2 FSME-Fälle

08. April 2019 14:13; Akt: 08.04.2019 15:16 Print

So schützt du dich vor Zeckenstichen

Mit den wärmeren Temperaturen steigt das Risiko auf einen Zeckenstich. Letztes Jahr erreichte die Zahl der von Zecken übertragenen Krankheiten einen Höchststand.

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Nicht nur im Wald muss man mit Zecken rechnen. Denn die Blutsauger sind auch im hohen Gras oder auf Wiesen anzutreffen. Und das zuhauf, wie ZHAW-Zeckenforscher Werner Tischhauser ... befinden sich darauf gleich mehrere Zecken. Kleine genauso wie grosse. Sie alle sammelt der Fachmann ein – um sie anschliessend zu vernichten. Schliesslich soll keines der während des Experiments gesammelten Tiere dem Menschen gefährlich werden. Denn während die Tiere an uns saugen, können sie Krankheiten wie ... Lyme-Borreliose übertragen. (Im Bild: eine sogenannte Wanderröte, ein Anzeichen der bakteriellen Erkrankung) Damit es nicht so weit kommt, ist es wichtig, die Zecke schnell zu entfernen. Doch noch besser wäre es, ein spezielles Zecken-Instrument zu nutzen. Bloss welches? Schliesslich gibt es Zeckenpinzetten, -karten, -zangen und das sogenannte Tick Tool, das in einem Taschenmesser integriert ist. Tatsächlich gibt es deutliche Unterschiede, sagt Werner Tischhauser von der ZHAW, der für 20 Minuten die vier Varianten an einer künstlichen Haut testete. Die dort hineingesteckten Stecknadeln stellen Zecken dar. Schliesslich wäre ein Test mit echten Exemplaren, die sich in menschliche Haut verbeissen, zu riskant. sind praktisch, weil sie in jedes Portemonnaie passen. Doch nicht alle sind laut Werner Tischhauser gleich gut. Wichtig sei, dass die V-förmigen Öffnungen, mit denen man unter die Spinnentiere fährt, um sie aus der Haut zu ziehen, aus der Karte herausragen. Der Grund: «Wenn ich damit in einer Körperbeugung – zum Beispiel unter der Achsel – ans Werk muss, komme ich mit den nach innen gerichteten Öffnungen nicht gut ran.» Bei den nach aussen gerichteten könne man besser navigieren. Das ist neu auf dem Markt – und das erste seiner Art. Es ist in ein Swiza-Taschenmesser integriert und Tischhausers Favorit. Schliesslich war die ZHAW an der Entwicklung beteiligt. Im Grunde genommen ist es eine optimierte Zeckenkarte. «Die V-förmige Öffnung läuft so zu, dass man sowohl kleine als auch grosse Zecken damit greifen kann. Gleichzeitig hat man die Kontrolle über das Instrument», so Tischhauser. Clever: Die Lupe, mit der man sehen kann, wo man operiert. Anders als klassische Pinzetten sind vorne spitz und gebogen. Das ist wichtig, denn nur dann kann man die beiden Greifer zwischen Blutsauger und Haut schieben. Sind sie aber zu breit, wie auf dem hier abgebildeten Instrument, läuft man Gefahr, den Körper der Zecke zu zerquetschen und allfällige Erreger in den Körper zu drücken. «Eine Pinzette mit so breiten Spitzen ist eher für adulte, grössere Zecken geeignet», lautet das Expertenurteil. wie diese empfiehlt Tischhauser klar nicht für den Einsatz beim Menschen: «Zwar lässt sie sich dank des Federmechanismus einhändig bedienen, aber vorne ist sie zu wenig filigran. Damit könnte man – gerade bei sehr kleinen Exemplaren – den Hinterleib der Zecke quetschen.» Für überflüssig hält er derartige Modelle dennoch nicht. Für die Anwendung bei Tieren sei sie gut geeignet. Mir ihr hat man immer eine Hand frei, um das Tier festzuhalten. Doch welches Hilfsmittel man auch immer nutzt, um das Spinnentier zu entfernen: Wichtig ist, dass der Stich abschliessend desinfiziert wird.

Zum Thema
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Mit dem Frühling beginnt die Zeckensaison. Wer Gestrüpp und Unterholz meidet, geschlossene Kleidung trägt, Zeckenschutzmittel verwendet und sich nach einem Wald- oder Gartenaufenthalt auf Zeckenstiche kontrolliert, kann sich vor den Stichen und ihren Folgen schützen.

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Hast du die Zeckenimpfung gemacht?

Die Zecke ist vor allem im Frühling und im Herbst aktiv. Das Spinnentier braucht Blut: Wenn es sticht, kann es aber Krankheiten übertragen. In der Schweiz sind dies vor allem die Borreliose oder die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME).

Die FSME wird durch einen Virus verursacht und kann einen schweren Verlauf nehmen. Die Zecken sind nur in bestimmten Gebieten von diesem Virus befallen. Gegen die FSME gibt es eine Schutzimpfung.


