Für euch nachgefragt

16. Februar 2019 18:56; Akt: 16.02.2019 18:56 Print

Machen keimende Kartoffeln wirklich krank?

von F. Riebeling - Der Artikel über keimende Härdöpfel hat die Leser bewegt. Wie schädlich ist es, wenn solche gegessen werden? Zwei Experten geben Auskunft.

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Tausende Leser haben den Artikel «Finger weg vom Härdöpfel, wenn er so aussieht» gelesen und rege kommentiert. Eine Frage, die dabei immer wieder auftauchte, ist: Stellen keimende Kartoffeln wirklich eine Gesundheitsgefahr dar? Wir haben die Frage für euch an zwei Experten weitergeleitet. Laut Brice Dupuis von der Forschungsanstalt Agroscope sind nicht die Keime problematisch. Sie würden lediglich die Festigkeit der Kartoffeln beeinträchtigen. Vielmehr sei eine Grünfärbung der Schale ein Problem, denn «grüne Kartoffeln produzieren die für den Menschen giftigen Glykoalkaloide Solanin und Chaconin», so Brice. Zu dieser Kolorierung kommt es, wenn Kartoffeln Licht ausgesetzt sind Entsprechend wichtig ist die richtige Lagerung, erklärt Andreas Keiser von der Berner Fachhochschule. Er empfiehlt, die Knollen aus der Verpackung zu nehmen und an einem kühlen, trockenen, dunklen Ort zu lagern. Im Kunststoffbeutel ist es zu feucht, und die Qualität nimmt rasch ab. Auch der Kühlschrank bietet sich nicht an, so Keiser. Dort würden die Kartoffeln süss werden. Wie schnell die Knollen keimen, ist von mehreren Faktoren abhängig – der Sorte, der Witterung während des Wachstums der Kartoffeln und den Lagertemperaturen, erklärt Keiser: «Nach einem heissen Sommer beispielsweise sind die Kartoffeln weniger lange lagerfähig als nach einem kühlen. Dass die Kartoffeln bald nach dem Kauf zu keimen beginnen, kommt nicht von ungefähr, denn im Lager ruhen sie oft bei niedrigen Temperaturen um die 4 Grad Celsius. Dadurch wird der physiologische Keimprozess gehemmt, berichtet Dupuis. Kommen sie dann aber in die Wärme der Wohnung, beginnt das grosse Keimen. Die Experten raten, die Keime genauso wie die grünen und giftigen Stellen zu entfernen. Die gekeimten Knollen anzupflanzen sei zwar möglich, aber nicht empfehlenswert: «Zum Verzehr gekaufte Kartoffeln können bakterielle oder virale Krankheiten übertragen.» Zwar stellen diese laut Dupuis für den Menschen keine Gefahr dar, dennoch empfiehlt er, zertifizierte und damit krankheitsfreie Kartoffelsetzlinge zu kaufen.

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Über 460’000 Leser haben den Artikel «Finger weg vom Härdöpfel, wenn er so aussieht» gelesen. Der Bericht wurde kontrovers diskutiert, denn oft weisen Kartoffeln bald nach dem Kauf Triebe auf. Diese enthalten Solanin, das giftig ist. Gehören keimende Härdöpfel darum auf den Kompost? Wir haben nachgefragt.

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Warum beginnen Kartoffeln, kaum sind sie zuhause, zu keimen?

Wie schnell die Knollen keimen, ist von mehreren Faktoren abhängig – der Sorte, der Witterung während des Wachstums der Kartoffeln und den Lagertemperaturen, erklärt Andreas Keiser, Professor für Ackerbau und Pflanzenzüchtung an der Berner Fachhochschule: «Nach einem heissen Sommer beispielsweise sind die Kartoffeln weniger lange lagerfähig als nach einem kühlen. Zudem keimen die Kartoffeln rascher, wenn sie warm gelagert werden.»

Um das vor dem Verkauf zu verhindern, «würden sie im Lager oft bei niedrigen Temperaturen um die 4 Grad Celsius gelagert», so Brice Dupuis, Kartoffelexperte bei der Forschungsanstalt Agroscope. Dadurch werde der physiologische Keimprozess gehemmt. Etwas, was früher mithilfe chemischer Keimhemmungsmittel versucht wurde. Der Verzicht darauf kann laut Keiser dazu führen, dass die Kartoffeln nach der Auslagerung rascher keimen.

Wie gefährlich sind keimende Kartoffeln?

