Gar nicht herzig

15. Januar 2019 09:44; Akt: 15.01.2019 09:44 Print

Kohlmeisen töten Vögel und fressen deren Gehirn

Tödliche Konflikte zwischen Kohlmeisen und Trauerschnäppern nehmen zu. Forscher nennen den Klimawandel als möglichen Grund.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Jeden Frühling nehmen die Trauerschnäpper den langen Weg vom tropischen Afrika nach Nord- und Mitteleuropa auf sich, um hier ihren Nachwuchs auszubrüten. Dabei sind sie für ihre Nester auf Baumhöhlen oder Nistkästen angewiesen. Genauso wie die Kohlmeisen. Kommt es zum Streit um einen Nistplatz, vertreiben Meisen die Trauerschnäpper oft nicht nur, sie töten sie und verspeisen deren Gehirn.

Umfrage
Füttern Sie im Winter Vögel?

Während dieses Verhalten der Kohlmeisen an sich nichts Neues ist, tritt es in den letzten Jahren häufiger auf. Dies berichtet der Biologe Jelmer Samplonius, der für seine Doktorarbeit an der Universität Groningen das Verhalten der Vögel studiert hat.

Sein Team fand in von Kohlmeisen belegten Nistkästen vermehrt tote Trauerschnäpper-Männchen. In manchen Jahren traf es fast jedes zehnte dieser Männchen. Ein Grund könnte die Klimaerwärmung sein, schreibt er im Fachblatt «Current Biology». Sie könnte für eine Verschiebung des Vogelzugs und der Nistzeiten verantwortlich sein.

Vorgezogene Migration

Üblicherweise brüten Meisen ihre Eier zwei Wochen vor den Trauerschnäppern aus. Inzwischen wird es aber in vielen Jahren deutlich früher warm, wodurch auch Insekten, die die Hauptnahrung der Trauerschnäpper bilden, früher auftreten. Die Trauerschnäpper haben ihre Migration deshalb in den letzten Jahren vorverschoben. In Jahren mit kalten Frühlingen, wenn die Kohlmeisen später zu brüten beginnen, kann es dann zum fatalen Aufeinandertreffen der beiden Vogelarten kommen.

Beobachtet wurde das Verhalten der Vögel in den niederländischen Waldgebieten Dwingelderveld und Drents-Friese Wold. Während Trauerschnäpper in der Luft agiler als Kohlmeisen sind und Luftkämpfe manchmal sogar gewinnen können, haben sie innerhalb einer Baumhöhle oder eines Nistkastens keine Chance. Kohlmeisen haben laut Samplonius sehr starke Krallen, packen die Trauerschnäpper und hacken auf deren Hinterköpfe ein, immer an derselben Stelle. Dass sie anschliessend das Gehirn verspeisen, ist nicht weiter verwunderlich, da es sehr nährstoffreich ist und Meisen dafür bekannt sind, dass sie auch Fleisch mögen.

Bestand nicht gefährdet

Trotz dieser Konflikte fanden die Forscher aber keinen Rückgang der Trauerschnäpper-Population. Denn die Kohlmeisen erwischten meist schwächere Männchen, die wohl auch ohne Zutun der Meisen keinen Nachwuchs gezeugt hätten. Auch in der Schweiz kommen Kohlmeisen und Trauerschnäpper nebeneinander vor. Wie in den Niederlanden besteht auch hier kein Grund zur Sorge: «Der Schweizer Bestand des Trauerschnäppers ist stabil», erklärt Livio Rey, Biologe und Mediensprecher der Vogelwarte Sempach.

Für Samplonius zeigt die Studie aber zumindest eines deutlich. Dass es unerlässlich ist, die Veränderungen im Zeitplan verschiedener Tiere aufgrund des Klimawandels weiter zu studieren. Inklusive der – möglicherweise – tödlichen Konsequenzen.

