwa in der Psychotherapie soziale Beziehungsfähigkeit zu fördern. Verschiedene Experimente, ein Ergebnis: Katzen (und auch Hunde) machen ihre Halter glücklich. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Miami University. Bei all den positiven Eigenschaften, die Stubentigern nachgesagt werden, darf jedoch eins nicht vergessen werden. Manchen Menschen machen sie auch Angst. Die medizinische Bezeichnung dafür lautet Ailurophobie.

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Katzen binden sich auf ähnliche Weise an ihre menschlichen Bezugspersonen wie kleine Kinder an ihre Eltern. Das zeigten Forscher mit einem Versuch, der in seinem Aufbau den klassischen Studien zur Eltern-Kind-Bindung nachempfunden ist.

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Statt Kleinkinder und ihre Mütter beobachteten Kristyn Vitale und ihre Kollegen von der Oregon State University in Corvallis für die Studie junge Katzen und ihre Besitzer. 79 Kätzchen im Alter von drei bis acht Monaten und ihre Halter nahmen an der Studie teil. Die Ergebnisse schildern die Wissenschaftler im Fachjournal «Current Biology».

Vier Bindungsstile

Die Besitzer mussten ihre Katze jeweils in einen durch Kameras überwachten Raum mitnehmen, in dem sie zunächst zwei Minuten mit dem Tier zusammen waren, dann aber allein hinausgingen. Anschliessend war die Katze zwei Minuten lang in dem Raum allein. Danach kehrte der Besitzer zurück.

Die Forschenden stellten daraufhin bei den Katzen vier klar unterscheidbare und schon von anderen Arten bekannte Bindungsstile fest. Bei vielen Katzen liess der Stress durch die Rückkehr der Besitzer sofort nach; sie suchten nach der Trennung die Nähe des Besitzers und erkundeten dann weiter den Raum. Dies wurde in der Studie wie bei anderen Spezies als «sichere Bindung» bezeichnet.

Andere Katzen waren nach der Rückkehr des Besitzers weiterhin ängstlich und verhielten sich besonders anklammernd – dies wurde als «unsicher-ambivalente Bindung» bezeichnet. Wieder andere zollten dem rückkehrenden Besitzer wenig Beachtung («unsicher-vermeidende Bindung»).

Bei einer vierten Gruppe schienen die Gefühle im Widerstreit zwischen dem Wunsch nach Nähe und nach Vermeidung zu sein («desorganisierte Bindung»).

Katzen sind wie Kinder

Ein Verhaltensmuster – das erste unter den geschilderten – wurde somit als Ausdruck einer sicheren Bindung an den Besitzer klassifiziert, drei andere Verhaltensmuster als Ausdruck einer unsicheren Bindung. Insgesamt waren 64,3 Prozent der jungen Katzen sicher, 35,7 Prozent unsicher gebunden.

Auch bei menschlichen Kindern sind 65 Prozent Studien zufolge sicher gebunden.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patricia.S am 24.09.2019 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine ist wie ein Hund

    Klar liebt mein Büsi mich, sie vetsteht auch viele Wörter. Sie wartet jeden Abend auf mich vor der Garage. Sie merkt auch wenn ich traurig bin, ist dann besonders anhänglich. Wird auch eifersüchtig wenn mein Freund hier ist, will immer zwischen uns. Ich könnte viele unglaubliche Geschichten erzählen mit meiner Katze. Sie würde mir bis ans Ende der Welt folgen. Wenn man eine enge Beziehung hat mit seiner Katze, ist das nicht gross anders als mit einem Hund.

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  • Leser am 24.09.2019 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Neues für mich

    Dass meine Katzen mich viel mehr lieben als von vielen behauptet wird, das ist mir als Katzenkenner und mit insgesamt über 45 Jahren, die ich während meinem Leben mit Katzen zusammenlebe schon lange. Besonders meine Norwegischen Waldkatzen sind sehr Menschenbezogen.

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  • Scorpius am 24.09.2019 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    Mir egal ob Katzen mich lieben

    Ich liebe sie trotzdem auf jeden Fall!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nico am 25.09.2019 21:03 Report Diesen Beitrag melden

    Fleisch

    Am liebsten sind mir ja die Vegetarier und Veganer, die ihre lieben Haustierchen mit Fleisch füttern. Was ja auch wichtig und richtig ist. Natur halt. Aber beim Menschen zählt das alles nichts.

  • Katzenmami am 25.09.2019 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gerade werde ich wieder "angeträmpelt"

    Merke ich bei mein 2 Süssen Tag für Tag. Ja sie lieben mich, nicht nur als Büchsenöffner.

  • Mahsa am 25.09.2019 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    True story!

    Da stimme ich Dir zu 100% zu!

  • Dnalor am 25.09.2019 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Gut für meine Psyche

    seit ich 2 Katzen zuhause habe, ist meine Angst und Panikstörung massiv zurückgegangen. Merkt sogar mein Psychiater ... am liebsten hätte ich noch 2...

  • Mary j am 25.09.2019 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ja und nein

    Okay, die Studie finde ich nicht so das wahre, so junge Katzen sind logischerweise noch nicht so selbstsicher wie z.B. eine 5-jährige Katze mit ihrem eigenen Revier! Natürlich suchen diese noch unerfahrenen Katzen eine Sicherheit die sie von ihren Besitzern bekommen!!! Jedoch kann ich bestätigen dass auch meine damalige Katze (RIP) mich sicher mindestens gemocht hat, sie gab mir Trost, spürte wenn es mir nicht mal nicht so gut ging. Sie hatte viel Vertrauen in mich, schlief auf mir ein, was dafür spricht... aber ich mochte auch die Selbständigkeit, sie drehte draussen selbständig ihre Runden.