Bessere Therapiechancen

08. August 2018 20:12; Akt: 08.08.2018 20:12 Print

Kommt die Alzheimer-Früherkennung?

Für Alzheimer gilt: Je früher die Therapie einsetzt, desto besser. Doch bislang hapert es mit der Früherkennung. Das könnte sich ändern.

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Wenn man Alzheimer feststellen könnte, bevor die Nervenzellen im grossen Stil Schaden genommen haben, könnten Therapien dagegen tatsächlich etwas bringen. Noch ist die Früherkennung schwierig. Doch Basler Forscher sind der Lösung des Problems nun einen Schritt näher gekommen. (Im Bild: Alzheimer-Patient Amandus Rosenbach (Dieter Hallervorden) im Film «Honig im Kopf», 2014) Im Rahmen ihrer in den «Cell Reports» erschienenen Studie stiessen sie auf einen vielversprechenden Kandidaten für einen solchen Biomarker – den Botenstoff FGF21, der bei Störungen in den «Kraftwerken der Zelle» (Mitochondrien) ausgeschüttet wird. (Im Bild: ein mitochondriales Netzwerk) Wie die Forschenden um Stephan Frank berichten, konnten sie FGF21 in Tiermodellen neurodegenerativer Erkrankungen nachweisen. Und zwar zu einem Zeitpunkt, bevor die Nervenzellen absterben. Bevor ein Früherkennungstest lanciert werden kann, ... ... muss aber noch weitergeforscht werden. Denn der Botenstoff wird nicht nur in Nervenzellen, sondern auch in den Zellen anderer Gewebe und Organe produziert – im Fettgewebe und der Leber. Fettleibigkeit und Lebererkrankungen könnten somit einen Test auf FGF21-Basis verfälschen. In künftigen Studien müsste Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit von Patienten auf den Botenstoff hin untersucht werden, um zu prüfen, ob und wie er sich als Biomarker für beginnende neurodegenerative Erkrankungen eigne, so die Forscher. Doch auch wenn die Früherkennung möglich wäre: Es gibt nichts, was die Erkrankung heilen könnte. (Im Bild: Alzheimer-Patientin Alice (Julianne Moore) im Film «Still Alice – Mein Leben ohne gestern», 2014) So war es zumindest bisher. Doch Forscher der ETH Lausanne haben in einer Studie mit Mäusen offenbar einen Weg gefunden, den voranschreitenden Gedächtnisverlust zu stoppen und die kognitiven Funktionen zu normalisieren. Anders als andere Forscher betrachteten die Lausanner ... ... Alzheimer als Stoffwechselstörung und konzentrierten sich auf die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, die diese regenerieren. Dabei zeigte sich, dass Mitochondrien spezifische Stress-Proteine abwehren können und die Bildung von für Alzheimer typischen Eiweissablagerungen reduzieren helfen. Die Resultate sind laut dem Team um Johan Auwerx äusserst ermutigend und haben grösste Bedeutung für weitere klinische Studien: Wie Alzheimer vorgebeugt werden kann, haben in einer anderen Studie finnischen Forscher herausgefunden. Sie empfehlen Saunabesuche. Dabei herrschen Temperaturen zwischen 80° C und 100° C. Um die Luftfeuchtigkeit und damit die gefühlte Temperatur noch zu erhöhen, Wer sich dem regelmässig aussetzt, profitiert auf ganzer Linie. Demnach stärkt Saunieren nicht nur Immun- und Herz-Kreislauf-System, sondern senkt auch das Demenz-Risiko, Die Forscher hatten rund 2300 männliche Saunagänger in drei Gruppen aufgeteilt: Die Teilnehmer der ersten gingen einmal, die der zweiten zwei- bis dreimal und die der dritten vier- bis siebenmal pro Woche in die Sauna. Der Vergleich zeigte, je öfter die Männer schwitzten, desto geringer war ihr Risiko, jemals an Demenz zu erkranken. So hatten die Teilnehmer, die der dritten Gruppe zugeordnet waren, gegenüber den Probanden aus Gruppe eins ein um 66 Prozent niedrigeres Risiko. Die Forscher vermuten, dass dies am Herz-Kreislauf-System liegt. So wirke sich ein niedriger Blutdruck beispielsweise positiv auf das Gehirn aus. Vorstellbar ist aber auch, dass regelmässige Sauna-Gänger andere für das Gehirn positive Verhaltensweisen an den Tag legen. Welche Mechanismen tatsächlich eine Rolle für die Gehirngesundheit spielen, müssen weitere Untersuchen zeigen.

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Wissenschaftler und Mediziner sind überzeugt, dass wirksame Therapien gegen neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson möglichst früh ansetzen müssen. Denn wenn Nervenzellen reihenweise zugrunde gehen, ist der Schaden schon angerichtet. Deshalb sind Forscher auf der Suche nach Erkennungsmerkmalen, sogenannten Biomarkern, mit denen sich solche Krankheiten frühzeitig erkennen lassen.

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Ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Universität Basel ist nun auf einen vielversprechenden Kandidaten für einen solchen Biomarker gestossen. Dabei geht es um einen Botenstoff namens FGF21, der bei Störungen in den «Kraftwerken der Zelle» (Mitochondrien) ausgeschüttet wird.

Chronischer Zellstress

Eine solche Fehlfunktion in den Mitochondrien löst eine Stressreaktion in der Zelle aus. Chronischer Zellstress in Nervenzellen wiederum gilt als Angelpunkt neurodegenerativer Erkrankungen.

Wie die Forschenden um Stephan Frank von der Universität und dem Universitätsspital Basel im Fachblatt «Cell Reports» berichten, konnten sie FGF21 in Tiermodellen neurodegenerativer Erkrankungen nachweisen. Und zwar zu einem Zeitpunkt, bevor die Nervenzellen absterben.

Das macht FGF21 zu einem vielversprechenden Kandidaten für die Früherkennung solcher Erkrankungen. Zwar liesse sich mit diesem Biomarker nicht unterscheiden, um welche neurodegenerative Krankheit es sich handle, da mehrere Erkrankungen mit chronischem Zellstress zusammenhingen, schrieben die Forscher im Fachartikel. Jedoch könnte er dereinst für Vorsorgeuntersuchungen dienen und auf einen ersten Verdacht hinweisen.


Verfälscht durch andere Organe

Allerdings brauche es weitere Forschung, um einen solchen Früherkennungstest zu etablieren, betonen die Wissenschaftler. Das Problem: Der Botenstoff wird nicht nur in Nervenzellen, sondern auch in den Zellen anderer Gewebe und Organe produziert, beispielsweise in Fettgewebe und der Leber.

Fettleibigkeit und Lebererkrankungen könnten somit einen Test auf FGF21-Basis verfälschen. In künftigen Studien müsste Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit von Patienten auf den Botenstoff hin untersucht werden, um zu prüfen, ob und wie er sich als Biomarker für beginnende neurodegenerative Erkrankungen eigne.

Joy kann Parkinson lange vor der Diagnose riechen

(fee/sda)