Schwefelhexafluorid

09. Dezember 2010 21:26; Akt: 09.12.2010 20:29 Print

Kein Ersatz für den ärgsten Klimakiller?

von Claudia Hoffmann - Das stärkste Treibhausgas ist Schwefelhexafluorid. Die Emissionen steigen rapide an. Forscher suchen nach Alternativen.

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Hoffentlich bald passé: Eine mit Treibhausgas isolierte Anlage. (Bild: ABB)

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Das synthetische Gas Schwefelhexafluorid (SF6) wird zur Isolation von Hochspannungsanlagen verwendet. Das ist umstritten, weil SF6 dem Klima schadet. Zwar haben in der Schweiz und der EU Hersteller wie ABB und Siemens die Freisetzung dieses Klimakillers freiwillig eingeschränkt, trotzdem steigt die Konzentration in der Atmosphäre dramatisch an. Das belegt eine Studie der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa). Zwischen 2000 und 2008 hat der weltweite Ausstoss von SF6 um 40 Prozent zugenommen. Und: «Die Mengen werden weiter steigen», prophezeit Empa-Forscher Stefan Reimann.

Das ist bedenklich, denn SF6 ist das stärkste bekannte Treibhausgas. Eine Tonne davon erhitzt das Klima so stark wie 22 800 Tonnen CO2. Das liegt unter anderem daran, dass es extrem lange in der Atmosphäre bleibt – ganze 3200 Jahre.

Der grösste Teil der Emissionen stammt aus Hochspannungsschaltanlagen. Hier kommt SF6 zum Einsatz, weil es ungiftig ist, sich nicht zersetzt und drei- bis viermal besser isoliert als Luft. Doch bei Herstellung, Betrieb und Wartung der Anlagen kann das Gas aus Lecks austreten. In der Schweiz sind die Emissionen eingeschränkt: Sie dürfen nicht mehr als 1 Prozent der eingesetzten Menge betragen.

Ob solche Reduktionsmassnahmen allerdings ausreichen, ist fraglich. Die jüngsten Messungen zeigen, dass die Industrieländer mehr ausstossen als bisher angenommen. Und: Die Nachfrage nach Schaltanlagen ist gross, vor allem in Schwellenländern wie China. Diese sind für 60 Prozent der SF6-Emissionen verantwortlich.

Ersatz für den Klimakiller gibt es bisher nicht. Deshalb sucht Christian Franck, Professor für Hochspannungstechnik an der ETH Zürich, nach einem Ersatz. Er setzt auf Gasgemische. Diese isolieren nämlich meist besser als einzelne Gase, doch auch sie enthalten immer noch gewisse Mengen an SF6. Laut Franck wird es noch Jahre dauern, bis eine Alternative gefunden ist. Momentan sieht er nur eine Lösung: «Bis dahin ist es Aufgabe der Politik, das Treibhausgas weiter einzuschränken.»