Endurance

16. Februar 2019 18:01; Akt: 16.02.2019 18:01 Print

Legendäres Polarschiff bleibt verschollen

Eine gross angelegte Suche nach dem Schiff des Polarforschers Ernest Shackleton musste abggebrochen werden, nachdem ein Roboter-U-Boot verschwunden war.

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Am 5. Dezember 1914 legten Ernest Shackleton und seine Mannschaft an Bord der «Endurance» in Südgeorgien ab. Das Ziel der sogenannten Imperial Trans-Antarctic Expedition: Die erste Durchquerung der Antarktis auf dem Landweg. (Im Bild: Die «Endurance» verlässt am 1. August 1914 die Millwall Docks in London) Doch bereits am 18. Januar 1915, noch bevor man antarktisches Festland erreicht hatte, sass der Dreimaster völlig im Packeis fest. Die Mannschaft war dazu verdammt, auf dem driftenden Packeis zu warten. Die Zeit vertrieb man sich unter anderem mit Fussball. Im August 1915 hatte das Holzschiff zunehmend Schlagseite. Die Eismassen drückten gegen den Rumpf. Am 27. Oktober musste die 28 Mann starke Besatzung das leckgeschlagene Schiff aufgeben. Am 21. November sank die «Endurance» schliesslich. Zuvor hatten die Männer sämtliche Vorräte sowie die drei Beiboote in Sicherheit gebracht. Sie sollten sie in der Folge noch dringend brauchen. Shackleton (r.) und seine Männer versuchten zuerst, sich über das Packeis ans Festland vorzukämpfen. Doch das unwegsame Terrain verunmöglichte dieses Vorhaben. Shackleton (r.) beschloss, auf einer Eissscholle ein Lager einzurichten in der Hoffnung, dass die Scholle Richtung Festland treiben würde. Von November 1915 bis April 1916 harrten die Männer auf der Eisscholle aus. Am Abend des 8. April begann die Eisscholle zu zerbrechen, wodurch die Situation für die Männer lebensgefährlich wurde. Nun zahlte es sich aus, dass die Männer drei Beiboote von der «Endurance» gerettet hatten. Die Männer gelangten schliesslich am 14. April auf die abgelegene Elephant Island. Die Insel wurde von Walfängern kaum je angelaufen, weshalb Shackleton beschloss, mit fünf Mann nach Südgeorgien zu fahren, und dort Hilfe zu holen. Am 24. April brach Shackleton im Beiboot «James Caird» auf. 22 Männer blieben zurück auf Elephant Island. Nach beinahe 1500 Kilometern auf dem offenen Meer erreichten die durchnässten und erschöpften Männer am 10. Mai Südgeorgien. (Im Bild: Die zurückgebliebenen Männer winken der abfahrenden «James Caird» zu.) Am 10. Mai legte die «James Caird» in Südgeorgien an und nach einem 36-stündigen Marsch erreichte Shackleton schliesslich eine Walfangstation. Es dauerte noch bis zum 30. August 1916, bis auch die Männer auf Elephant Island gerettet werden konnten. Alle 28 Mann überlebten die Unglücks-Expedition. (Im Bild: Die «James Caird» im Dulwich College im Süden Londons.) Julian Dowdeswell, der Direktor des Scott Polar Research Institute der Universität Cambridge, leitete die Weddell Sea Expedition 2019, auf der auch das Wrack der «Endurance» gesucht wurde. Vom südafrikanischen Eisbrecher «Agulhas II» aus suchten die Forscher mit Unterwasser-Robotern nach dem Wrack. Einer der beiden eingesetzten Unterwasser-Roboter. Die Suche nach der «Endurance» war im Februar 2019 abgebrochen worden, nachdem ein Roboter unter dem Eis verschwunden war und das Wetter und die Eisbedingugnen zu gefährlich geworden waren. Erfolgreicher als die Suche nach Shackletons Schiff war die Hauptmission der Expedition, die wissenschaftliche Untersuchung der Gegend um das Larsen-C-Eisschelf, wo im Juli 2017 ein gigantischer Eisberg abgebrochen war.

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Vor gut 100 Jahren wollte der Brite Ernest Shackleton mit seinem Team erstmals die Antarktis durchqueren. Sehr weit kam er allerdings nicht. Sein Schiff, die Endurance, wurde im Weddell-Meer vom Eis eingeschlossen, langsam zerdrückt und musste am 27. Oktober 1915 schliesslich aufgegeben werden. Was folgte, war ein monatelanger Kampf gegen die Bedingungen in einer der unwirtlichsten Regionen der Welt, den wie durch ein Wunder alle 28 Besatzungsmitglieder überlebt haben (siehe Bildstrecke).

