Müllentsorgung

16. Juni 2011 19:31; Akt: 16.06.2011 19:38 Print

Kleine Maden mit grossem Appetit

von Corinne Hodel - Fliegenmaden vertilgen in kurzer Zeit riesige Mengen organischen Abfalls. Sie könnten helfen, das Müllproblem in Entwicklungsländern zu reduzieren.

storybild

4500 Maden gegen 1 Hamburger: Der Kampf beginnt und nach fünf Stunden ist er entschieden. (Stefan Diener)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Hierzulande wird Abfall zumeist sachgemäss entsorgt. In Entwicklungsländern hingegen sind Recycling, kontrollierte Verbrennungen oder Deponien aus Kostengründen selten. Die Folgen sind riesige Abfallberge, die ein Hygieneproblem darstellen. Denn Insekten ernähren sich davon und verbreiten Krankheiten.

Eine Ausnahme ist die Schwarze Waffenfliege: Sobald das Tier geschlüpft ist, hört es auf zu fressen. Es kann also keine Krankheitserreger verbreiten, indem es vom Abfallberg auf den gedeckten Tisch fliegt. Die Maden der Waffenfliege hingegen sind äusserst gefrässig. Dies nutzt der Biologe Stefan Diener von der Eawag, dem Wasserforschungsinstitut der ETH. Er setzte in Costa Rica etwa 20 000 Fliegenmaden auf jeweils rund zehn Kilogramm Küchenabfall an. Dann ging das grosse Fressen los. Innerhalb eines Tages reduzierten die Tierchen den Müll um drei Viertel.

Nun möchte Stefan Diener aber noch einen Schritt weitergehen und die vollgefressenen Maden als Tierfutter verwenden. So würde Abfall zu einer wertvollen Ressource. Tatsächlich bestehen die Maden fast zur Hälfte aus nahrhaftem Eiweiss und wären damit bestens als Tierfutter geeignet. Doch sollen die Maden dereinst tatsächlich als Fischmehlersatz oder als Lebendfutter in der Fisch-, Schweine- oder Geflügelzucht zum Einsatz kommen, muss die Qualität einwandfrei sein. Es dürfen keine Krankheitserreger oder Gifte in die Nahrungskette gelangen. Deshalb hat Diener im Labor den Abfall mit giftigen Schwermetallen versetzt und den Abbau studiert. Resultat: Blei wird von den Maden abgebaut, Cadmium hingegen reichert sich in ihrem Körper an.

Um herauszufinden, wie die Maden im Abfallberg mit den Giftstoffen umgehen, plant der Forscher nun in Indonesien eine Pilotanlage. Sie soll nicht nur ein paar Kilogramm Abfall am Tag verwerten, sondern mehrere Tonnen.

Hier gehts zum Film