Naegleria fowleri

18. September 2019 10:01; Akt: 18.09.2019 10:40 Print

Lily Mae (10) starb – weil sie im Fluss schwamm

Kopfschmerzen, Fieber, Gleichgewichtsstörungen: Eine Woche kämpfte die kleine Lily Mae Avant ums Überleben. Nun ist sie tot.

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Im US-Bundesstaat Texas hat die zehnjährige Lily Mae Avant den Kampf um ihr Leben verloren. Schuld an ihrem Tod: Naegleria fowleri, einer der tödlichsten Parasiten der Welt. (Im Bild: Naegleria fowleri) Eingefangen hatte ihn sich das Mädchen beim Baden im Brazos River. Als sie mit schlimmen Schmerzen ins Spital eingeliefert wurde, erkannten die Ärzte, was für den schlechten Zustand des Mädchens verantwortlich war. Für ihre Augen unsichtbar, aber offensichtlich die ganze Zeit an ihrer Seite muss auch Naegeria fowleri gewesen sein. Über die Nasenschleimhaut war der Parasit entlang des Riechnervs ins Hirn gewandert und zersetzte dort das Hirngewebe. So auch bei der 10-jährigen Avant, bei der die Amöbe eine eitrige Entzündung von Hirnhaut und Hirngewebe auslöste; eine sogenannte Primäre-Amöben-Meningoenzephalitis (PAM). Für das Mädchen kam jede Hilfe zu spät. Auch Fabrizio Stabile konnten die Ärzte im Jahr 2018 nicht vor dem durch eine Amöbe in seinem Gehirn ausgelösten Der damals 29-jährige Mann hatte zuvor ein Surfcamp in Waco im US-Bundesstaat Texas besucht. Das Surf-Resort wurde mittlerweile geschlossen. Stabiles Familie hat zwischenzeitlich eine Spendenseite eingerichtet – auch um das Bewusstsein für die Amöbe Naegleria fowleri zu schüren, die Fabrizio den Tod brachte. Schliesslich kann es jeden treffen, wie auch der Fall Lauren Seitz zeigt. Als sie 2016 beim Raften in einem US-Naturwasserpark kenterte, infizierte sich auch die 18-Jährige mit der Amöbenart Naegleria fowleri. Über die Nase war der Parasit zunächst in den Körper und schliesslich ins Gehirn gelangt. Wie Stabile überstand auch Amerikanerin die Begegnung nicht. Sie starb an den Folgen der tödlichen Infektion im Gehirn. Lange war unklar, was die Parasiten zu einer so zielgerichteten Attacke auf unser zentrales Nervensystem bewegt. Forscher der Universität Karachi in Pakistan präsentierten inzwischen eine mögliche Lösung. Demnach scheint Acetylcholin, ein häufig vertretener Botenstoff der Nervenzellen im Gehirn, als Lockstoff für die Parasiten zu fungieren, in deren Erbmaterial eine Art Acetylcholinrezeptor sitzt. (Im Bild: verschiedene Entwicklungsstufen des Parasiten)

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Sie hatte sich nur abkühlen wollen. Doch der Sprung in den Brazos River im US-Bundesstaat Texas brachte der 10-jährigen Lily Mae Avant nicht nur Erfrischung, sondern auch eine Woche schlimmer Schmerzen und schlussendlich den Tod.

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Im Spital erkannten die Ärzte schliesslich, was für Avants schlechten Zustand verantwortlich war. Für ihre Augen unsichtbar, aber offensichtlich die ganze Zeit an ihrer Seite muss auch Naegeria fowleri gewesen sein – einer der tödlichsten Parasiten der Welt.

Gelangt dieser mit Wasser zur Nasenschleimhaut, wandert er entlang des Riechnervs ins Hirn und zersetzt innerhalb von wenigen Tagen das Hirngewebe. So auch bei der 10-Jährigen, bei der die Amöbe eine eitrige Entzündung von Hirnhaut und Hirngewebe auslöste; eine sogenannte Primäre-Amöben-Meningoenzephalitis (PAM).

Hohes Sterberisiko

«Die Ärzte sagten uns, dass sie nichts mehr für sie tun können, weil es sich um eine so tödliche und schnell fortschreitende Krankheit handelt», sagt Lilys Tante Crystal Warren gegenüber dem US-Fernsehsender KWTX. «Wir verstehen nicht, warum ihr das passiert ist. Es waren ja auch andere Menschen im Wasser, die nicht betroffen waren.»

Eine Infektion mit der Amöbe ist sehr selten, die Sterblichkeit liegt jedoch bei über 97 Prozent und ist damit sehr hoch: Seit 1962 sind in den USA 145 Infektionsfälle mit dem aggressiven Parasiten dokumentiert. Von diesen hätten nur vier Patienten überlebt, berichtete die «New York Times» im Juli 2019.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wulline am 18.09.2019 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Armes Kind

    Armes Kind, aber leider sind solche Schicksalsschläge nicht zu verhindern. Ich wünsche den Eltern alles erdenklich Gute in dieser schlimmen Zeit.

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  • Jepyes am 18.09.2019 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das macht mich traurig.

    Das macht mich traurig. Ich wünsche den Hinterbliebenen alle Kraft der Welt.

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  • Leser am 18.09.2019 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daumen runter?

    Wie kann man hier einen Daumen runter geben, wenn ein Kind gestorben ist? Ich wünsche der Familie viel Kraft.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani3 am 18.09.2019 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mein Beileid an die Familie.

    Es zerbricht mir das Herz, man geht Seelen ruhig irgendwo Schwimmen, und dan passiert sowas tragisches und man wird vom Leben gerissen. :(

  • Willi Joller am 18.09.2019 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die kleinsten werden siegen

    Die Menschheit wird nicht von Kriegen ausgerottet, so schlimm die auch sind. Es werden solche Sachen sein die uns hinraffen, die der Mensch mit aller Wissenschaft einmal nicht in den Griff bekommen wird. Epidemien usw.

    • Klaus07 am 18.09.2019 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Willi Joller

      Bei 157 Opfer in 55 Jahren, brauchen die kleinsten ein paar Milliarden Jahre bis die Menschheit ausgerottet ist.

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  • ueli chueli am 18.09.2019 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    der berset auch

    trinke schweizer wasser und novartis freut sich.

  • u.m. am 18.09.2019 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht wirklich oder

    Bei diesen Kommentaren sieht man ganz deutlich, wie tief gewisse Menschen schon gesunken sind.

  • ueli84 am 18.09.2019 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mehr infos

    Wo und wie lebt dieser Parasit, nur im Wasser und in Amerika? Schützen kann mann sich also auch nicht, oder lebt der nur in gewissen Gewässern? Mehr infos bitte, ist interessant.

    • Klaus07 am 18.09.2019 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ueli84

      Es gibt so ein Ding, hmmm nennt sich Internet, da findet man so viele tolle Seiten die einem genau solche Fragen beantworten können. Zum Beispiel Google oder Wikipedia.

    • ueli84 am 19.09.2019 05:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klaus07

      habs versucht, lande aber 'leider' immer auf solchen XXX Seiten ;)

    • Klaus07 am 19.09.2019 06:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ueli84

      Dann viel Spass dabei.

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