Antilopen in Texas

09. April 2012 14:48; Akt: 09.04.2012 14:48 Print

Jagdverbot bedroht seltene Tiere

von Martin Suter - Drei in Afrika praktisch ausgestorbene Antilopenarten werden auf Ranches in Texas gezüchtet. Jetzt sind auch diese Bestände gefährdet – weil die Jagd eingeschränkt wird.

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Säbelantilopen auf einer Ranch in Texas. (Bild: Keystone/Karen Warren)

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Einst stolzierten sie in riesigen Herden durch die Wüste Nordafrikas, mit gekrümmten, bis 1,5 Meter langen Hörnern über ihren eleganten Körpern. In altägyptischen Gräbern sind sie als Opfergaben abgebildet. Doch 2000 wurde die Säbelantilope in freier Wildbahn als ausgestorben klassifiziert – ein Opfer von Jagd, Verlust an Lebensraum, Klimawandel und Krieg.

Anders in Texas. Auf Wildranches im zweitgrössten US-Gliedstaat sind die «Scimitar Oryx» in den vergangenen Jahrzehnten regelrecht aufgeblüht. Ihre Zahl hat sich von 32 im Jahr 1979 auf heute mehr als 11 000 vervielfacht. Nirgendwo sonst, auch nicht in Kleinreservaten in Tunesien und Senegal, gibt es annähernd so viele Säbelantilopen. Ähnlich gut geht es zwei weiteren Exoten aus Afrika: Von der Addax-Antilope gibt es in Texas 5000 Tiere, von der Damagazelle über 800.

Tierschützer klagen gegen Jäger

Die Herden dieser als gefährdet eingestuften Huftiere könnten indes bald schrumpfen. Seit Mittwoch ist die Jagd auf die drei Antilopenarten bewilligungspflichtig. Viele Rancher haben ihre Bestände reduziert, um ihre Ländereien nicht für Inspektoren öffnen zu müssen. In einer Reportage des Fernsehmagazins «60 Minutes» machte Charly Seale vom Wildtierverband Exotic Wildlife Association eine pessimistische Voraussage. Als Folge der veränderten Bestimmungen dürfte es «in fünf Jahren halb so viele dieser Tiere geben», glaubt Seale. «Ich schätze, in zehn Jahren werden praktisch keine mehr übrig sein.»

Der Niedergang der Exoten in Texas wäre die direkte Folge einer mehrjährigen Kampagne radikaler Tierschützer. Die Organisation Friends of Animals klagte dagegen, dass das amerikanische Tierschutzgesetz die drei Antilopenarten vom Jagdverbot ausnahm. Zwar untersagt das Gesetz generell die Jagd unter Schutz gestellter Tierarten. Doch seit Anfang der 90er Jahre hatte das staatliche Amt für Fische und Wildtiere für die drei afrikanischen Huftierarten eine Ausnahme gemacht und Jägern erlaubt, sie zu erlegen. «Die Jagd», hatte das Amt pragmatisch argumentiert, «reduziert die Gefahr der Ausrottung.»

Jagd finanziert die Zucht

Die Ausnahmeregelung war ökonomisch begründet. Die texanischen Wildtierranches verlangen von ihren Kunden viel Geld für den Abschuss der Tiere. Ein Oryx kostet bis 5500 Dollar, eine Damagazelle bis 10 000 Dollar. Die Einnahmen ermöglichen den Ranchern, ihre Tiere aufzuziehen und zu füttern. Ohne die Möglichkeit der Jagd verlieren die Eigentümer der Gehege den wirtschaftlichen Anreiz, die Herden aufrecht zu erhalten. Laut Charly Seale hat schon nur die Ankündigung der neuen Regelung den Wert der Tiere halbiert.

Doch die Änderung war unumgänglich geworden, nachdem die Tierschützer 2009 vor Gericht gesiegt hatten. Dass die Zahl der Antilopen nun womöglich zurückgeht, ist ganz im Sinne von Priscilla Feral, der Präsidentin der Friends of Animals. Die radikale Tierschützerin sähe es lieber, dass die drei Arten in Texas aussterben, als dass sie zum Spass getötet und als Trophäen an die Wand gehängt werden. Die Behandlung der Wildtiere sei unmoralisch, sagte Feral zu «60 Minutes». «Ich will nicht, dass man sie auf Ranches jagt. Ich will nicht, dass man sie zerteilt. Ich finde nicht, dass man ein Lebewesen erschaffen soll, um es zu erschiessen.»

Viele wollen auf Antilopen verzichten

Die betroffenen Ranches werden die neue Regelung überleben. In den USA gibt es über 5000 Wildtiergehege. In Texas allein teilen eine Viertelmillion Tiere aus Asien, Afrika und Europa die privaten Weidegründe mit einheimischen Langhornrindern. Auf texanischen Ranches, die 14 000 Arbeitsplätze bereitstellen, tummeln sich nach der letzten Zählung insgesamt 125 Wildtierspezies, mehr als irgendwo sonst auf der Welt.

