Wetterextreme

07. Oktober 2010 20:38; Akt: 07.10.2010 19:44 Print

Klimaforscher setzen auf die Hilfe von Laien

von Martina Huber - Russland brannte, der Monsun ertränkte Pakistan. Solche Extremereignisse wollen Klimaforscher besser verstehen. Dazu digitalisieren sie Daten, die in alten Büchern schlummern.

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Seit gut 100 Jahren im Einsatz: Wetterballons messen in der Höhe. (Bild: NOAA)

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Klimaforscher befürchten als Folge der Erderwärmung eine Zunahme extremer Wetterereignisse. Um Gesetzmässigkeiten in deren Entstehung und Ablauf zu erforschen, müssen die Wissenschaftler möglichst viele ähnliche Ereignisse vergleichen können. «Hier ist ein Blick in die Vergangenheit notwendig», sagt Stefan Brönnimann vom Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Uni Bern. Im Grunde gibt es Unmengen historischer Wetterdaten: Schon im 18. und 19. Jahrhundert begannen Meteorologen weltweit, mehrmals täglich Werte wie Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit zu messen. Nur: Für die Zeit vor 1950 sind diese Informationen grösstenteils in Büchern festgehalten, die über den Globus verstreut in Archiven verstauben.

Deshalb haben Brönnimann und seine Leute sowie weitere Forscherteams im Ausland schon zahlreiche Archive durchforstet und ausgewählte Messreihen digitalisiert, um damit ihre Klimamodelle zu füttern. Aber diese Wetteraufzeichnungen weltweit für den Computer aufzubereiten, ist eine immense Aufgabe. Zu gross, als dass die Forscher sie allein bewältigen könnten. Deshalb hofft Brönnimann jetzt auf die Unterstützung von Laien. Ab sofort können diese sich im Internet Fotos historischer Wetteraufzeichnungen anschauen und die darauf enthaltenen Messwerte in eine Tabelle eintragen. Jeder Datenausschnitt wird mehrmals digitalisiert – so können die Forscher Fehler aufspüren und schwer lesbare Zahlen nochmals selbst im Original anschauen.

Doch eine Schwierigkeit gibt es noch: Die Öffentlichkeit soll freien Zugang zu den digitalisierten Daten haben. Diese gehören aber dem Besitzer der Wetterstation, meist den nationalen Wetterdiensten und nicht den Betreibern der Datenbank. Das Problem ist noch nicht gelöst, aber Brönnimann ist zuversichtlich: «Mit den alten Daten kann niemand viel Geld verdienen. Für die Forschung sind sie aber extrem wertvoll.» Er hofft, dass die Wetterdienste dies einsehen.