Teil 2

19. Dezember 2008 10:46; Akt: 19.12.2008 12:36 Print

Libysche Zahlungen und Rache als Motiv

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Lebenslänglich für al-Megrahi

Am 13. November 1991 wurde Mordanklage gegen zwei Libyer erhoben: Abdel Basset Ali al-Megrahi und Lamin Khalifah Fhimah. Die beiden wurden von Libyen ausgeliefert, nachdem die Uno Sanktionen gegen das Land verhängt hatte. Fhimah wurde freigesprochen. Al-Megrahi hingegen erhielt lebenslänglich. Er beteuert noch heute seine Unschuld; derzeit wird sein Fall neu aufgerollt, weil ein Justizirrtum nicht ausgeschlossen werden kann.

Die These, dass der Befehl für den Anschlag aus Libyen kam — und damit von Revolutionsführer Gaddafi —, wird zusätzlich gestützt durch die Tatsache, dass der Maghreb-Staat im August 2003 formal die Verantwortung für die Handlung seiner Geheimdienstleute übernahm und eine Abfindung in Höhe von rund 2,7 Milliarden Dollar an die Hinterbliebenen auszahlte. Im Gegenzug wurden die Sanktionen aufgehoben.

Das Motiv: Rache

Tatsächlich hatte Libyen auch ein Motiv für einen Anschlag, bei dem in erster Linie amerikanische Staatsangehörige starben: Rache.
Im April 1986 nämlich hatte US-Präsident Reagan mehrere Ziele in Libyen bombardieren lassen, darunter Gaddafis Residenz. Dabei kamen über hundert Menschen ums Leben.

All dies aber schafft nicht alle Zweifel an der libyschen Urheberschaft an dem Terrorakt aus der Welt. So mag die Geldzahlung an die Hinterbliebenen Kalkül gewesen sein; immerhin setzten die Sanktionen der libyschen Wirtschaft empfindlich zu. Saif Gaddafi, einer der Söhne des Diktators, erklärte in einem Interview, es habe sich um ein «Spiel» gehandelt.

Die palästinensische Spur

Und neben Libyen gab es noch andere mögliche Schuldige: So wurde zu Beginn die linke palästinensische Terrorgruppe PFLP-GC (Popular Front for the Liberation of Palestine - General Command) unter der Führung von Ahmed Jibril verdächtigt. Immerhin hatte Jibril kurz vor dem Anschlag auf PA103 eine Zelle der PFLP-GC in der Region Frankfurt etabliert, von wo der wichtigste Zubringerflug zur PanAm-Maschine in London gestartet war, der vermutlich die Bombe an Bord hatte.
Die Zelle wurde von den deutschen Behörden observiert und schliesslich ausgehoben. Allerdings konnten zwei Mitglieder der Zelle sich der Verhaftung entziehen, darunter der Bombenexperte Abu Elias.

Die PFLP-GC habe den Anschlag im Auftrag der iranischen Regierung ausführen sollen, glaubt der ehemalige Antiterror-Chef der CIA, Vincent Cannistraro. Die Palästinenser hätten aber, durch den deutschen Zugriff geschwächt, den Auftrag an den libyschen Geheimdienst weitergegeben.

Befehl aus Teheran?

Die iranische Spur ist die wichtigste Alternativtheorie neben der libyschen Urheberschaft. Auch die Iraner hatten nämlich ein Motiv, und wie bei den Libyern war es Rache.
Am 3. Juli 1988 hatte der US-Kreuzer USS Vincennes in der Strasse von Hormuz einen iranischen Airbus, Iran-Air-Flug 655 mit 290 Passagieren an Bord, versehentlich abgeschossen. Teheran tobte — und schwor, man werde dafür Sorge tragen, dass das Blut der Ungläubigen vom Himmel regne. Der frühere iranische Geheimdienstoffizier Abolgashem Mespahi, der inzwischen die Seiten gewechselt hat, behauptet heute, genau das sei mit dem Anschlag von Lockerbie geschehen.

Abertausende von zum Teil winzigen Trümmerstücken trugen die Ermittler in jahrelanger Fleissarbeit zusammen, um dem Geheimnis von Lockerbie auf die Spur zu kommen. Möglicherweise war ihre Arbeit vergeblich: Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass die Katastrophe von Lockerbie sich in die lange Reihe der nie ganz gelösten Rätsel einreihen wird.

(Quellen: Wikipedia.org / Dailyexpress.co.uk / Film-Dokumentation «Der Anschlag von Lockerbie, Mythos und Wahrheit» von Jean-Christoph Caron und Guy Smith)

Teil 1: Kleider aus Malta und Zeitzünder aus der Schweiz