Toxisches Schocksyndrom

19. Oktober 2019 19:46; Akt: 20.10.2019 09:47 Print

16-Jährige in Lebensgefahr von Ärzten heimgeschickt

Schmerzen, Übelkeit und Atemnot bringen eine 16-Jährige ins Spital. Weil die Ärzte nichts finden, wird sie wieder nach Hause geschickt. Abends landet sie auf der Intensivstation.

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Obwohl sich die 16-Jährige bereits seit drei Tagen krank fühlte und über Schmerzen, Kurzatmigkeit und Übelsein klagte, konnten die Mediziner in der Notaufnahme nichts feststellen. Sie schickten sie nach Hause, was das Mädchen fast das Leben gekostet hätte. Denn die 16-Jährige, eine ambitionierte Leistungsschwimmerin, die in der Vergangenheit ... ... lediglich unter Asthma gelitten hatte, war am Toxischen Schocksyndrom (TSS) erkrankt. Das ist zwar nur selten, endet un- oder zu spät behandelt aber tödlich. Das Tückische an der Infektion, die insbesondere nach unsachgemässer Verwendung von Tampons und Diaphragmen (Bild) auftreten kann: ... Sie ist schwierig zu diagnostizieren, da ihre Symptome am Anfang uneindeutig sind und denen einer schweren Erkältung oder Grippe ähneln – so wie im Fall der Amerikanerin. Sie hatte jedoch Glück im Unglück. Nachdem sie am Morgen heimgeschickt worden war, traten bei ihr Fieber, Schüttelfrost und ein sonnenbrandähnlicher Ausschlag auf. (Im Bild: ihre Beine mit Ausschlag) Als sie das am Abend dem dann aufgesuchten Arzt mitteilte, handelte er sofort und schickte sie erneut in die Notaufnahme. Dort bestätigte sich sein Verdacht. (Im Bild: das Beaumont Hospital in Farmington Hills im US-Bundesstaat Michigan, in dem die 16-Jährige verarztet wurde) Gleichzeitig rätselten die Mediziner, was die Infektion ausgelöst hatte. Ein unsachgemässer Umgang mit der Mens konnte es nicht gewesen sein, weil die letzte Blutung der 16-Jährigen bereits drei Wochen her war. Auch ein Diaphragma konnte als Auslöser ausgeschlossen werden. (Im Bild: ihr Rücken mit Ausschlag) Der Hinweis des Mädchens, in seiner Brust habesich im Laufe des Tages ein kleiner Knubbel gebildet, brachte die Ärzte schliesslich auf die richtige Spur. Ultraschallbilder zeigten schliesslich, dass sich in der Brust neben diesem ertastbaren noch weitere Abszesse befanden, in denen ein TSS auslösendes Bakterium nachgewiesen wurde. (Im Bild: Ultraschall der rechten Brust offenbart mehrere Abszesse) Noch am gleichen Tag operierten die Ärzte diese aus ihren Körper. Wie es zu dem Einschluss der Bakterien in der Brust gekommen war, darüber können die Mediziner nur mutmassen. Sie gehen davon aus, dass der Erreger über die Brustwarze in den Körper gelangt ist, wie so oft bei Abszessen in der Brust. Folgende Symptome können gemäss der US-Gesundheitsbehörde CDC auf ein Toxisches Schocksyndrom hindeuten. Im Zweifelsfall sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Die Erkrankung beginnt üblicherweise sehr plötzlich mit hohem und anhaltendem Fieber (39–40,5 °C). Auch niedriger Blutdruck, gepaart mit Ohnmacht oder Schwindelanfällen, kann ein Hinweis auf das TSS sein. Ebenso als TSS-Symptom gelten grossflächiger Hautausschlag, Hautabschälungen, insbesondere wenn diese an den Handflächen und den Fusssohlen auftreten. (Im Bild: Hautschuppen) In vielen Fällen kommt es auch zum Auftreten von Hautveränderungen, die einem Sonnenbrand ähneln. Auch Übelkeit und Durchfall zählen zu den Symptomen von TSS. Nieren und Leber werden ebenfalls bei einem TSS in Mitleidenschaft gezogen, ... ... genauso wie das Zentrale Nervensystem, was zu Desorientierung oder Verwirrtheitszuständen führen kann. Abhängig davon, welche Bakterienart das TSS hervorgerufen hat, treten zusätzliche, spezifische Symptome auf. Eintrittspforte der TSS-Erreger kann übrigens jede eitrige Wunde sein.

