Lackporling und Zunderschwamm

09. Oktober 2018 19:25; Akt: 09.10.2018 19:25 Print

Setzen Pilze dem Bienensterben ein Ende?

Zwei Viren-Arten sind für das weltweite Bienensterben mitverantwortlich. Gegen sie ist nun ein Gegenmittel gefunden. Jetzt fehlen nur noch Produktionsverfahren.

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Ohne Bienen wäre die Welt eine andere. So würden etwa rund Umso beunruhigender ist deshalb die Tatsache, dass weltweit die Bestände eingebrochen sind. Ganze Bienenvölker starben. Eine Mitschuld trägt die Varroamilbe. Und zwar nicht nur, weil die Milbe den Tieren durch Aussaugen zusetzt. (Im Bild: Varroamilben auf einer Bienenpuppe) Sie überträgt auch zwei für Bienen gefährliche Viren: das Lake-Sinai- und das Flügeldeformationsvirus, kurz DWV, gegen die es bisher kein Mittel gab. (Im Bild: Eine mit DWV infizierte Biene mit verstümmelten Flügeln) Doch nun ist ein Gegenmittel gefunden worden, wie Forscher der Washington State University im Fachjournal «Scientific Reports» berichten. (Im Bild: Ein Wissenschaftler beim Einsammeln der Testtiere) Das Team um Steven Sheppard wies nach, dass Extrakte von Pilzen aus der Gattung der Zunderschwämme (Fomes) ... ... und der Lackporlinge (Ganoderma) Bienen vor den Viren schützen, wobei der Effekt abhängig von der Dosis ist. Offen ist allerdings noch, «ob das Extrakt das Immunsystem der Bienen stärkt oder die Viren bekämpft», so Sheppard. (Im Bild: ein Flacher Lackporling) Bis das Mittel von Imkern eingesetzt werden kann, wird es jedoch noch einige Zeit dauern. Es gebe schlichtweg noch zu wenig Pilzmaterial, so die Wissenschaftler. Zunderschwämme und Lackporlinge seien nicht so einfach zu züchten. Aber man sei bereits daran, die Produktion zu erhöhen. Sollte das gelingen, dürfte das den Sinkflug der Honigbienen hoffentlich aufhalten.

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Den Bienen geht es schlecht. Bienenvölker auf der ganzen Welt sind geschwächt und sterben in einem teilweise dramatischen Ausmass ab. Neben dem Unkrautkiller Glyphosat, der die Tiere laut neusten Erkenntnissen indirekt schädigt, tragen auch Infektionen zur Dezimierung der Tiere bei.

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Besonders das Flügeldeformationsvirus und das sogenannte Lake-Sinai-Virus setzen den Beständen zu. Beide werden von der Varroamilbe übertragen, die selbst auch die Bienen schädigt: Wenn die Milbe die Larven befällt, bleiben die ausgeschlüpften Bienen um etwa einen Zehntel kleiner als gesunde Tiere und leben deutlich weniger lang. Zudem kehren sie häufig nicht in den Stock zurück.

Überträger und Krankheit bekämpfen

Bisher versuchte man dem Bienensterben durch Bekämpfung der Milben etwas entgegenzusetzen. Doch künftig könnten auch die Virusinfektionen selbst eingedämmt werden, wie Forscher um Steven Sheppard von der Washington State University im Fachjournal «Scientific Reports» schreiben.

Sie hatten beobachtet, dass Bienen immer wieder bestimmte Pilze anflogen und sich an diesen labten. Das liess sie vermuten, dass die Schwämme irgendetwas an sich haben müssen, das den Insekten gut tut. Eine Art Bienen-Medizin also, wie es in einer Mitteilung heisst. Möglicherweise sogar eine, die die Tiere gegen das Flügeldeformations- und das Lake-Sinai-Virus schützt.

Offene Fragen und eine Herausforderung

Deshalb verabreichten sie Testvölkern unterschiedlich dosierte Extrakte von Pilzen aus der Gattung der Zunderschwämme (Fomes) und der Lackporlinge (Ganoderma) mit einer Zuckerlösung. Die Tiere in der Kontrollgruppe bekamen lediglich den Sirup.

Nach 12 Tagen zeigte sich, dass Sheppard und seine Kollegen mit ihrer Vermutung richtig lagen: Die Pilzextrakte schützen die Bienen tatsächlich vor den Viren, wobei der Effekt abhängig von der Dosis ist. Offen ist allerdings noch, «ob das Extrakt das Immunsystem der Bienen stärkt oder die Viren bekämpft», so Sheppard. Das müssten weitere Untersuchungen zeigen.

Bis das Mittel von Imkern eingesetzt werden kann, wird es jedoch noch einige Zeit dauern. Es gebe schlichtweg noch zu wenig Pilzmaterial, so die Wissenschaftler. Zunderschwämme und Lackporlinge seien nicht so einfach zu züchten. Aber man sei bereits daran, die Produktion zu erhöhen.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rettet die Bienen am 09.10.2018 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Auch Veganer müssen uns unterstützen

    Ohne Bienen gibt es viel weniger leckere Früchte und Gemüse. Wir müssen unbedingt handeln. Unterstützt die lokalen Imker. Danke.

