Experten-Rat

05. Juni 2019 21:44; Akt: 05.06.2019 21:52 Print

Finger weg von Vagina-Sticks!

von Fee Riebeling - Sie sollen die Vagina verjüngen, verengen und den Sex bereichern. Doch laut Experten sind Intimpflegestäbe höchst fragwürdig.

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Wer nicht genau hinsieht, fühlt sich beim Anblick von Intimpflegestäben für die Vagina (hier im Bild das Modell Secret Ceres, es gibt aber auch jede Menge vergleichbarer Produkte anderer Hersteller) ... ... wahlweise an bayrische Weisswürste oder ... ... Tafelkreide erinnert. Doch keiner dieser Vergleiche passt. Denn die Vagina-Sticks sollen gemäss Herstellern in die weibliche Scheide eingeführt werden. Diese soll dadurch unter anderen verjüngt, verengt – kurz: besser gemacht werden. Gynäkologen warnen jedoch davor. «Solche Versprechen ... ... haben keinen medizinischen Hintergrund», sagt etwa Cornelia Betschart vom Unispital Zürich. Auch ihre US-Kollegin Jen Gunter äussert sich kritisch: «Wenn der Stab nur zwei Minuten lang eingeführt werden darf, dann beruht seine Wirkung ziemlich sicher auf dem ätzenden Effekt von Chemikalien.» Letztere brachte es auf ihrem Blog auf den Punkt: «Versuche, die Vagina zu ‹reinigen›, schaden ihr in Wahrheit.» Und weiter: «VAGINAS SIND NICHT SCHMUTZIG. Ich verwende die Grossbuchstaben bewusst, denn ich schreie gerade vor Wut.» Soll heissen: In die Vagina gehört genau nichts. (Im Bild: Jen Gunter) Auch keine Petersilie. Dazu riet die britische Frauenzeitschrift «Marie Claire» in ihrer Ausgabe vom 9. Januar 2018 und in einem zwischenzeitlich gelöschten Online-Post. Der Gedanke dahinter: Dadurch würde der Monatsblutung auf die Sprünge geholfen, sollte sie auf sich warten lassen. Der Rat sorgte bei Gynäkologen für Entsetzen. Einerseits weil der von der Marie-Claire-Redaktion beschriebene Effekt der Methode mehr als fraglich ist, ... ... andererseits weil Petersilie im Genitalbereich zu schweren Schädigungen und sogar zum Tod führen kann, wie die Gynäkologin Shazia Malik gegenüber dem «Independent» sagte. «Es gibt nur wenige Dinge, die in deine Vagina gehören, und Gemüse ist generell keines davon», urteilt die Frauenärztin, die wohl auch nichts vom Trend namens «Yoni Cucumber Cleanse» halten dürfte, der vor einiger Zeit im Internet die Runde machte. Geht es nach Youtuberin Rain Florence, machen sich Gurken nicht nur im Salat und auf den Augen gut. Sie empfiehlt ihren Followern, das Gemüse auch zu Reinigungszwecken – zum Einsatz in der Vagina. Damit steht sie nicht allein da: Auf Youtube, ... ... Instagram und ... ... Twitter verbreiten unzählige Influencer, Blogger und Vlogger die Kunde vom sogenannten «Yoni Cucumber Cleanse», was angeblich die Scheidenflora auf Vordermann bringen, für einen frischen Geruch sorgen und etwaige Wehwehchen heilen soll. Die meisten empfehlen, das grüne Gemüse zu schälen und auf die «richtige Grösse» zurechtzuschneiden. Einmal im Körper, solle man sie zudem längere Zeit einwirken lassen. Damit bei der Anwendung auch ja nichts schiefgeht, werden sogar spezielle Schulungen angeboten. Frauen sollten die Hygiene ihrer Vagina dieser selbst überlassen, empfiehlt die Expertin: «Die Flora reguliert sich selbst – es reicht, die Vagina einfach mit Wasser zu waschen.» Weitere interessante Fakten zum weiblichen Geschlechtsorgan finden Sie in den folgenden Bildern. Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir – so heisst es. Trotzdem gerät der eine oder andere Fakt in Vergessenheit. Oder hätten Sie noch gewusst, ... ... dass die Klitoris rund 8000 Nervenenden hat, die die sexuelle Lust fördern können. Im Penis hingegen sind nur 4000 Nervenenden vorhanden. Kein Wunder ist das weibliche Geschlecht äussert sensibel. Der Orgasmusrekord einer Frau liegt bei 134 Höhepunkten während einer Stunde. Bei Männern waren es bloss 16. Der längste weibliche Höhepunkt, der je gemessen wurde, dauerte übrigens 43 Sekunden mit 25 aufeinanderfolgenden Kontraktionen. Wer Schwierigkeiten damit hat, sollte seinen Beckenboden trainieren. Selbst Frauen, die noch nie einen vaginalen Orgasmus hatten, können durch sogenanntes «Kegel-Training» neue Höhepunkte erreichen. Das hilft übrigens nicht nur bei Orgasmen, sondern auch bei unkontrolliertem Harn-, Kot- oder Flatulenz-Drang. Die Vagina bildet die Verbindung zwischen dem Gebärmutterhals und der Vulva. Ausserdem ist sie grösser als angenommen. Normalerweise ist sie zwischen 8 und 12 Zentimeter lang. Bei Erregung dehnt sie sich jedoch in ihrer Länge und Breite aus und kann gut doppelt so gross werden. Die Innenwände sind normalerweise gefaltet. Beim Geschlechtsverkehr öffnen sie sich jedoch wie ein Regenschirm. Dadurch ist sie extrem dehnbar und passt sich dem Penis jedes Mannes an. Der G-Punkt ist teilweise noch immer ein Mysterium. Fakt ist: Es gibt ihn. Er liegt 5 bis 7 Zentimeter vom Scheideneingang entfernt, ist schwammartig und fühlt sich rau an. Eine Orgasmus-Garantie gibt er aber nicht: Während die einen durch Stimulation des G-Punkts sogar ejakulieren können, empfinden andere diese Art von Erregung als unangenehm. Was die Schamhaar-Frisur angeht, gehen die Meinungen auseinander. Während es die einen natürlich mögen, setzen andere auf Kurzhaar. Wieder andere stehen auf Komplettrasur, den sogenannten Hollywood-Cut. Was jedoch kaum einer weiss: Lässt man das Schamhaar spriessen, hat es eine Lebenserwartung von drei Wochen. Kopfhaar hingegen kann bis zu sieben Jahre alt werden. Die Vagina ist ein Organ, das sich selbst reinigt. Eine gewisse Menge an Ausfluss ist deshalb ein Teil des natürlichen Reinigungsprozesses. Sobald jedoch Schmerzen auftreten oder der Ausfluss verstärkt austritt oder unangenehm riecht, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Denn das kann ein Hinweis auf eine sexuell übertragbare Krankheit sein. Bei wiederkehrenden vaginalen Infektionen könnte der Verzehr von Probiotika oder probiotischen Lebensmitteln wie Joghurt Abhilfe schaffen. Denn in der Vagina wimmelt es nur so von Bakterien. Und einige von denen befinden sich auch im Joghurt. Werden sie verzehrt, stärken sie die Scheidenflora. Doch auch eine übertriebene Intim-Hygiene kann zu genitalen Irritationen führen. Denn dadurch kann es beim Sex manchmal zu Reizungen, Juckreiz oder Schmerzen kommen. Nachzuvollziehen ist es aber: Denn direkt unter der Haut der Schamlippen sitzen kleine Drüsen, die Öl und Schweiss absondern. Beides braucht die Vagina, um sich in hitzigen Momenten selbst herunterzukühlen und unangenehmer Reibung vorzubeugen. Hätten Sie gewusst, dass die Vagina und ein Hai etwas gemeinsam haben? Squalen - ein organischer Stoff - kommt sowohl im Lebertran verschiedener Haie als auch im Sekret des weiblichen Geschlechts vor. Es dient als natürliches Gleitmittel der Scheide und spendet viel Feuchtigkeit. Das natürliche Milieu der Scheide besitzt übrigens – wie Wein – einen pH-Wert von 4,0 und ist damit also eher sauer. Krankheitserreger werden dadurch besser abgewehrt. Die Bezeichnung Vagina stammt übrigens aus dem Lateinischen und bedeutet Scheide im Sinn einer Schwertscheide. Sinnbildlich steckt also der Mann sein Schwert in die Scheide der Frau.

