85 Prozent Männchen

03. April 2013 15:04; Akt: 03.04.2013 15:05 Print

Klimawandel macht Äschen zu schaffen

Es gibt immer weniger Äschen-Weibchen: Weil das Wasser in den Schweizer Flüssen immer wärmer wird, verschiebt sich das Verhältnis zwischen den Geschlechtern massiv.

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Die Äschenbestände in unseren Flüssen leiden unter dem Klimawandel. Die Erwärmung des Wassers um durchschnittlich 1,5 Grad seit den 1970er-Jahren hat das Geschlechterverhältnis verändert: Heute beträgt der Anteil der Männchen bis zu 85 Prozent.

Die Äsche sei als Flussfisch direkt dem Klimawandel ausgesetzt, heisst es in der vom Kanton Bern in Zusammenarbeit mit der Universität Lausanne erarbeiteten Studie. Bereits die Laichzeit habe sich in der Aare bei Thun BE parallel zum Klimawandel etwa dreieinhalb Wochen nach vorne verschoben.

Für die Studie wurde neben Laborexperimenten und statistischen Modellen auch eine Freilandstudie vorgenommen. Dabei wurden 15'000 Äschen im ersten Sommer vergleichsweise kühl in Gefangenschaft gehalten und danach markiert ausgesetzt.

Fünf Jahre später zeigte sich, dass der Anteil der Männchen bei den markierten Fischen tief geblieben war. Anders erging es den Äschen, die von Anfang an in freien Gewässern gelebt hatten. Bei ihnen stieg der Anteil Männchen von rund 65 auf etwa 85 Prozent.

Die Studie zeigt nun, dass die Abnahme der Population auf eine erhöhte Sterblichkeit der Weibchen zurückzuführen ist, wie Manuel Pompini von der Universität Lausanne am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Weibchen leiden stärker unter Klimawandel

Die Studie untersuchte auch, ob mehr Männchen produziert werden oder ob Temperatur und Wasserchemie die Geschlechter derart beeinflussen, dass es zu Geschlechtsumwandlungen kommt. Dies wurde bei anderen Fischarten bereits nachgewiesen. Bei den Äschen konnten diese beiden Möglichkeiten jedoch ausgeschlossen werden.

Für den Schwund des Äschenbestandes ist eine erhöhte Sterblichkeit der Weibchen verantwortlich. Diese scheinen – besonders im ersten Sommer – unter den wärmeren Bedingungen stärker zu leiden als die Männchen.

Die Ursache dafür steht noch nicht fest und soll in einem Folgeprojekt untersucht werden. Als Hauptverdächtige gelten infektiöse Krankheiten, die bei erhöhten Temperaturen virulenter sind und die Geschlechter unterschiedlich stark beeinträchtigen können. Derartige Keime sind in der Gegend um Thun bereits gefunden worden.

Video: Laichfischfang, Aufzucht und Besatz der Äsche im Kanton Bern (Fischereiinspektorat des Kantons Bern)

(Quelle: Youtube/Kanton Bern)

Video: Äsche

(Quelle: Youtube/GPVNaturfilm)

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dagobert Meteo am 03.04.2013 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ui ui ui....

    Der Klimawandel....klar. Dieses Jahr hat es sicher wieder mehr Weibchen. Bei dem kalten Wetter muss das ja so sein.

  • Abalon am 03.04.2013 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Warme Luft

    So so, das Wasser wird immer wärmer. Wahrscheinlich ist das Waldsterben schuld oder ev sogar die Vogelgrippe.

  • Dorli am 04.04.2013 06:44 Report Diesen Beitrag melden

    Verdrängung

    Die Flüsse werden auch von den AKWs erwärmt, aber das kann man ja ruhig verdrängen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jakob Bühler am 04.04.2013 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Wärmer?

    Wo und wann wird es wärmer?

    • C. Wedekind am 06.04.2013 12:45 Report Diesen Beitrag melden

      Antwort des Studienleiters, Uni Lausanne

      Die untersuchte Population laicht in der Aare in der Stadt Thun ab. Seit 1970 wird dort die Wassertemperatur fortlaufend vom Bundesamt für Umwelt gemessen. Die mittleren Wassertemperaturen haben seit 1970 im Mittel um etwa 1.5° zugenommen.

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  • Dorli am 04.04.2013 06:44 Report Diesen Beitrag melden

    Verdrängung

    Die Flüsse werden auch von den AKWs erwärmt, aber das kann man ja ruhig verdrängen.

    • C. Wedekind am 06.04.2013 12:45 Report Diesen Beitrag melden

      Antwort des Studienleiters, Uni Lausanne

      AKWs könnten durchaus Effekte des Klimawandels noch verstärken. Die untersuchte Population wird aber nicht direkt durch AKWs beeinträchtigt.

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  • GDMSCH am 03.04.2013 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Super - Klimaerwährmung

    Super, dass man endlich auch für dieses Problem die Antwort gefunden hat. Vor vierzig Jahren war die Aare zwischen Bern und Thun eines der fischreichsten Gewässer in der Schweiz. Heute weist sie praktisch Trinwasserqualität auf, wurde an verschiedenen Stellen "renaturiert". Dafür gibt es immer weniger Fische, nicht nur die Äschen sind davon betroffen! Aber jetzt ist ja alles klar- Klimaerwährmung.

    • C. Wedekind am 06.04.2013 12:45 Report Diesen Beitrag melden

      Antwort des Studienleiters, Uni Lausanne

      Nein, es ist leider noch nicht alles klar. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Rückgang der Fische in der Aare und in anderen Schweizer Flüssen nicht einzig der Klimaerwärmung zuzurechnen ist.

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  • Ökologe am 03.04.2013 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Klimawandel/-erwärmung?

    Liebe Leute, glaubt doch an den Storch, den lieben Gott und an die Desinformation der Oel- und Gasmultis! Man kann es sich auch sehr einfach machen, um ja nichts am eigenen Verhalten zu ändern oder sich ein schlechtes Gewissen zu machen. Klimawandel ist wissenschaftlich erwiesen - ebenso die globale Klimaerwärmung! Die Auswirkungen können jedoch mit keinen Modellen/Grossrechnern genau vorausgesagt werden - es hängen dafür schlicht zu viele Faktoren zusammen. Aber über Fakten der Vergangenheit muss nicht gestritten werden - ebenso wenig wie darüber, dass die Polkappen wegschmelzen...

  • Martin Truth am 03.04.2013 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Aha.. Klimawandel

    Was soll das? Welcher Klimawandel? Wann werden die Leute begreifen, dass es sich beim "Klimawandel" um eine der grössten Lügen in der heutigen Zeit handelt? Wo sind die ganzen Autos hin, welche das Klima beeinflusst haben als die Eiszeit zu ende ging?

    • Thomas am 03.04.2013 17:01 Report Diesen Beitrag melden

      "Klimawandel" is still running!

      Das Klima wird sich immer wandeln. Nur die Auswirkungen auf den Menschen sind viel gravierender als vor einigen tausend Jahren. Das Klima wird unter dem Einfluss des Menschen signifikant beeinflusst. Dazu gibt es genug anerkannte wissenschaftliche Untersuchungen die nicht nur von irgendwelchen Panikmachern durchgeführt wurden. Um das zu verstehen, sollte man allerdings über eine gewisse Intelligenz verfügen und nicht irgendwelchen Verschwörungstheorien hinterherlaufen.

    • Sonja am 04.04.2013 16:07 Report Diesen Beitrag melden

      in addition to Thomas

      Schön zusammengefasst, Thomas. Leider definieren heutzutage viele Leute ihren Horizont mit einem Radius von 0...

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