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Drei Tage geht es der Amerikanerin schon schlecht, als sie sich endlich in die Notaufnahme des Beaumont Hospitals in Farmington Hills im US-Bundesstaat Michigan begibt. Die Leistungsschwimmerin plagen heftige Schmerzen in Kopf und Bauch, Übelkeit sowie Kurzatmigkeit.

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Die Ärzte können der 16-Jährigen jedoch nicht helfen. Alles an ihr wirkt normal. Auch die Tests ergeben nichts anderes. Weil sie keine konkrete Ursache für die diffusen Symptome finden können, schicken sie die 16-Jährige nach einer Infusion wieder nach Hause.

Ab in die Notaufnahme

Wenige Stunden später ist das Mädchen jedoch zurück beim Arzt. Dieses Mal sucht sie einen Gynäkologen auf, so wie es ihr die Mediziner im Spital geraten haben. Ein weiterer Unterschied zu ihrem Besuch am Morgen: Mittlerweile merkt man ihr an, dass sie krank ist.

Zu den Symptomen vom Vormittag haben sich in der Zwischenzeit Fieber, Schüttelfrost und ein sonnenbrandähnlicher Ausschlag gesellt. Zudem ist ihr Blutdruck abgefallen. Als der Frauenarzt das feststellt, zögert er nicht lange und schickt sie sofort in die Notaufnahme. Die junge Frau schwebt in Lebensgefahr.

Jede Sekunde zählt

Die nun vorhandenen Beschwerden passen zu einer lebensgefährlichen Erkrankung, dem Toxischen Schocksyndrom, kurz TSS oder auch Tamponkrankheit (siehe Box) genannt. Wird sie nicht rechtzeitig erkrankt und behandelt, sterben die Betroffenen innerhalb weniger Stunden an Kreislauf- und Organversagen.

Tatsächlich leidet die 16-Jährige an TSS. Die Notfallmediziner behandeln sie mit gleich zwei Antibiotika. Weil ihr Blutdruck weiter absackt, bekommt sie zusätzlich noch das Stresshormon Noradrenalin. So soll verhindert werden, dass ihre Organe zu wenig durchblutet werden.

Erfolgreiche Ursachensuche

Gleichzeitig rätseln die Mediziner weiter, was die Infektion ausgelöst haben könnte. Ein unsachgemässer Umgang mit der Mens kann es nicht gewesen sein, weil die letzte Blutung der 16-Jährigen bereits drei Wochen her ist. Damit kann sie als Auslöser ausgeschlossen werden.

Der Hinweis des Mädchens, in ihrer Brust hätte sich im Laufe des Tages ein kleiner Knubbel gebildet, der weiter wachse, bringt die Ärzte schliesslich auf die richtige Spur, wie es im Fachjournal «Oxford Medical Case Reports» heisst. Ultraschallbilder bestätigen die Aussage der jungen Frau und zeigen, dass sich in ihrer Brust neben diesem ertastbaren noch weitere Abszesse befinden.

Noch am gleichen Tag operieren die Ärzte diese aus ihren Körper und retten so das Leben der Patientin. Weiter untersuchen sie die darin befindliche Wundflüssigkeit. Diese bestätigt, dass sowohl Geschwulst als auch Entzündung durch Staphylococcus aureus verursacht wurden. Wie es zu dem Einschluss der Bakterien in der Brust gekommen ist, darüber können die Mediziner nur mutmassen. Sie gehen davon aus, dass der Erreger über die Brustwarze in den Körper gelangt ist, wie so oft bei Abszessen in der Brust.

Welche Symptome auf ein Toxisches Schocksyndrom hinweisen, verrät die obige Bildstrecke.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • CL am 19.10.2019 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Grund zum Drama...

