Gezüchtetes Genital

11. April 2014 18:00; Akt: 11.04.2014 14:15 Print

Labor-Vagina genauso gut wie Natur-Scheide

Gezüchtete Scheiden funktionieren ebenso gut wie natürliche, sagen Forscher. Die Empfängerinnen zeigen sich äusserst zufrieden.

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Acht Jahre nachdem Forscher die künstlichen Vaginen eingesetzt hatten, waren sie strukturell und funktionell normal. (Symbolbild: Keystone)

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Was Basler Forschern mit Nasenflügeln gelang, haben amerikanische und mexikanische Kollegen mit einem anderen Körperteil realisieren können. Sie züchteten aus vaginalem Gewebe einen Scheiden-Ersatz. Diesen implantierten sie jeweils vier Frauen, die wegen einer angeborenen Fehlbildung eine unterentwickelte oder gar keine Vagina besassen.

Acht Jahre nach der Transplantation funktionierten die Organe wie natürliches Gewebe, berichtet das Team um Anthony Atala vom Wake Forest Baptist Medical Center im Fachjournal «The Lancet». Alle Empfängerinnen waren sexuell aktiv, berichteten über keine Schmerzen und waren mit ihrem Lustempfinden, der Befeuchtung und den Orgasmen zufrieden.

Mehrere potenzielle Empfängerinnen

Die Forschenden hatten den Frauen im Alter von 13 bis 18 Jahren vaginales Gewebe entnommen und daraus glatte Muskel- und Scheidegewebezellen wachsen lassen. Diese brachten sie auf ein Gerüst in Form einer Vagina auf und liessen es für sieben Tage wachsen. Die gezüchteten Scheiden wurden dann den Frauen eingesetzt. Sie seien acht Jahre danach strukturell und funktionell normal, erklärten die Forschenden.

Die vier Frauen leiden am Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom, einem Geburtsdefekt, bei dem keine oder nur eine unvollständige Scheide gebildet wird. Betroffenen Frauen wird meist ein Vagina-Ersatz aus körpereigenem Darm oder Haut implantiert, wobei es jedoch laut den Forschenden zu Problemen wie Infektionen oder einem Schrumpfen des Transplantats kommen kann.

Von der neuen Entwicklung profitieren können auch Krebspatientinnen oder Frauen mit Genitalverletzungen, so Studienleiter Atala.

(fee/sda)