Rettung in letzter Minute

04. Mai 2018 11:05; Akt: 04.05.2018 12:03 Print

Luke starb fast, weil er seine Fingernägel kaute

An den Fingernägeln zu knabbern, ist nicht nur eine ziemlich unschöne, sondern auch eine gefährliche Angewohnheit. Ein Brite erfuhr dies am eigenen Leib.

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Luke Hanoman hatte Glück im Unglück: Die Blutvergiftung, die er sich durchs Nägelbeissen zugezogen hatte, wurde rechtzeitig erkannt und behandelt – und das, obwohl er zunächst sämtliche Symptome ignorierte. Erst seine Mutter bemerkte, wie schlecht es ihm tatsächlich ging, und rief den Notarzt. Zum Glück, denn Hanoman stand zu diesem Zeitpunkt kurz vor einem septischen Schock. Es bestand Lebensgefahr. Doch durch das Verabreichen von Antibiotika konnte das Schlimmste verhindert werden. Tatsächlich sollten Nagelkauer wie Luke Hanoman und Britney Spears ihre Leidenschaft am besten schnell aufgeben, denn unter den Fingernägeln stecken jede Menge Bakterien. Dass sich eine Verhaltensänderung lohnt, haben <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17241163" target="_blank">türkische Forscher</a> gezeigt. 2007 untersuchten sie den Speichel von Probanden auf E.-coli-Bakterien, die Durchfall und Übelkeit auslösen können. Das Ergebnis: 76 Prozent der Nägelkauer wurden positiv getestet, bei den Nicht-Kauern waren es nur 26,5 Prozent. Eine der ersten Studien zu diesem Thema führten im Jahr 1988 Forscher der University of Pennsylvania durch. Sie analysierten die Hände von 26 Erwachsenen. Ihr Fazit: Zwischen Nagel und Fingerkuppe verstecken sich zwar <a href="http://jcm.asm.org/content/26/5/950.short" target="_blank">die gleichen, aber deutlich mehr Erreger</a> als auf jedem anderen Sektor der Hand. Dass sich die Mikroorganismen unter den Nägeln derart ansammeln, liegt laut den Forschern daran, dass die unter den Nägeln sitzende Feuchtigkeit die perfekten Bedingungen zur Vermehrung bietet, und daran, dass der Nagel die Bakterien wie ein Regenschirm vor Einwirkung von aussen schützt. Künstliche Nägel verschärfen das Problem weiter, wie eine <a href="http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/0196655389900035" target="_blank">Studie aus dem Jahr 1989</a> mit Krankenschwestern zeigt. Demnach trugen diejenigen mit Plastik-Krallen deutlich mehr Erreger mit sich herum als jene mit natürlichen Nägeln. Ob sie deshalb mehr Bakterien ... ... auf die Patienten übertragen, konnten die Forscher damals nicht sagen. Sicherheitshalber rieten sie Spitalangestellten aber, in puncto Nageldesign auf Natürlichkeit zu setzen. Denn auch Handschuhe lösten das Problem kaum, weil sie durch die künstlichen und meist längeren Nägel schneller reissen würden. Doch wie verhält es sich mit kurzen, aber lackierten Fingernägeln? Dieser Frage gingen im Jahr 1993 Pfleger des Johns-Hopkins-Hospitals in Baltimore nach. Dazu <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8338363" target="_blank">verglichen sie Bakterienkolonien</a> unter lackierten Kunst- und farbigen Naturnägeln jeweils vor dem Auftragen der Politur und vier Tage danach. Dabei zeigte sich, dass Nagellack auf natürlichen Nägeln deutlich weniger problematisch ist als jener auf künstlichen Krallen. Obwohl unter den Fingernägeln derart viel los ist, muss man sich vor seinen eigenen nicht ekeln, denn gegen das Treiben an den Fingerkuppen hilft vor allem eine anständige Hygiene. Wie man den Bakterien am besten zu Leibe rückt, erklärten 2002 Forscher von der University of Georgia. Sie hatten Probanden winzige Fleischpartikel unter die Nägel geschoben und sie gebeten, diese zu reinigen. Dabei zeigte sich, dass deutlich mehr Bakterien verschwanden, wenn die Hände nicht nur gewaschen, sondern auch mit der Nagelbürste behandelt wurden. Richtig rein wurden dabei allerdings auch nicht alle, sondern nur die kurzen Nägel. Je länger diese waren, desto mehr Bakterien fanden die Forscher am Schluss noch.