    Zwar tragisch aber man muss auch nocht immer gleich ein Drama machen. Manchmal können gewisse Krankheiten nicht sofort eroiert werden. Meist beaucht es Fieber damit klar eine Entzündung oder was schlimmes erkannt werden kann. Stellt euch vor wieviel Untersuche sonst jedesmal gemacht werden müsste für nichts, weil der Papient meist eben doch nur eine Magendarm Grippe etc.. hat. Höhe KK will aber auch niemand! Also bitte sie ist ja nicht gestorben und die Ärzte haben ja sobald es ersichtlich war ernsthaft gehandelt und sie geheilt! Gute Besserung

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  • Bibi am 20.10.2019 00:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arztfehler

    Vor 12 Jahren, hat mein ehemaliger Frauenarzt meine Gebärmutter perforiert, während der Kaiserschnitt und nicht gemerkt. Leider hat er mich auch nichts ernst genommen. Als ich dann hohes Fieber hatte, hat er reagiert, jedoch zu spät. Ich wurde mehrmals operiert, hatte eine sepsis und Gebärmutter musste entfernt werden, dazu lag ich ebenfalls in Lebensgefahr, war sogar im Koma und intubiert. Seit dem ist meine Gesundheit nicht mehr die selbe. Ich habe täglich irgendwelche Schmerze und bin fälliger auf Infektion. Manchmal frage ich mich schon. Wie kann man nur?

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  • Df am 19.10.2019 23:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hirslanden

    Und unsere Tochter ist dank einem Belegsarzt Pfusch in der Klinik Hirslanden Luzern nur sehr knapp dem Tod entgangen. Der Pfuscher weist alle Schuld von sich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kein Arzt am 20.10.2019 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Halbwahrheiten...

    Der Titel klingt für mich so als hätten die Ärzte falsch gehandelt, was gemäss Text aber nicht so war. Und wie konnte die Frau eine "Tamponkrankheit" haben, wenn gar kein Tampon der Auslöser war? Sie hatte einen septischen Schock ausgelöst durch die bakterielle Infektion...

  • WaleLi am 20.10.2019 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch Ärzte sind Menschen

    Auch Ärzte sind nur Menschen und machen Fehler.

    • Lucretia M. am 20.10.2019 18:41 Report Diesen Beitrag melden

      Aber zugeben fällt schwer

      Für jeden (!) ernsthaften Eingriff, muss man ein Dokument unterschreiben,damit die behandelnden Aerzte abgesichert sind. Kopie bekommt man keine. Ist etwas schiefgelaufen oder fragwürdig, bleibt nichts anderes übrig, dies sofort schriftlich mitzuteilen,als Beleg bei evtl. Komplikationen. Das ist Patientenrecht:

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  • Oliver am 20.10.2019 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Passiert auch bei uns

    Was in Amerika passiert, kann auch bei uns passieren. Kenne jemanden dem musste der Blinddarm entfernt werden, nach 1 Tag wurde er schon wieder nach Hause geschickt. 1 Tag später musste er in den Notfall, weil sich die Wunde infiziert hatte, weil bei der OP nicht sauber gearbeitet wurde. Und die Leute länger im Spital zu behalten wäre zu teuer, daher werden sie einfach nach Hause geschickt. Der Mensch ist egal, geht nur ums Geld.

  • Biindli am 20.10.2019 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigene notaufnahme erfahrung

    Ich habe leider schon am eigenen leib erfahren dass man mich von der noraufnahme heimgeschickt hat. Ich ging mit heftigen unterbauch schmerzen. Nach der befragung zu den symptomen und einem bluttest wurde ich wieder nachhause geschickt. Drei tage später ging ich in eine andere notaufnahme. Diagnose: bauchwandhernie. Wurde dann sofort operiert. Ein wunder dass man es nicht auf sie psyche geschoben hat. Ich habe nämlich den eindruck dass die heutigen assistenzärzte keine lust mehr haben dem patienten zu helfen sondern einfach angeben indem sie sagen: "ich bin arzt"

  • A Meiser am 20.10.2019 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So einfach ist es nicht. Arztebashing das tausends

    Hier ist medizinisch nichts falsch gelaufen ... die Zeitachse ist Teil der Diagnose und wenn man die Publikation liest , ist dies ebenfalls klar: Infekte entwickeln sich exponentiell und dass sich ein Brustinfekt bei einer Wettkampfsvhwimmerin ausdehnt ist nciht alltäglich könnte aber kausal eher zugrunde liegen. Ob sie nach dem erster ER Besuch weiterschwamm stand leider nicht. Warum müssen die Medien immer suggerieren dass Ärzte IMMER alles falsch machen. Übrigens heißt es Notfall nciht Notaufnahme in der Schweiz.