Ur-Skelett gefunden

18. März 2014 18:24; Akt: 19.03.2014 14:15 Print

Krebs ist keine Erkrankung der Moderne

Bisher galt Krebs als eine Erkrankung der Neuzeit. Jetzt haben Forscher ein Skelett aus der Zeit vor Christus entdeckt, das deutliche Spuren eines Tumors aufweist.

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Im Sudan haben Archäologen ein mehr als 3200 Jahre altes Skelett entdeckt, das von Krebs-Metastasen befallen war. Es sind die ältesten bekannten Überreste eines Menschen, welche Spuren der Krankheit aufweisen, berichten die Forscher im Fachmagazin «PLOS One».

Die Knochen stammen von einem Mann, der im Alter von 25 bis 35 verstorben ist. Entdeckt hatte sie die österreichische Forscherin Michaela Binder von der Durham University vor einem Jahr in einem Grab in Amara, rund 750 Kilometer südlich der sudanesischen Hauptstadt Khartum.

Weitere Untersuchungen notwenig

Röntgenaufnahmen und Analysen mit dem Rasterelektronenmikroskop, die Binder gemeinsam mit Forschern des British Museum durchgeführt hatte, ergaben, dass das vorchristliche Krebsopfer von Metastasen durchzogen gewesen sei. Dies ginge aus den Knochenverletzungen hervor, die nur von Krebs verursacht worden sein könnten. Spuren der Erkrankung fanden die Wissenschaftler auf den Schlüsselbeinen, den Schulterblättern, den Halswirbeln, Armen, Rippen sowie auf den Hüft- und Beckenknochen.

Ob der Mann tatsächlich an Krebs gestorben ist oder einem anderen Leiden erlag, ist noch ungewiss. Auch der Auslöser der Erkrankung ist noch unklar. Möglich sei etwa, dass Rauch von Holzfeuern oder eine Infektionskrankheit den Krebs ausgelöst hätten, so Binder. Aber auch genetische Faktoren könnten eine Rolle gespielt haben, teilt die Hochschule mit.

Geschichte hilft Moderne zu verstehen

Heute ist Krebs eine der häufigsten Todesursachen. Doch in archäologischen Funden ist die Krankheit äusserst selten nachzuweisen. Deswegen ist die Wissenschaft bislang davon ausgegangen, dass Krebs in erster Linie auf die zeitgenössische Lebensweise und die höhere Lebenserwartung zurückzuführen ist.

Der Fund könnte helfen, die bislang nahezu unbekannte Geschichte der Krebserkrankungen zu verstehen. «Abgesehen von einigen textlichen Referenzen und einer kleinen Anzahl von Skeletten, ist bisher nur sehr wenig über die Epidemiologie und die frühe Entwicklung von Krebs bekannt», sagt Michaela Binder. «Funde wie dieser können uns helfen, heutige Krankheiten zu verstehen.»

(fee/sda)