Schwindender Lake Mead

07. Juli 2014 15:50; Akt: 19.01.2018 10:09 Print

Las Vegas trocknet aus

von Fee Riebeling - Der Lake Mead ist der wichtigste Stausee der USA. Er versorgt den Westen mit Wasser und Strom. Doch wie lange noch? Denn sein Pegel sinkt scheinbar unaufhaltsam.

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«Willkommen im sagenhaften Las Vegas» - mit diesen Worten empfängt die «Sin City» Besucher seit 1959. Kaum ein anderes Neon-Schild steht seit so vielen Jahren im Einsatz. Doch möglicherweise sind auch seine Tage gezählt. Denn sinkt der Pegel des Lake Mead weiter, sind sowohl Trinkwasserzufuhr als auch Stromversorgung von Las Vegas gefährdet. Der Lake Mead ist mit einer Länge von rund 170 Kilometern, einer Fläche von 640 Quadratkilometern und einem Stauvolumen von bis zu 34,9 Milliarden Kubikmetern der grösste künstlich geschaffene See und zugleich der wichtigste Stausee der USA. Er wird durch die 221,4 Meter hohe Hoover-Talsperre (Hoover Dam) aufgestaut, die sich an der Grenze zwischen Nevada und Arizona, rund 50 Kilometer südöstlich von Las Vegas, im Black Canyon befindet. Die in den 1930er-Jahren errichtete Staumauer ist nach dem 31. Präsidenten der USA benannt und staut das Wasser des Colorado River. Der Fluss entspringt im Rocky-Mountain-Nationalpark. Dieser ist vom Klimawandel gebeutelt. Gab es dort Mitte des 19.Jahrhunderts noch rund 150 Gletscher, ist die Anzahl auf heute 27 geschrumpft. Experten prophezeien, dass es im Jahr 2030 dort keinen einzigen mehr geben wird. Die Auswirkungen des Klimawandels und des gleichzeitig steigenden Wasserverbrauchs in Las Vegas sind am Ufer des Lake Mead deutlich zu sehen. Der weisse Ring zeigt, wie hoch das Wasser noch vor wenigen Jahren stand. Um rund 120 Fuss - umgerechnet rund 36 Meter - sei der Pegel in den letzten zehn Jahren gesunken, erklärt -Pilot Daniel Green, der auf seinen Rundflügen beinahe täglich über den Lake Mead fliegt. Experten gehen davon aus, dass im Juli 2014 der tiefste Pegelstand aller Zeiten erreicht wird.

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Wer nach Las Vegas fliegt und beim Anflug nichts ausser Wüste erwartet, wird überrascht. Denn bevor die ersten Gebäude von «Sin City» ins Blickfeld geraten, überquert man den Lake Mead. Mit 640 Quadratkilometern Fläche (Bodensee: 536 Quadratkilometer) und einem Fassungsvermögen von bis zu 34,9 Milliarden Kubikmetern ist er der grösste künstlich geschaffene See der USA und zugleich ihr wichtigster Stausee. Er bezieht sein Wasser aus dem Colorado-River und versorgt die Bundesstaaten Arizona, Nevada und Kalifornien mit Trinkwasser und Strom.

«Weil sein Pegel in den letzten zehn Jahren um rund 36 Meter gesunken ist, ist er gleichzeitig auch eines der grössten Sorgenkinder des Landes», sagt Helikopter-Pilot Daniel Green. Sein Arbeitgeber bietet Rundflüge über den Grand Canyon an. Deshalb fliegt Green beinahe täglich über den Lake Mead und weiss aus erster Hand, wie es um ihn steht. «Der weisse Ring entlang des Ufers zeigt, wie hoch das Wasser einst stand», sagt er. Experten erwarten, dass der See diese Woche einen Tiefstand erreicht, den er seit dem Bau der Hoover-Staumauer 1937 nie mehr hatte.

Viele Baustellen

Ursache dafür ist zum einen der Klimawandel, der zu einem Schwund der Gletscher und damit zu weniger Schmelzwasser führt, das den Colorado-River speist. Zum anderen sind die Probleme menschengemacht: 2008 urteilten Forscher, das wichtigste Reservoir Las Vegas' könnte bis 2012 leer sein, sollte die Wüstenstadt ihre Gewohnheiten nicht ändern. Seither hat Las Vegas seinen Wasserverbrauch um immerhin 30 Prozent reduziert.

«Das reicht aber noch nicht, um eine Wasserknappheit auszuschliessen», sagt Daniel Green. Denn stimmt das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage nicht und sinkt der Pegel weiter, könnte es dazu kommen, dass die beiden Pumpen, die das Wasser aus dem See Richtung Las Vegas transportieren bald nur noch Luft ansaugen. Deshalb wird gerade eine dritte gebaut, die im kommenden Jahr eröffnet werden soll. «Diese liegt rund 60 Meter tiefer, die Wasserversorgung ist also gesichert», erklärt Projektleiterin Erika Moonin vom Southern Nevada Water Authority. Zumindest vorübergehend. Denn der Bedarf der Spielerstadt in der Wüste wird nicht abreissen (siehe Box), ebenso wenig wie die Wasseransprüche der umliegenden Bundestaaten.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich war vor einem Monat dort. Direkt am Lake Mead. Sieht schrecklich aus. Ausgestorbene Ferien Ressorts. Lange Einwasserungsrampen die nicht mal mehr in den See reichen. "Strände" die gesperrt sind, weil da kein See mehr ist. Es ist Gfürchig, und irgendwie war ich geschockt. – Ludwig

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Malboro Man am 08.07.2014 07:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wasser in der Wüste... komisch

    Was haben die erwartet als sie eine Grossstadt in der Wüste aufgebaut haben ? Ausserdem noch eine die Strom wie auch Wasser vergeudet!

