Auferstehung

18. Juli 2008 14:29; Akt: 21.07.2008 17:03 Print

Jesus war nicht der Erste

von Anja Grünenfelder - Laut einer Inschrift aus vorchristlicher Zeit soll lange vor Jesus bereits ein anderer Messias auferstanden sein. Die so genannte Gabriel-Offenbarung gehört dem Zürcher Antiquitätensammler David Jeselsohn. Er ist derzeit ein gefragter Mann.

(Video: Debby Galka/20 Minuten Online)
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Der Zürcher Antiquitätensammler David Jeselsohn kaufte einem jordanischen Händler eine alte Steintafel ab – und kam damit in den Besitz eines Dokuments, das derzeit nicht nur in Kirchenkreisen für Aufregung sorgt. Ein Bibelforscher der Hebräischen Universität in Jerusalem, Professor Israel Knohl, hat die Worte auf der Tafel übersetzt und kommt zu einem erstaunlichen Schluss: Jesus war nicht der erste, der auferstanden ist.

Israel Knohl ist überzeugt, an einer schwer lesbaren Stelle das Wort «Lebe!» (als Befehlsform), d.h. «Steh auf ins Leben!», entziffert zu haben. Demnach soll der Erzengel Gabriel folgende Verkündigung an Efraim, den Sohn des Josef, gerichtet haben: «In drei Tagen lebe. Ich, Gabriel, befehle es Dir, Fürst der Fürsten.»

Knohls frühere These, dass die Geschichte von der Auferstehung nach drei Tagen bereits vor dem Neuen Testament existierte, wurde damit bestätigt. Experten zweifeln nicht an der Richtigkeit von Knohls Interpretation. Für den Zürcher Antiquitätensammler Jeselsohn wird die Geschichte von Jesus dadurch sogar glaubhafter: «Etwas betroffen geäussert haben sich nur einige Blogger aus den USA.»

«Kein Forscher zweifelt an der Echtheit»

Nicht nur die Worte Gabriels erstaunen, sondern auch das Material der Tafel. «Eine Steintafel ist für diese Zeit sehr ungewöhnlich», sagt Jeselsohn. Normalerweise seien die Schriftstücke aus Pergament. Merkwürdig sei zudem, dass die Tintenschrift auf dem Stein so gut erhalten ist. An der Echtheit der Steintafel zweifelt er dennoch nicht. «Dass hat auch keiner der anderen Forscher getan.»

David Jeselsohn sammelt seit 40 Jahren Antiquitäten aus dem östlichen Mittelmeerraum. Ihn interessieren vor allem Münzen, Öllampen und beschriebene Objekte aus der biblischen und hellenistischen Zeit. Auch die Steintafel entstand zwischen dem hellenistischen und römischen Zeitalter und wurde auf 100 v. Chr. datiert.

Tafel jahrelang unbeachtet

Im April 2007 wurde in der israelischen Zeitschrift «cathedra» zum ersten Mal über Jeselsohns Steintafel berichtet. Damals wurde die Tafel nur von der Fachwelt wahrgenommen. Heute erscheinen beim Suchbegriff «Gabriel revelation» (Offenbarung Gabriels) beinahe 2 Millionen Google-Einträge, die vorwiegend über die Steintafel berichten. Zu ihrer Popularität beigetragen hat vor allem ein Artikel der «New York Times» vom Juli dieses Jahres. Seither rufen Medienvertreter aus der ganzen Welt beim Schweizer Antiquitätensammler an.

Gekauft hat Jeselsohn die Tafel bereits vor rund 15 Jahren. Er selbst datierte sie auf das Jahr 1000 n. Chr. Lange Zeit kümmerte er sich nicht weiter um den Stein. Erst die Paläographin Ada Yardeni erkannte an der Schrift, dass die Tafel sehr viel älter sein muss.

Momentan holt David Jeselsohn die Steintafel nicht mehr aus seinem Safe hervor. Sie soll in den nächsten Wochen dem Israel-Museum übergeben werden. Dort sind bereits andere Stücke von ihm ausgestellt.