(jcg)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinz. am 15.01.2019 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Agression unter Menschen

    Nehmen auch drastisch zu.

    einklappen einklappen
  • Claudia am 15.01.2019 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Gift

    der arme Klimawandel für was muss der auch alles herhalten. Es gibt immer weniger Insekten. Die werden Vergiftet durch all das Gift welches auf die Felder und Hobbygärtner kommt. Früher musste nach jedem Fährtli die Autoscheibe gereinigt werden. 2018/19 nichts. Die Handystrahlung ist auch nicht unschuldig, redet mit Imkern

    einklappen einklappen
  • Carrie am 15.01.2019 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Ich kann es nicht mehr hören

    Für was soll denn der Klimawandel sonst noch alles verantwortlich sein? Die sogenannten Forscher finden wohl auch noch einen Grund dafür, dass der Klimawandel für die Verschiebung des Erdmagnetfeldes verantwortlich sein soll. Nur zu, die Glaubwürdigkeit schwindet immer mehr.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Armin am 16.01.2019 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    zunehmend Hohlköppe auf Erden

    Zum Glück sind die Kohlmeisen nicht auf den Inhalt der Köpfe der Menschen scharf.... Sie würden wohl verhungern ob der Leere, auf welche sie bei etlichen der Unsrigen stossen würden. Und für die Ignoranten, welche noch nicht begriffen haben, dass der Klimakollaps und das sechste Massensterben der Erdgeschichte schon lange begonnen haben und sich wohl kaum ändern lassen wird und das womöglich sehr wohl zusammenhängt: Schaut und lest doch mal etwas anderes, als Dschungelcamp, dumme Teeniemütter, 300 kg fette Jugendliche und ähnlichen Schrott.

  • Carlos Hugas am 15.01.2019 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wissenschafter - naja

    Der Klimawandel ist eine mögliche Ursache? Diese Forscher sind sowas von nutzlos. Beziehen jahrelang Steuergelder, und am Schluss wissen sie dann doch nicht Bescheid. Die Meinung wäre eigentlich, dass man am Schluss die Ursache sonnenklar bestimmt. Und nicht, dass man irgendwas für möglich hält.

    • Mr Nice Guy am 15.01.2019 14:36 Report Diesen Beitrag melden

      Forschung ist halt komplex

      Ja Wissenschaft und Forschung ist für einige kaum nachvollziehbar!! Wir sind noch lange nicht allwissend und es gibt vieles das wir noch erforschen müssen, somit ist es logisch, dass renommierte Wissenschaftler auch immer wieder sagen müssen "das wissen wir nicht", das ist ehrlich und korrekt!! Auch wenn das ein Laie nicht hören mag (man will ja immer hören: Ich weiss es) und denkt dann oft: Die haben doch keine Ahnung und kassieren nur Forschungsgelder...das könnte ich auch...

    einklappen einklappen
  • Marco am 15.01.2019 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    klimalüge?

    Irgendwie haben es Wissenschaftler geschafft die Trauerschnäpper zu überreden, eher nach Europa zu kommen. Wahrscheinlich mit den 75 % Insekten die hier nicht mehr da sind. Und alles nur damit wir armen Bürger glauben sollen das der Klimawandel existiert. Wo soll das noch enden?

    • Zyniker am 15.01.2019 14:19 Report Diesen Beitrag melden

      es gibt wichtigeres...

      Wir haben weit wichtigere Probleme, wenn ich ihren Kommentar lese muss ich sagen, wir müssen dringend in die Bildung investieren!!!

    einklappen einklappen
  • h und die eins am 15.01.2019 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    drastisch

    Ja, ja der Klimawandel sollte Schuld sein und wahrscheinlich noch Gott.

  • Studiengenerator am 15.01.2019 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Geld

    wenn bei irgendwelchen Studien nicht der Klimawandel als Ursache heraus kommt, gibts kein Geld dafür. Wie sollen denn sonst hohe Abgaben gerechtfertigt werden.

    • Scientist am 15.01.2019 13:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Studiengenerator

      Das Klima hat mehr Auswirkungen als nur auf das Wetter, ist das so schwer nachzuvollziehen?

    • Benno am 15.01.2019 14:14 Report Diesen Beitrag melden

      altes Vorurteil...leider falsch

      Wenn ein Wissenschaftler Geld will, erhält er nirgends mehr als in der Wirtschaft oder bei Think Thanks! Wieso sollte er sich mit Peanuts begnügen, wenn die Gegenseite Honigtöpfe bereitstellt?

    • B. Müller am 15.01.2019 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Scientist

      Vor allem hat es riesige Auswirkungen auf die Gehälter der Klimaforscher. Wir wollen doch nicht, dass diese armen Leute arbeitslos werden. Deshalb glaubt fleißig weiter.

    einklappen einklappen