  • K. Mehlinger am 07.07.2014 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Alles hat ein Ende :-)

    Ich war auch schon in Vegas. Die Duschbrause im Hotel lies gefühlte 5l pro Sekunde durch. Die Amerikaner müssen lernen zu sparen. Die verschwenden zu viel. War über 6 Monate in den USA unterwegs. Das beste war einmal in einem Supermarkt. Vater sagt zu ca. 10 Jährigem Kind als er etwa 200 Plastik wegwerf Teller in den Einkaufwagen gelegt hat. "Gott ist Stolz auf uns, denn wir sparen so viel Wasser, da wir die Teller nicht abspülen müssen".

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  • Lili am 07.07.2014 20:55 Report Diesen Beitrag melden

    Zyklus...

    Wie das Wetter in einem Jahr, unterliegt auch das Klima über Jahrzehnte bzw. Jahrtausende, dem Zyklus von wiederkehrenden Wärmeperioden bzw. Kälte Perioden... der Mensch hat leider nicht immer alles unter Kontrolle, auch wenn er es gerne hätte...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Giovanni am 08.07.2014 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sin City-Motor City

    Problem könnte man lösen indem man die ganze Poker und Entertainment-industrie aus Sin City LV nach Motor City Detroit verlagert. Mitsamt den 2 millionen Einwohnern, die den Jobs nachreisen werden. Detroit ist wegen der Wirtschaftskrise nahezu ausgestorben und braucht Dringend Menschen/Kapital. Ausserdem liegt Motor City am Michigan-See, der um weiten grösser ist als der Hoover-Damm.

    • Martin am 09.07.2014 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wetter..

      Alles schön und gut, aber wie wollen sie das wetter nach detroit transportieren? Naja..ein versuch wars wert :)

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  • Ludwig am 08.07.2014 21:39 Report Diesen Beitrag melden

    Sieht wirklich schlimm aus.

    Ich war vor einem Monat dort. Direkt am Lake Mead. Sieht schrecklich aus. Ausgestorbene Ferien Ressorts. Lange Einwasserungsrampen die nicht mal mehr in den See reichen. "Strände" die gesperrt sind, weil da kein See mehr ist. Es ist Gfürchig, und irgendwie war ich geschockt.

  • gerda am 08.07.2014 21:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so schlimm

    ist das nicht! Da kommt die USA und zahlt ein paar millionen dollars in Bern ein und schon, schwups, können die amis wasser haben. Ist doch ein klacks, die schweizer brauchen kein wasser, weil man hier dollars isst und dollars trinkt und die staatskasse wird auch gefüllt. Somit kann die Schweiz mehr Flüchtlinge aufnehmen und der steuerzahler ist entlastet

  • Philip Bühler am 08.07.2014 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Lange bekannt

    War mit meinen Eltern 2004 dort, war damals schon bekannt und hat mir auch der Onkel gesagt der in San Diego lebt... Wir waren da am Hooverdamm und einem der Nachfolgenden Seen. Mit hilfe der alten Kalkablagerungen sah man wie hoch der See mal Stand - waren damals schon mindesten 8m Höhenunterschied. Das durch den Damm die Sekremente nicht mehr in die Poebene gelangen spielt ja auch keine Rolle oder da ist die Stadt ehrlichgesagt nicht wichtig. Also Propaganda ist es nicht.

    • Ludwig am 08.07.2014 21:41 Report Diesen Beitrag melden

      Ähhhh .... ?

      Hier bringst du aber irgendwie alles durcheinander. Nicht?

    • Michael am 09.07.2014 11:32 Report Diesen Beitrag melden

      Fensterplatz in Geografie?

      Die Poebene liegt in Italien....

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  • D.K. am 08.07.2014 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    was habt ihr gedacht, wohin das führt?

    Eine Millionenstadt in mitten einer Wüste, in welcher Golf gespielt wird auf Rasen, welcher nur durch menschliche Bewässerung existiert. In der Strom ausschliesslich für Werbungen/Reklamen oder Casions verschwendet wird und in der Extravaganz über allem steht. Mit Quatar genau das gleiche. Wir Mensch sollte mal erkennen, was vernünftig für die Natur und deren Ressourcen ist, anstatt sie zu verschleudern. Oder denkt jemand ernsthaft, das dies langzeitig keine Probleme bescheren wird?

    • Ludwig am 08.07.2014 21:43 Report Diesen Beitrag melden

      Irrtum

      Interessant ist der Fall, das Las Vegas nicht aus dem Lake Mead, sondern mit Pipelines aus dem Norden versorgt wird. Mal googeln, ist echt interessant (Wasserversorgung Las Vegas)

    • Marcello Bello am 09.07.2014 15:04 Report Diesen Beitrag melden

      Noch ein Irrtum

      OK, hab gegoogelt. Da kommt raus, dass Las Vegas zu 90% sein Wasser aus dem Lake Mead bezieht, etwa auf Wikipedia. Tatsächlich interessant.

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