Zecken haben zurzeit Hochsaison. Doch Panik haben muss deshalb niemand, nur richtig vorsehen. Ein Zeckenforscher verrät, wie das geht. (Video: Fee Riebeling, mit Material von Keystone)

Im vergangenen Jahr erreichte die Zahl der von Zecken übertragenen FSME mit 323 Fällen einen neuen Höchststand. In der Vergleichsperiode des Vorjahres waren es 191 Fälle. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres war diese Krankheit nach Angaben des Bundesamts für Gesundheit erst zweimal registriert worden. Im mehrjährigen Vergleich ist dies eher wenig. Erfahrungsgemäss nehmen die Fallzahlen im April und Mai stark zu.

Keine Impfung gegen Borreliose

Gegen die Borreliose gibt es keine Impfung. Sie wird durch Bakterien verursacht und kann mit Antibiotika behandelt werden. Häufig verläuft die Infektion unbemerkt.

Versicherungsrechtlich sind die durch Zeckenstiche verursachten Krankheiten Unfälle. Die Unfallversicherer registrierten jedes Jahr rund 10'000 Fälle, teilte die Suva am Montag mit. Bei 95 Prozent der Fälle handle es sich um Borreliose, rund 5 Prozent der Fälle seien FSME-Infektionen.

Die Zeckenunfälle verursachen nach Angaben der Suva jährlich Kosten von 11,6 Millionen Franken. Mehrheitlich sind Männer betroffen. In 90 Prozent der Fälle werden die Opfer in der Freizeit gestochen. 4900 Zeckenunfälle passieren beim Spazieren, 1600 zu Hause oder im Garten, 300 beim Joggen und 900 beim Reiten, Biken oder auf der Jagd.

Mit richtigem Verhalten Stichen vorbeugen

Das Risiko eines Zeckenstichs könne schon mit einfachen Verhaltensweisen vermindert werden, schreibt die Suva. Wer Gestrüpp und Unterholz meide, streife auch keine Zecken ab.

Vor Zeckenstichen schützt auch eine geschlossene Kleidung. Ist diese von heller Farbe, werden Zecken besser entdeckt und können entfernt werden, bevor sie auf die Haut gelangen. Weiter empfiehlt die Suva, Zeckenschutzmittel für Haut und Kleider zu benutzen.

Nach einem Aufenthalt im Wald oder Garten solle der Körper nach Zecken abgesucht werden, schreibt die Suva. Falls eine gefunden werde, solle sie so schnell wie möglich mit einer Pinzette oder Zeckenzange entfernt werden.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Seppetoni am 08.04.2019 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es sind ja nur die ganz kleinen

    "Jetzt lauern dir die Blutsauger wieder auf." Habe nur den Titel gelesen, da er auf vieles andere auch passt - Steuerrechnung, Krankenkasse, Bankgebühren usw - habe ich weitergelesen und bin beruhigt.

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  • Mike M. am 08.04.2019 14:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sie sind überall

    Ich kenne auf viele Orte, wo es Blutsauger, Zecken und Parasiten gibt, verteilt in der Stadt und im Land. :)

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  • killtheticks am 08.04.2019 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    tut was, impft euch

    ich hatte vor Jahren FSME und war im Spital (Hirnhautenzündug, Lähmungen, Gedächnisverlust,....) kam zum Glück alles wieder in den grünen Bereich, war nicht lustig.... impft euch

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Irene am 12.04.2019 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Invasion

    Gestern hat mir meine Katze 11 Zecken reingebracht. So schlimm war es noch nie

    • Komiker 2018 am 12.04.2019 10:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Irene

      In der Stadt Bern und Zürich gibt es am meisten "Zecken" und im Bundeshaus auf der linken Seite auch...

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  • Daisydream am 10.04.2019 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Alle Jahre wieder. Im Wald und auf dem Feld einfach die Wege nicht verlassen. Halte ich seit über zwanzig Jahren so, bin täglich im Wald und hatte noch nie eine Zecke. Wer aber kreuz und quer im Wald durchs Gebüsch wandert, muss sich über blinde Passagiere nicht wundern.

  • gegu am 09.04.2019 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Impfbefürworter

    Könnte man nicht die Zecken gegen gängige Krankheiten impfen, sodass sie keine Gefahr mehr für uns darstellen?

  • Edmo am 09.04.2019 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    So oder doch so oder anders?

    Zecken sind unangenehme Zeitgenossen. Trotzdem bin ich verunsichert. Auf der einen Seite beklagen wir lautstark das schreckliche Insektensterben und auf der anderen Seite muss ich lesen, dass die Zecken immer mehr Schaden anrichten. Was stimmt nun wirklich?

  • Ohni Schlagrahm am 09.04.2019 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur im Wald

    Bei mir hat sich vor zwei Wochen eine Zecke ins Badezimmer geschlichen (Fenster war gekippt) und mich während des Duschens am Unterarm festgekrallt. Zum Glück habe ich es schnell gemerkt und sie rausgezupft und ins Klo geworfen. Alle Beinchen waren noch dran und die Haut war nicht gerötet. Ich wohne im 2. Stock und war seit Wochen nicht im Wald!

    • Miau am 09.04.2019 18:16 Report Diesen Beitrag melden

      Haste Katze oder Wuffi?

      Kann auch von nem Haustier eingeschleppt worden sein.

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