Während die Männer alle nach Hause zurückkehrten, blieb die Endurance verschollen. Das wollten Forscher aus Grossbritannien ändern und machten sich im Weddell-Meer auf die Suche. Zwei Wochen lang suchten sie im Anschluss an eine wissenschaftliche Polarexpedition mit zwei Unterwasserrobotern nach dem Wrack. Nun mussten sie wegen schlechten Wetters und einer gefährlichen Lage des Meereises die Suche einstellen, wie sie am Donnerstag mitteilten.

Schlimme Bedingungen

Zu einem der beiden Unterwasserrroboter hatten die Forscher mehrere Tage den Kontakt verloren, konnten ihn dann allerdings bergen. Der zweite Roboter verschwand dagegen unter einer riesigen Eisscholle. Sollte das autonome U-Boot Aufnahmen von der Endurance gemacht haben, sind diese unwiederbringlich verloren, wie die Expeditionsleitung bekannt gab. Zuvor hatte das U-Boot 30 Stunden ununterbrochen nach Shackletons Schiff gesucht, was einen Rekord für ein autonomes U-Boot darstellen dürfte.

Mensun Bound, der Direktor der Expedition, erklärte in einer Mitteilung: «Wir sind sehr enttäuscht, dass unsere Mission, die Endurance zu finden, nicht von Erfolg gekrönt war.» Und er führt weiter aus: «Wie bei Shackleton, der den Friedhof der Endurance als die ‹schlimmste Stelle im schlimmsten Meer der Welt› beschrieb, sind unsere wohldurchdachten Pläne von sich schnell bewegendem Meereis und dem, was Shackleton ‹die bösen Bedingungen des Weddell-Meeres› nannte, durchkreuzt worden.»

Erfolgreiche Forschung

Die Wissenschaftler, die mit dem südafrikanischen Eisbrecher Agulhas II unterwegs waren, hatten zuvor erstmals die Gegend um das Larsen-C-Eisschelf untersucht, nachdem dort im Juli 2017 ein gigantischer Eisberg abgebrochen war. Mit diesem Teil der Expedition sind die Verantwortlichen sehr zufrieden. «Die Expedition war äusserst erfolgreich bezüglich der wissenschaftlichen Arbeit, die wir in dieser schwierigen Region unternehmen», sagte Julian Dowdeswell, der wissenschaftliche Leiter der Expedition und Direktor des Scott Polar Research Institute der Universität Cambridge, laut Livescience.com. Er ist überzeugt, dass die Suche nach der Endurance eines Tages wieder aufgenommen werden kann.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fred@züri am 16.02.2019 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Sehr guter Bericht. Und interessant. Mehr solche Beiträge BITTE von denen man etwas lernen kann.

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  • Luki Frieden am 16.02.2019 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Die grossartigste Überlebensgeschichte

    Shackleton und seine Crew in der Antarktis. Die wohl grossartigste Überlebensgeschichte aller Zeiten! Das beste Buch dazu "635 Tage im Eis" liest sich wie ein Krimi und ist schlicht unglaublich!

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  • Erwin B am 16.02.2019 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubliche Rettung

    Die Expedition Shackleton ist ein fantastische Geschichte. Ich war vor einigen Jahren auf Elephant Island wo seine Mannschaft damals monatelang auf ihre Rettung warteten musste.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Robin Good am 21.02.2019 17:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eisbrecher vs Klimaerwärmung

    Dank diesen Eisbrecher schrumpfen die Eisplatten...oder.

  • Spaniel am 17.02.2019 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Beitrag

    Wäre toll mehr solche Geschichten zu lesen. Der Film übrigens ist empfehlenswert!

  • Toni D. am 17.02.2019 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jugend

    mit den heutigen verweichlichten Leuten, wäre so eine Geschichte nicht mehr möglich. Da wird nur noch gejammert und Bildli für Instagramm gemacht

  • Sid am 17.02.2019 08:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Bitte mehr solch wissenswertes und weniger Boulevardschrott. Danke!

  • Meinrad Meier am 17.02.2019 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Shackleton-Frank Wild

    Guter Bericht! Nur schade, dass die Leistung von Frank Wild immer untergeht. Er hat wesentlichen oder sogar den grössten Anteil daran, dass alle Seeleute lebend gerettet werden konnten. Für mich ist er ein grosser Held - auch, weil Wild der persönliche, besonnene Berater in schwierigen Situationen von Shackleton war.