Plutoniumknappheit

16. Dezember 2011 21:48; Akt: 16.12.2011 23:48 Print

Kein Treibstoff für Flüge ins tiefe All

von Martin Suter - Ein Streit im US-Kongress hat Folgen für die Raumfahrt: Der Nasa geht der für unbemannte Missionen ins Weltall unerlässliche Energielieferant Plutonium-238 aus.

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Arbeiter installieren einen Plutonium-Generator in der Raumsonde Cassini, die derzeit den Saturn umkreist. (Bild: Keystone/Nasa Image)

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Curiosity hat noch einen vollen «Tank». Der vierrädrige Roboter von der Grösse eines Autos, der seit Ende November Richtung Mars unterwegs ist, trägt 3,6 Kilogramm Plutonium-238 mit sich. Das radioaktive Isotop gibt konstant Wärme ab, die über einen thermoelektrischen Generator in Elektrizität umgewandelt wird und das Gefährt auf Jahre am Laufen halten soll.

Doch die Curiosity-Mission mit ihrem voraussichtlichen Landedatum im August nächsten Jahres könnte eine der letzten Fernexpeditionen der US-Raumfahrtbehörde Nasa werden. Plutonium-238 wird nämlich knapp. Das Isotop fällt bei der Herstellung von Spaltmaterial für Atombomben an und ist in den USA seit den 1980er Jahren nicht mehr produziert worden. Eine russische Quelle wurde eine Zeit lang genutzt, ist inzwischen aber auch versiegt.

Mehrere Missionen unterwegs

Die Plutoniumknappheit stelle die weitere Erforschung des Weltalls in Frage, sagte der Planetenforscher Alan Stern dem Newsdienst space.com. «Die Zukunft der amerikanischen Führungsposition in der planetaren Wissenschaft des 21. Jahrhunderts hängt vom Zugang zu Plutonium-238 ab.» Stern leitet für die Nasa das Projekt New Horizon, dessen mit Plutonium betriebene Sonde gegenwärtig auf den fernen Pluto zurast. Auch die Jupiter-Mission Galileo und die Cassini-Raumsonde, die im Moment den Planeten Saturn umkreist, sind so weit von der Sonne entfernt, dass Solarsegel als Energiequellen nicht in Frage kommen.

Die vielleicht berühmtesten Nutzer der Plutonium-Stromquelle sind die beiden 1977 entsandten Voyager-Sonden. Voyager 1 ist 18 Milliarden Kilometer vom Zentralgestirn entfernt und damit fast am Rand des Sonnensystems angekommen. Nicht weit zurück folgt Voyager 2 nach einer Tour vorbei an Uranus und Neptun. Beide Sonden werden von Plutonium-238 verlässlich am Leben erhalten.

Streit um Kostenteilung

Zwar hält die Nasa geheim, wie viele Kilogramm des kostbaren Energieträgers ihr verbleiben. Nach einer im Mai 2009 veröffentlichten Studie der Aufsichtsbehörde für Kernenergie reichen die Vorräte aber nur für die bis 2022 geplanten Missionen. Vorgesehen sind in diesem Zeitfenster weitere Expeditionen zum Mars und die Erkundung des Jupitermonds Europa. Danach könnte endgültig Schluss sein mit aufregenden Vorstössen zu Planeten und in den interstellaren Raum.

Das Problem sind wie immer die Kosten. Die Produktion von Plutonium-238 wieder anzufahren, würde über die dazu erforderlichen fünf Jahre zwischen 50 und 75 Millionen Dollar kosten. Obwohl das im Verhältnis zum US-Budget keine riesigen Summen sind, ist im Kongress ein Streit ausgebrochen. Manche Politiker wollen nicht, dass die Kosten wie vorgeschlagen zwischen dem für die Herstellung zuständigen Energiedepartement und der Nasa geteilt werden. Zwei konkurrierende Kongressausschüsse haben sich bisher nicht einigen können.

Der Mars als künftige Grenze?