Bis Ende letzter Woche haben jedoch bloss 50 Rancher und Züchter ein Bewilligungsgesuch eingereicht, um die Jagd weiterhin durchführen zu können. Sie wollen in Kauf nehmen, dass sie über die Zahl der lebenden und getöteten Tiere genau Buch führen müssen und Inspektoren jederzeit unangemeldet ihre Gehege aufsuchen können. Doch viele Rancher ziehen es vor, auf die Säbelantilopen, die Addax-Antilopen und Damagazellen zu verzichten. «Es gibt hier Rancher, die haben jedes einzelne dieser Tiere getötet, weil sie nach dem 4. April keinen Wert mehr hatten», ärgert sich der Tierschutzpionier David Bamberger.

Der 83-jährige Texaner zog auf 250 Hektaren seiner Ranch in den späten 70er-Jahren als erster eine Herde von Säbelantilopen auf und rettete damit die Tierart vor dem gänzlichen Aussterben. Seither hat Bamberger einige Tiere in afrikanische Schutzgehege transferiert. Doch er glaubt, dass sie in Texas die besten Überlebenschancen haben. Dazu brauche es den wirtschaftlichen Anreiz. «Ich mag die Jagd gar nicht», sagte Bamberger in der TV-Reportage. «Doch wenn Selbstlosigkeit der einzige Anreiz ist, kann man keinen grossen Beitrag von Leuten erwarten, die für ihren Lebensunterhalt Dollars verdienen müssen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • August Augur am 10.04.2012 08:17 Report Diesen Beitrag melden

    Und . . .

    . . .erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werden die Menschen feststellen, dass man Geld nicht essen kann. Nicht von mir, sondern bereits vor über 100 Jahren von den Canadischen Cree Indianern festgestellt worden. Aber, es trifft immer mehr zu!

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  • John Doe am 09.04.2012 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    typisch ökos

    das passiert, wenn man auf seine gefühle hört statt auf den kopf...

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  • Hänsel am 09.04.2012 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Schluss mit Faulenzen

    So ein Tier muss halt lernen zu rentieren, da könnte ja jeder den ganzen Tag in der Savanna rumhängen und Gras kauen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • August Augur am 10.04.2012 08:17 Report Diesen Beitrag melden

    Und . . .

    . . .erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werden die Menschen feststellen, dass man Geld nicht essen kann. Nicht von mir, sondern bereits vor über 100 Jahren von den Canadischen Cree Indianern festgestellt worden. Aber, es trifft immer mehr zu!

    • Daniel Andreoli am 11.04.2012 12:05 Report Diesen Beitrag melden

      Der grosse Irrtum

      Dieser Spruch wurde Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts von einem amerikanischen Drehbuchautor erfunden.

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  • Antonietta/Tumminello am 09.04.2012 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    gegen die Jagd !!!

    - Die Jagd schadet dem Gleichgewicht der Natur - Durch die Jagd steigt die Überpopulation der Wildscheine & andere Waldtiere immer weiter: - Familienverbände werden auseinandergerissen, worauf die Wildschweine mit vermehrter Fortpflanzung reagieren - Durch das Ausstreuen von Nahrung werden die Waldtiere angeregt sich noch mehr zu vermehren - Die Bejagung des Fuchses führt zur Flucht und damit zur Ausbreitung von Tollwut - - Der Jagd fallen jährlich zusätzlich ca. 400.000 Katzen und ca. 65.000 Hunde zum Opfer

    • D.M. am 09.04.2012 20:55 Report Diesen Beitrag melden

      Wissenschaftlich belegt?

      Woher beziehen sie ihr Wissen? Sind ihre Angaben nur Schätzungen oder fundiertes Wissen? Ist das wissenschaftlich belegt?

    • Stef am 09.04.2012 21:01 Report Diesen Beitrag melden

      autsch

      An solchen hirnrissigen Beiträgen sieht man gut wie weit irgendwelche Städter schon von der Natur abgefallen sind. Es gibt mittlerweile Menschen denen das elementarste Verständnis von dem was eigentlich natürlich und sinnvoll ist fehlt.

    • B.G. am 09.04.2012 21:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      So ist es

      Wie recht Sie haben. Sehr gut formuliert.

    • Charly am 09.04.2012 21:37 Report Diesen Beitrag melden

      Tierschutz???

      In der Natur herscht Fressen und Gefressen werden. Ist dies nicht der Fall, haben wir Problemarten., z.B. Waschbär und andere. Darum ist auch die Jagt sehr wichtig. Bin kein Jäger, aber bin froh wenn ich auf einen Jäger zählen kann, der am Strassenrand ein verletzter Fuchs erlötsen kann. Danke an Jäger für die Wildpflege.

    • Janosch am 09.04.2012 23:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kein Wolf = Mensch

      klar. Füchse, Wölfe etc schauen immer bedacht darauf, dass sie keine Familienverbände auseinanderreissen. Vielleicht fragen sie ja nach den Ausweisen, um siche zu stellen, dass niemand verletzt wird, der für den Verbund wichtig ist. Durch die Ausrottung natürlicher Feinde ist der Mensch in die Regulationsposition gekommen. es klingt hart, aber würde keine Kagd mehr betrieben, gäbe es bald weder gesunde Wälder noch gesunde Wildbestände. Ich unterscheide hier zwischen "ökologischer" jagd hier und profitorientrierter meucheljagd in afrika etc. Wenn ihr keine Jäger wollt brauchen wir den Wolf.