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  • cuoco am 09.10.2018 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben und leben lassen

    ... Wie schön könnte es doch sein, wenn man all das Potenzial in der Natur nutzen würde und der Mensch und die Natur im Zentrum stehen würde und nicht der Egoismus und Gier...

  • Monika Gamper am 09.10.2018 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Bücherskorpione!

    Das beste und umweltfreundlichste Mittel gegen Varroamilben sind Bücherskorpione. Durch die ganze Chemie und Pestizide in den Bienenstöcken wurden sie vernichtet. Nicht alles, was für den Menschen unnütz scheint ist es auch!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bräzzeli am 10.10.2018 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Imker und das Bienensterben

    Fest steht hingegen, dass die unzähligen Zide mitspielen, die die chemische Industrie zum Schutz der Agrikultur ersonnen hat, etwa die Beizmittel (Neonicotinoide), auf die derzeit alle so aufgeregt deuten. Sie schwächen Bienengehirne, viele Experimente haben es gezeigt. Gehirnschäden durch viele Zide aber exakt die gleichen Schäden richten die Akarizide an. Sie werden von den Imkern selbst gespritzt, in die Stöcke hinein, sie bekämpfen damit die Varroa destructor. Aber sie bringen das Gehirn genauso durcheinander wie die Neonicotinoide. Die Bienen schwärmen zum Futterholen aus, aber finden nicht mehr zurück, sie verlieren die Orientierung. Aber den dritten und heftigsten Schlag versetzen die Imker den Bienen selbst, indem sie ihre Vorräte stehlen und den Honig durch (billigere) Zuckerlösungen ersetzen, damit schwächen sie das Immunsysteme ihrer Völker.

    • Der Imker am 11.10.2018 10:08 Report Diesen Beitrag melden

      Arme Bienen

      Hallo Bräzzeli, einfach drauflosplappern was man mal gehört hat, so verbreitet man Unwahrheiten. Im ersten Teil gebe ich Dir recht, der zweite Teil Deiner Aussage ist völliger Müll und ich hoffe das Du keine Bienen hältst. Gegen die Varoa werden nur mit zugelassenen Säuren verwändet und keine Akarizide wie zur konventionellen Milben Bekämpfung. Besuch mal Deinen lokalen Imker. Auch völliges abernten von Honig macht keinen Sinn.

    • Imkerin am 11.10.2018 11:24 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Imker spritzt Akarizide

      Diese können sich im Honig ablagern, kein Imker will sowas in seinem Honig haben. Abgesehen davon sind Akarizide für Bienen in der Schweiz verboten. Erlaubt und bedenkenlos sind organische Säuren wie Ameisensäure und Oxalsäure

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  • P.S. am 10.10.2018 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aha

    glyposat, der Bund will doch da die Grenzwerte nach oben schieben, hier geht es wohl nicht um die Gesundheit von Mensch und Tier!

    • bienenfreund am 10.10.2018 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @P.S.

      glyphosat hat rein gar nichts mit insektensterben zu tun. lieber sich informieren als einfach nachschwatzen.....

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  • Teutates am 10.10.2018 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Na sowas aber auch! Gegen die Varoamilbe

    gibt es schon länger das biologische Produkt: VATOREX. Bitte mal googeln.

  • sCHwizerin am 10.10.2018 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Milben bekämpfen

    In England wird die Varroa-Milbe mit simplem Puderzucker bekämpft. Die Rahmen werden bepudert und die Bienen reinigen sich gegenseitig, da die Varroa vom Zucker behindert wird, fallen sie von selbst oder die Bienen entfernen sie beim Putzen. Es gibt ausreichend Belege, dass dies wirkt. Sientyficbeekeeping und andere britische Imkerseiten aufrufen.

    • Chris am 10.10.2018 15:17 Report Diesen Beitrag melden

      Prinzip nicht verstanden

      Die Puderzuckermethode gibt es, aber die dient zum ZÄHLEN der Milben ^^ Ansonsten wäre es ja nett, wenn man die Varroen mit Puderzucker loswerden könnte.

    • Again am 11.10.2018 08:14 Report Diesen Beitrag melden

      Doch

      Bei regelmässigem Pudern gehen die Counts gegen null, Ziel erreicht

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  • Stefan am 10.10.2018 05:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mensch ist gut wenn er die Natur beobachtet

    um die Bienen zu retten kann. Das ist eine sehr interessante Studie, ja die Bienen wissen genau was Ihnen gut tut. Das wäre schön wenn Bienen, zum Mensch Ihres Problem kommunizieren könnten. Finde es gut das man dies jetzt noch zusätzlich erfahren hat, das Pilze vom Zunderschwämme und Lackporlinge für die Bienen eine gute Wirkung haben. Das dessen Effekt vom Virus Befall der Maroa Milbe zusätzlich beseitigen kann. Wünsche das aller beste für unsere Biene und zusätzlich das der Mensch diese Seuche bekämpfen kann.