Peruanische Ureinwohner

21. Juli 2014 17:12; Akt: 21.07.2014 17:12 Print

Kontaktaufnahme war ein Hilferuf

Bis vor wenigen Wochen lebte ein Stamm Indios vollkommen isoliert. Dann nahm er aus heiterem Himmel Kontakt mit der Zivilisation auf. Nun ist klar, warum.

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Mitte Juni suchten sieben Mitglieder des zurückgezogen lebenden Volkes den Kontakt zur Zivilisation. (Bild: Funai )

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18 Jahre – so lange ist es her, seit sich in Brasilien letztmals ein isoliert lebender Stamm von Ureinwohnern aus freien Stücken an Menschen aus der Zivilisation gewendet hat. Vor wenigen Wochen war es wieder so weit: Sieben Indigene traten am Oberlauf des Flusses Envira in der Grenzregion zwischen Brasilien und Peru aus dem Schutz des Dschungels hervor und näherten sich einer Gruppe von Forschernberichtete die brasilianische Behörde zum Schutz der indigenen Bevölkerung (Funai).

Dies, weil sie von illegalen Holzfällern und Drogenschmugglern gewaltsam aus ihrem angestammten Gebiet in Peru nach Brasilien gedrängt worden waren, wie Survival International am Montag mitteilte. Doch auch ohne das Zutun krimineller Elemente dürfte diese Bedrohung in Zukunft noch zunehmen. Denn die peruanische Regierung hat nicht nur 70 Prozent des Amazonas-Regenwaldes für Öl- und Erdgaserkundungen freigegeben, sondern auch grünes Licht für die Ausweitung des Camisea-Gasprojekts im Nahua-Nanti-Schutzgebiet für unkontaktierte Völker gegeben.

Schnelles Handeln ist gefragt

Beide Projekte bedrohen Lebensraum und Jagdgründe der indigenen Völker – sowie deren Gesundheit: Hunderte Arbeiter werden in ihre Gebiete kommen. Dadurch steigt einerseits das Risiko gewaltsamer Zusammenstösse, andererseits auch jenes tödlicher Krankheiten. Denn aufgrund ihrer Isolation haben die Indigenen keine Abwehrkräfte gegen in der Zivilisation gängige Erkrankungen entwickelt. So seien laut Survival International zwischen 1983 und 1985 mehr als 60 Prozent des bis dahin isoliert lebenden Nahua-Volkes von Krankheiten dahingerafft worden, nachdem es Kontakt mit der Aussenwelt aufgenommen hatte.

Selbst bei der kurzen Begegnung vor wenigen Wochen haben sich einige der sieben Ausgesandten mit Grippe angesteckt, wie Stephen Corry von Survival International weiss: «Es wäre ein Alptraum, wenn sie in ihre Dörfer zurückkehren und die Grippe in sich tragen.» Damit das nicht passiert, hat die brasilianische Regierung sofort nach der Kontaktaufnahme ein Ärzteteam in die Region geschickt. Zudem kündigte die Funai an, ihren Überwachungsposten am Envira-Fluss wieder zu eröffnen, der nach einem Angriff von Drogenschmugglern 2011 geschlossen worden war. Sollte es nicht gelingen, das Land der Ureinwohner zu schützen, könnten die Folgen fatal sein und möglicherweise bald der nächste Ureinwohner-Stamm aussterben.

(fee)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ayahuasca am 21.07.2014 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Traurige Welt...

    "70 Prozent des Amazonas-Regenwaldes für Öl- und Erdgaserkundungen freigegeben" mir kommen die Tränen wenn ich so was lese...

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  • Zeitgeist am 21.07.2014 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Mel Gibsons ....

    ....Apocalyptico in aktueller Zeit...... traurig.... diese Gier nach Geld und Macht ....

  • Illum am 21.07.2014 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Kapitalismus

    Und wie immer das gleiche Spiel sozial tun. Und hintenrum ausbeuten was geht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • beat müller am 29.07.2014 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    An der eigene Nase nehmen...

    Das Ergebnis der Abholzung des Regenwaldes bekommen wir hier nun zu spüren... die Niederschläge sind nur ein kleiner Vorgeschmack der Klimaerwärmung ... Und während die ganze Welt nach Osten schaut (Ukraine, Israel) wird in Südamerika alles plattgemacht und alle Umweltanstrengungen der zivilisierten Welt werden zunichte gemacht... Gleiches gilt für Japan mit seiner Fischerei, China mit seinem Minenabbau und Megastädten....

  • hans peru am 24.07.2014 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    nicht vergessen

    vergesst nicht wer ihnen das vormacht mit dem öl und gas. Die erste Welt war vorreiter mit dem öl und gas abbau und der daraus resultierenden umweltverschmutzung! Wir können Ihnen nun kein vorwurf machen wenn sie uns gleichtun... was heisst, dass schon bald der urwald daran glauben muss. der mensch ist zu giirig, schon bald werden wir alles zerstört haben... schade um die tolle welt...

  • Thomas Germann am 24.07.2014 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig seid Ihr...ALLE

    Alle die sich hier jetzt ganz Erstweltmässig aufregen und empören sind die Ersten die heulen wenn der HDTV/ das Homecinema nicht läuft, die Kaffeemaschine morgens keinen Kaffe ausspuckt oder der Fahrstuhl nicht funktioniert. Ganz zu schweigen davon dass Züge nicht fahren / Verkehrsanlagen nicht funktionieren. Mal ganz ehrlich, wie viele von euch scheinheiligen Luxusnörglern könnte auch nur einen Tag ohne die Infrastruktur leben, welche uns eben so gewonnene Ressourcen ermögliche? Kein Prozent..!!!

    • Anti Social am 29.07.2014 08:30 Report Diesen Beitrag melden

      ...DU aber auch!!

      Haben wir den eine andere Wahl? Man kann nicht einfach so aussteigen! Alles gehört Väterchen Staat, und der schaut genau, dass dies ja nicht möglich ist! Ich kann nicht einfach in den CH-Wald gehen und ein Häuschen bauen. Oder sollen wir unter Brücken oder in Höhlen wohnen? Ausserdem wie hast DU denn diese Nachricht verfasst? Hast du keinen PC, Tablet oder Handy dafür verwendet? Das Problem ist wohl etwas komplexer als Du es darstellst. Die Welt ist nicht bloss Schwarz und Weis!!

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  • Radikk am 23.07.2014 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    mögliche Chance

    Wenn wir von heute auf morgen keine weiteren hungrigen Mäuler produzieren, dann könnten wir die Welt noch retten. Aber offenbar geben sich augerechnet die finanziell schwächsten und bildungsfernsten am meisten mühe das dieser Trend nicht nur so bleibt sondern no ansteigt.

  • Ursula feuz am 22.07.2014 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    Soviel zum Thema

    UNd bei uns machen sie in riesen tra tram von wegen umweltschutz und noch mehr abgaben usw...Einfach lächerlich, lustig ist, dass man komischerweise auch nciht viel über solches in den Mainstream medien list...! ach ja die bringen ja auch nur das was ihnen vorgesetzt wird!! Da kommt mir das K*** ..geld macht und gier ....