Larve zersetzt Müll

24. April 2017 18:46; Akt: 24.04.2017 21:40 Print

Kleine Raupe mit grossem Plastikhunger

Die Lieblingsspeise einer Motten-Larve könnte helfen, das globale Müllproblem in den Griff zu bekommen. Entdeckt hat das eine junge Italienerin in ihrer Freizeit – per Zufall.

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Schädlinge wie Motten sind dem Menschen oft ein Graus, stürzen sie sich doch mit Vorliebe auf edle Textilfasern in unseren Kleiderschränken oder Lebensmittelvorräte in der Küche. Eine Leibspeise der Larven der Grossen Wachsmotte könnten sich dem Menschen allerdings als nützlich erweisen.

Der Grund: Sie fressen den wohl am häufigsten verwendeten und biologisch kaum abbaubaren Kunststoff Polyethylen (PE), wie spanische Forschende im Fachmagazin «Current Biology» schreiben. Wegen der hohen Zersetzungsgeschwindigkeit habe der Fund «Potenzial für bedeutende biotechnologische Anwendungen».

92 Milligramm in 12 Stunden

Die Entdeckung gelang durch einen Zufall. «Ich beschäftige mich beruflich mit Hühnerembryos, bin aber Hobby-Bienenzüchterin», sagte Federica Bertocchini, die an der Studie beteiligt war. Bei der Säuberung eines Bienenstocks habe sie zu Hause im nordspanischen Santander, wo sie an der Universidad de Cantabria arbeitet, plötzlich «diese Würmchen» entdeckt, «die sich von Pollenresten ernähren und für uns Imker wie die Pest sind.» Die Italienerin warf die Larven in einen Plastiksack. Und siehe da: «Nach einer Weile war der Beutel voller Löcher und die Larven draussen!»

Diese Beobachtung setzte die Forschungsarbeit der Wissenschaftlerin und ihrer Kollegen in Gange. Dabei fanden sie heraus, dass rund 100 Wachsmotten-Larven in 12 Stunden etwa 92 Milligramm einer normalen Einkaufstüte fressen können. «Das ist ein sehr schneller Abbau, schneller als alles, was zu diesem Thema bisher wissenschaftlich veröffentlicht wurde», sagte Bertocchini.

«Wir vermuten, dass für diese schnelle Zersetzung ein Molekül oder Enzym verantwortlich ist, das wir zu isolieren versuchen werden.» Dieses Enzym könne man dann in grossen Umfang produzieren und es nutzen, um Plastikmüll abzubauen, hofft die junge Wissenschaftlerin.

Nicht der erste Plastikfresser

Auch andere Organismen wie Pilze oder Bakterien sind bekannt dafür, dass sie Kunststoffe abbauen können. Erst voriges Jahr wurde am japanischen Kyoto Institute of Technology ein Bakterium namens Ideonella sakaiensis entdeckt, das PET-Flaschen verdauen kann.

Doch wie andere zuvor entdeckte «Plastikfresser» ist auch Ideonella weit davon entfernt, eine Lösung für das globale Problem mit dem Plastikmüll zu liefern. Unter optimalen Bedingungen und bei Temperaturen um die 30 Grad Celsius braucht es etwa sechs Wochen, um ein kleines Stück Polyethylenterephthalat (PET) zu zersetzen.

Hoffnung auf Lösung

Da ist die Wachsmotten-Raupe beim Abbau von PE deutlich schneller. Dieses aus Erdöl hergestellte synthetische Polymer werde vor allem zur Herstellung von weltweit rund einer Billion Säcken pro Jahr benutzt, die insgesamt rund 60 Millionen Tonnen Plastik entsprächen, erklärt Bertocchini.

Plastik ist biologisch kaum abbaubar. Die Zersetzung kann mehrere Jahrhunderte dauern. Der Plastikmüll landet häufig in der Umwelt. Im Meer wird der Abfall von Fischen oder von Vögeln gefressen, die oft qualvoll an dem unverdaulichen Stoff verenden.

(jdr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Untertanin am 24.04.2017 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Aufgepasst!

    Wenn diese Raupe auch noch schwimmen lernt, kann sie schnell mal die Weltherrschaft übernehmen - an Nahrung wird es ihr offensichtlich nicht mangeln. Also: Abfall trotzdem artgerecht entsorgen, bitte!

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  • Pascal am 24.04.2017 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    Nahrungskette

    Entscheidend wird sein, ob es Mikroben im Meer schaffen, Plastik zu zersetzen. Wenn nicht, haben wir krebserregende Kunststoffmoleküle unwiderruflich in der gesamten Nahrungskette. Wenn ja, hat die Menschheit wieder mal mehr Glück als Verstand gehabt.

  • maxeuc am 24.04.2017 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffnung

    Na dann hoffen wir mal

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Grobo am 25.04.2017 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    Bienen

    Diese Raupen schädigen unseren Bienen! Sie sollten nicht gezüchtet werden um unser Plastikproblem los zu werden (und wenn nur in einem verschlossenen Raum!).

  • Res Brügger am 25.04.2017 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warnung vor Experimenten

    Insekten überleben uns allemal. Die Larve beaucht aber auch Feinde, sonst ist es wie in Australien mut den Riesenfröschen usw

    • Sandra am 25.04.2017 13:44 Report Diesen Beitrag melden

      in Verbrennungsanlagen entsorgen

      Brügger,denn Plastikmüll einsammeln(Soll ja sogenannte Plastikinseln geben im Pazifik) und danach in Verbrennungsanlagen einsorgen.

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  • Typhoeus am 24.04.2017 23:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mottenmaden ein Hochgenuss

    Eigentlich genial. Mit dem richtigen Zusatzgewürz oder mariniert dürften die Mottenmaden super schmecken.

  • Ichbineinebiene am 24.04.2017 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bienen

    Wollen wir mal nur hoffen, dass diese Raupe nicht soweit vermehrt wird damit sie die Waben unserer Bienen zerstören. Denn ohne Bienen hätten wir weitaus grössere Probleme, wobei ich natürlich nicht die Abfallproblematik gut reden will.

  • alice.gurini am 24.04.2017 21:43 Report Diesen Beitrag melden

    ab Hof

    ich Hoffe nicht uf die Raupe sondern das Geschickte Einkaufen und der Produzenten ?Kaufe Vieles ab Hof!