Für die US-Weltraumbehörde wäre es verheerend, wenn nach der bemannten auch die unbemannte Raumfahrt aus Spargründen abgewürgt würde. Für Jim Adams, Nasa-Vizedirektor für Planetenforschung, ist neues Plutonium-238 absolut unverzichtbar. «Wenn wir es nicht erhalten, werden wir nicht mehr über den Mars hinaus vorstossen», sagte er dem NPR-Radio. «Wir werden das fernere Sonnensystem und den Asteroidengürtel nicht mehr erforschen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heribert am 16.12.2011 22:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ihr superschlauen wahrt doch sicher schon mal mit dem Flieger in den Ferien. Wer hat denn wohl zu welcher Zeit das Düsentriebwerk erfunden? Weshalb gibt es Land- und Seekarten oder GPS. Sucht das nächste Mal euer Ziel ohne Navi... Will überhaupt nicht relativieren und klar muss es ohne gehen aber Krieg hat uns technisch gesehen viel weiter gebracht als ihr alle meint... Denkt nach bevor ihr den Mund aufmacht

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  • Savy am 16.12.2011 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    600 irgendwas Milliarden für die Verteidigung, aber für Dinge welche uns weiterbringen bleibt kein Geld - USA ihr seit super.

  • Sepp Jedermann am 17.12.2011 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Pioniergeist

    Die Menschheit hat eine rasante Entwicklung hingelegt über die letzten 2000 Jahre. Es ist nur natürlich, dass die Menschen im All neue Lebensräume und Schätze suchen müssen. Dies ist nur ein kleiner hick-up und wenn die "hochentwickelten, hoch verschuldeten" Völker die Staatsschulden abgestottert haben, geht die Suche im Weltall weiter.

Die neusten Leser-Kommentare

  • T.Mollet am 17.12.2011 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung ist einfach

    LFTR bauen---> Problem gelöst

    • Nicolas H. aus H am 17.12.2011 21:13 Report Diesen Beitrag melden

      back to the drawing board

      Ein Flüssig Fluoride Thorium Reaktor ist eine Super Idee bis auf ein paar kleine Probleme: Zu gross, zu schwer, zu kompliziert, zu teuer, es gibt kein Material welches der Reaktion über Jahrzehnte standhält und es ist nicht sehr klug Raketen welche ab und zu explodieren mit giftiger radioaktiver Sauce zu füllen.

    • T.Mollet am 17.12.2011 21:41 Report Diesen Beitrag melden

      LFTR, Zukunft der Energieversorgung

      Der LFTR wird logischerweise nicht als Energiequelle im All benutzt, er erzeugt Pu 238, das ansonsten Millionen Dollar pro Kilo kosten würde, als Nebenproukt. Zudem ist das Konzept ziemlich einfach und wahrscheinlich auch günstiger als Kohlestrom. Die Materialien sollten auch kein Problem darstellen, wie das MSR-Experiement von 65-69 zeigt.

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  • ORCH_IDEE am 17.12.2011 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    "es" mischt sich ein

    es wird bald auch nicht mehr für den mars reichen. weil die wetterbedingten schäden eine förderung verunmöglichen werden. auch finanziell.

  • Marti MC Fly am 17.12.2011 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Will Auto mit solche Antrieb

    Schade ich wollte gerade mein Auto auf so einen Antrieb umrüsten lassen. Wäre echt cool gewesen mit einer "Tankfüllung" über 730 Tage (mehr als 2 Jahre) Rumfahren zu können.

  • Titanus am 17.12.2011 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitsplätze!

    Wenn sich alle an der Erforschung unseres Sonnensystems beteiligen würden und sich ein echter Konkurrenzkampf zwischen den Ländern ergeben würde, dann könnten wir endlich die Kriegsmaschinerie verschrotten und so komplett neue Arbeitsplätz schaffen. Geldverschwendung bedeutet immer Arbeitsplätze am Leben erhalten. Und die Konsumierung im Weltall verdreckt unser Planet nicht.

  • Sepp Jedermann am 17.12.2011 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Pioniergeist

    Die Menschheit hat eine rasante Entwicklung hingelegt über die letzten 2000 Jahre. Es ist nur natürlich, dass die Menschen im All neue Lebensräume und Schätze suchen müssen. Dies ist nur ein kleiner hick-up und wenn die "hochentwickelten, hoch verschuldeten" Völker die Staatsschulden abgestottert haben, geht die Suche im Weltall weiter.