Gemäss Dupuis gar nicht, lediglich die Festigkeit der Knollen könne beeinträchtigt werden. Der Fachmann bezieht sich dabei auf die Erkenntnisse seines Kollegen Chris Bishop von der britischen Lincoln University. Demnach sind nicht die Keime das Problem, sondern eine Grünfärbung der Schale. «Grüne Kartoffeln produzieren die für den Menschen giftigen Glykoalkaloide Solanin und Chaconin», so Brice.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, empfehlen beide Experten, die Knollen trocken und dunkel zu lagern. «Solanin wird erst gebildet, wenn die Kartoffeln Licht ausgesetzt sind», sagt Keiser.

Wie viel Solanin verträgt der Mensch?

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung hat anlässlich eines durch ein Kartoffelgericht ausgelösten Vergiftungsfalls im April 2018 empfohlen, die Obergrenze für Unbedenklichkeit von den aktuell 200 Milligramm Solanin pro Kilogramm auf 100 Milligramm Solanin pro Kilogramm hinabzusetzen.

Weil der Solaningehalt für den Laien kaum erkennbar ist, raten Experten, allfällige grüne Stellen an den Knollen wegzuschneiden. Einen Hinweis auf den Solaningehalt in Kartoffelspeisen liefert deren Geschmack: Schmeckt die Kartoffel bitter, sollte man besser nicht mehr weiteressen.

Kann man die keimenden Knollen einpflanzen?

Das kann man schon, sollte man aber nicht unbedingt, wie Keiser erklärt: «Es wäre besser, eigens dafür produziertes Pflanzgut zu kaufen, da dieses für die Auspflanzung ideal gelagert wurde.» Dieser Meinung ist auch Dupuis: «Zum Verzehr gekaufte Speisekartoffeln sollte man nicht anbauen, da sie bakterielle oder virale Krankheiten übertragen können.» Zwar stellten diese für den Menschen keine Gefahr dar, dennoch werde empfohlen, zertifizierte und damit krankheitsfreie Kartoffelsetzlinge zu kaufen.

Was passiert mit dem Solanin?
Es wird im Erdreich von Bodenmikroorganismen abgebaut.

Muss man bei Kartoffeln generell etwas Besonderes beachten?

Die Knollen sind ein «lebendiges Produkt», das entsprechend sorgfältig gelagert und behandelt werden muss. Deshalb sollten sie am besten aus der Verpackung genommen und an einem kühlen, trockenen, dunklen Ort gelagert werden. Im Kunststoffbeutel ist es zu feucht, und die Qualität nimmt rasch ab. Auch der Kühlschrank bietet sich nicht an, so Keiser. «Darin würden die Kartoffeln süss werden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • BRUMMPÄNGLI am 16.02.2019 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    frag Oma

    Also den Keimling grosszügig rausschneiden, und ab in den Topf damit. So hatts mir Oma gezeigt und die ist 97 Jahre jung.

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  • Ken-Guru am 16.02.2019 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Mein Gott, ein Wunder dass ich noch lebe.

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  • Carla 75 am 16.02.2019 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem

    Die haben wir schon als Kinder gegessen und wir leben immer noch.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ziegenschnauzer am 19.02.2019 01:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wie kann man nur...

    Wie kann man nur ein Artikel veröffentlichen, der besagt die Keimlinge seinen hochgiftig. Einige Tage später ein weiterer Artikel, der genau das Gegenteil behauptet. Dass man grüne Schalen wegschneiden soll, weiss hingegen auch jeder Dummie, weil diese auch gekocht, bitter schmecken...

  • Dani am 18.02.2019 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Leute...

    lasst euch nicht provozieren, verunsichern und veräppeln. Mehr fällt mir dazu gerade nicht ein.

  • Ayexor am 18.02.2019 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kühlschrank vs. 4°C

    Gelager bei vier Grad, aber der Kühlschrank sei ungeeignet??

    • Avenarius am 18.02.2019 22:25 Report Diesen Beitrag melden

      Frigo super

      Der Kühlschrank ist tip top. Durch die Kälte wird mehr Stärke produziert. Schmecken meiner Meinung nach besser als die aus der Schublade. Und halten auch länger.Bei mir ist die Superknolle immer im Frigo.

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  • Progtologe am 18.02.2019 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt Beweise dafür

    dass jeder Kartoffelesser über kurz oder lang ins Gras beisst!

    • Sokrates der Philanthrop am 19.02.2019 15:16 Report Diesen Beitrag melden

      @Progtologe

      So wie jeder Mensch... Denn nur, dass alle sterben müssen ist gewiss.

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  • Karl Müller am 18.02.2019 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Meine grünen Kartoffeln sind jetzt im Giftschrank. Ich ernähre mich nur noch von Medikamenten.