Überraschende Studie

08. Juni 2011 18:50; Akt: 08.06.2011 18:51 Print

Lärm im Operationssaal ist gefährlich

Lärm im OP ist schlecht für den Patienten: Ist es laut, steigt das Risiko, dass sich die Operationswunde entzündet und der Patient länger im Spital bleiben muss.

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Die Ergebnisse einer Studie am Inselspital Bern sind überraschend. Die Forscher um den Chirurgen Guido Beldi zeichneten bei insgesamt 35 grossen Unterleibsoperationen auf, wie hoch der Lärmpegel im Operationssaal war. Die Messergebnisse verglichen die Forscher dann mit dem Genesungsverlauf der Patienten, wie der Wissenschaftsverlag Wiley-Blackwell mitteilte.

Wie Beldi und seine Kollegen im Fachmagazin «British Journal of Surgery» berichten, stieg das Risiko für postoperative Infektionen mit dem Lärmpegel. Sechs Patienten erlitten solche Komplikationen - und bei ihnen erreichte der Geräuschpegel im Durchschnitt 43,5 Dezibel. Bei den Patienten ohne Infekte lag der Wert nur bei 25 Dezibel.

Hohe Kosten

Die postoperativen Infektionen hätten dazu geführt, dass betroffene Patienten bis zu 13 Tage länger im Spital bleiben mussten, berichtet Beldi. Das habe bis zu einer Verdreifachung der Kosten geführt. Wie genau der Zusammenhang zwischen Lärm und Infektionen zu Stande kommt, wissen die Forscher allerdings noch nicht.

Eine Möglichkeit wäre, dass der Lärm auf Schwierigkeiten beim Eingriff hindeutet. Dazu passt die Beobachtung der Wissenschaftler, dass der Geräuschpegel ansteigt, wenn die Operation länger als eine Stunde andauert - und damit wahrscheinlich besonders kompliziert ist.

Fehlende Konzentration?

Der Lärm könnte laut den Forschern aber auch darauf hinweisen, dass die Konzentration und Disziplin der Beteiligten nachlassen. Der Lärmpegel stieg nämlich auch dann, wenn Chirurgen, Narkoseärzte und Pflegepersonal im Operationssaal über Dinge sprachen, die nichts mit dem Eingriff zu tun hatten.

Beldis Team hatte schon in einer früheren Studie gezeigt, wie wichtig Konzentration und Disziplin im Operationssaal sind. Lärm, Hektik, Schichtwechsel während der OP und fremde Besucher führten demnach zu einem Nachlassen der Hygiene-Disziplin. Die Folge: Mehr Patienten erlitten wegen verunreinigter Operationsbestecke eine Infektion.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fernando reust am 09.06.2011 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Lärm

    Lärm sollte tätsächlich wesentlich mehr vermieden werden, alle volkswirtschaftlichen Aspekte sollten da einbezogen werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • fernando reust am 09.06.2011 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Lärm

    Lärm sollte tätsächlich wesentlich mehr vermieden werden, alle volkswirtschaftlichen Aspekte sollten da einbezogen werden.