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Luke Hanoman aus dem britischen Southport tut etwas, was viele Menschen tun. Wann immer er nervös ist, knabbert der Lagerist an den Fingernägeln und der Nagelhaut. Doch damit könnte jetzt Schluss sein, denn das letzte Mal brachte ihn in die Notaufnahme.

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Bei der Beisserei hatte er sich eine winzige Verletzung zugezogen. Durch diese drangen unbemerkt Bakterien in den Körper des 28-Jährigen ein. «Es hat ein bisschen weh getan, aber ich habe mir nichts weiter dabei gedacht», zitiert ihn «The Sun».

Symptome falsch interpretiert

Dass die Stelle auch nach dem Abbeissen der Haut noch schmerzt, ignoriert der zweifache Vater. Auch als er plötzlich unter Nachtschweiss, Schüttelfrost und Hitzewallungen leidet, geht er weiterhin zur Arbeit. Die Symptome tut er als jene eines grippalen Infekts ab.

Erst als der Finger stark anschwillt, an dem er vor kurzem noch rumgeknabbert hat, kommt ihm erstmals der Verdacht, dass da etwas nicht stimmt, wie er Mirror.co.uk erzählt: «Das Pochen war kaum auszuhalten, ich fühlte mich ganz eigenartig, konnte mich nicht mehr konzentrieren.» Doch statt zum Arzt zu gehen, legt er sich erst einmal hin und schläft.

Ausser Kontrolle geratene Infektion

Es ist schliesslich seine Mutter, die den Notarzt verständigt. Als sie von Hanomans Symptomen erfährt, geht es plötzlich schnell, denn alles deutet auf eine akute Blutvergiftung (Sepsis) hin.

Kaum im Spital, wird der 28-Jährige gleich an den Tropf gehängt. Zu diesem Zeitpunkt ist bereits sein ganzer Körper von roten Linien überzogen. Ein Indiz dafür, dass die Infektion an seinem Finger ausser Kontrolle geraten ist und eine Blutvergiftung ausgelöst hat. Er steht kurz vor einem septischen Schock, einem lebensgefährlichen Zustand, der in der Mehrzahl der Fälle zum Tod führt.

Wie schlimm es um ihn steht, erzählen ihm die Mediziner nicht. «Die Ärzte wollten mich nicht aufregen», so Hanoman. Vier Tage lang muss er im Spital bleiben, bis die Sepsis überstanden ist. Dann erfährt der 28-Jährige, wie knapp es für ihn war: «Sie sagten mir, dass ich mich glücklich schätzen könne, noch am Leben zu sein.»

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schneidewind am 04.05.2018 11:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alternative ?!

    Wenn ich nervös bin knappere ich an meiner Freundin. Das hilft auch.

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  • Carbon21 am 04.05.2018 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nägel

    Ich kaue seit meiner Geburt Fingernägel und so was ist mir noch nie passiert. Es ist wie eine Sucht.

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  • Wetzi am 04.05.2018 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ahaaa

    ...und in China ist ein Reissack umgefallen

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas am 04.05.2018 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verdauung

    Schadet es wirklich der Verdauung - oder hilft es vielleicht? Die Frage ist ernst gemeint - die Darmflora von Menschen in der zivilisierten Welt ist erwiesenermassen ziemlich verkümmert.

  • Peter am 04.05.2018 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dauerdurchfall

    Wieso haben denn die Nägelkauer (oder zumindest 76% davon) nicht dauerdurchfall?

  • Martial2 am 04.05.2018 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich kann nicht zusehen...

    Im 21. Jahrhundert gibts sowas immer noch, und in der Öffentlichkeit wie in der Nase bohren??

  • Didi am 04.05.2018 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht neu ...

    Davor hatte ja schon der Struwelpeter gewarnt ...

  • pisa am 04.05.2018 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zehennägel

    also ich nage nicht an meinen Fingernägel, sondern an meinen Zehennägel, angenehmer und die anderen Leute sehen abgekaute Zehennägel nicht. Meine Fingernägel sind gepflegt und immer lackiert.