    • Bi Anca am 10.04.2012 07:25 Report Diesen Beitrag melden

      GEGEN DIE JAGD

      Was für 'Menschen' sind das, die morden als Freizeitvergnügen haben?

    • Ithilwen am 10.04.2012 07:36 Report Diesen Beitrag melden

      Migros/Coop

      Wieso, kommt die Milch und das Fleisch denn nicht aus dem Migros/Coop? ;-)

    • Moritz Meier am 10.04.2012 11:00 Report Diesen Beitrag melden

      Gleichgewicht der Natur?

      Diese Behauptungen sind teilweise falsch. Ein Gleichgewicht in der Natur hätten wir nur, wenn auch genug Raubtiere da wären. Aber wer will schon Bären und Wölfe gleich vor der Haustüre? Im abgelegene Bergtal mag es wohl noch angehen...

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  • Richard am 09.04.2012 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beängstigende Verblendung 

    Totale Absurdität! Also um die Tiere zu schützen sollen wir sie alle ausrotten??? Wie geht das weiter? Um die hungerndern Menschem in Afrika zu retten sollten diese auch alle ausgerottet werden? Einfach erstaunlich und beängstigend wie stur und engstirnig manche Menschen sind, un das trotz all unseren Fortachrittes in den letzten Jahrhunderten...

    • Roger Helmer am 09.04.2012 22:10 Report Diesen Beitrag melden

      Fortschritt?

      Ja , super Fortschritte , wir zerstören die Natur /bringen Unordnung in das Weltklima - rotten Tiere und Pflanzen aus - und eines Tages sprengen wir den eigenen Planeten in die Luft - was zum Kuckuck soll denn daran fortschrittlich sein ??

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  • Ricardo Granda am 09.04.2012 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    Tiertschutz

    Tierschutz nenne ich ,Tiere zu schützen, dort wo sie heimisch sind. Es ist doch widersinnig, Tiere in andere Kontinente zu verlegen und jedes Jahr, einige von ihnen abschiessen, um finanziell, den Erhalt der Rasse zu gewährleisten. Schliesslich werden diese Tiere in Afrika nur von den Menschen ausgerottet, also müsste man an den Tieren nichts ändern, sondern an den Menschen.

    • Chris Schneider am 09.04.2012 18:23 Report Diesen Beitrag melden

      richtig

      Meine Meinung.

    • fred am 09.04.2012 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      natur oder tierschutz?

      In Afrika gilt noch immer die Natur. Tiere töten sonst sterben. Aber das kannst du dir bestimmt nicht vorstellen, denn bei uns kommt ja alles aus der Migros.

    • bob m. am 09.04.2012 20:51 Report Diesen Beitrag melden

      exodus, movment of jah animales...

      geb dir recht was die ausrottung durch den menschen betrifft. wen sich das klima weiter so schnell ändert könnte es schon "sinn" machen die tiere umzusiedeln. bevor die heutigen menschen aufgetaucht waren, haben sich die tiere auch in andere lage begeben, so zb wegen eiszeiten. natürlich ging das wahrscheinlich tausende von jahren. im moment können die tiere wegen den menschen und wegen der jetzigen geologie, zb mittelmeer oder rotes meer, afrika nicht so einfach verlassen. das wirkliche problem sehe ich dann ehr im aus dem gleichgewicht bringen der neuen heimat dieser tiere.

    • Ricardo Granda am 09.04.2012 21:10 Report Diesen Beitrag melden

      @ fred

      Ist ein wenig falsch Deine Aussage, denn Grosswildjäger sind in der Regel, keine Afrikaner und die haben mit der Natur nichts am Hut. Und die Afrikaner, die sonst Tiere bewusst dezimieren, tun es ja für andere Leute, des Geldes wegen. Bis jetzt ist in Afrika noch keine Tierart ausgestorben, weil sie zum verzehr der Einheimischen diente.

    • fred am 10.04.2012 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @granda

      Na dann nehme ich meine Aussage zurück. Habe dich missverstanden.

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  • Skeptiker am 09.04.2012 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    falsch verstandener Tierschutz

    Ich bin ja auch Vegetarier, mag die meisten Jäger nicht und spende nur für den Tierschutz, aber wenn diese Antilopenhaltungen bewilligungspflichtig werden, weichen die faulen Farmer einfach auf eine andere Tierart aus. Getötet wird also weiter, nur dass ein paar wunderbare Tiere der Ausrottung näher kommen. Soll das sinnvoll sein? Anstatt auf den Farmern rumzureiten, wäre es in meinen Augen besser gewesen, den Jägern ihre Blutrünstigkeit vor Augen zu führen. Fehlen die Konsumenten, wird auch das Produkt (das Tier als Ware) verschwinden.