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Liest man die Gebrauchsanweisung eines Vagina-Sticks wie Secret Ceres, könnte man meinen, einen wahren Zauberstab vor sich zu haben.

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Optisch eine Mischung aus Weisswurst, Tafelkreide und Dildo, soll der zigarrenförmige Stab ein- bis zweimal pro Woche «für maximal zwei Minuten» in die Scheide geschoben werden. Dort soll er so ziemlich alles verbessern: unter anderem den Geruch, die Feuchtigkeit und Straffheit.

Möglich machen sollen das Ayurveda-Inhaltsstoffe wie Granatapfelextrakt, Tropfsteinkristalle und Porzellanerde.

«Was es ist, weiss ich nicht»

Es gibt Frauen, die schwören darauf. Eine 20-Minuten-Leserin, die anonym bleiben möchte, berichtet von einem Kribbeln nach dem Einführen und davon, dass der Stick sich mit der Zeit auflöst.

«Ein paar Tage nach der Anwendung finde ich in meiner Slipeinlage rötlich-braunen Schleim. Was es ist, weiss ich nicht. Ich denke, der Stab regt die Erneuerung der Schleimhaut an», sagt die junge Frau, deren ganzen Erfahrungsbericht Sie in der folgenden Bildstrecke finden.

«Auch heute nutze ich den Stab immer wieder»

Gesunde Scheide reinigt sich selbst

Experten sind sich dagegen einig, was von Vagina-Sticks zu halten ist, wie Cornelia Betschart, Oberärztin der Klinik für Gynäkologie am Universitätsspital Zürich, im Interview erklärt.

Frau Betschart, ist es möglich, dass ein Stick die beschriebenen Eigenschaften hat?
Solche Versprechen haben keinen medizinischen Hintergrund. Die Wirkung dieser Sticks ist nicht wissenschaftlich belegt und solche Anpreisungen sind kritisch zu betrachten. Aber auch nachteilige Wirkungen sind nicht untersucht. Es handelt sich beim Stick weder um ein Medizinalprodukt noch um ein Arzneimittel. Bekannt ist, dass einführbare Gegenstände schon seit dem Altertum zur Luststeigerung angepriesen werden.

Wie sind die Inhaltsstoffe zu bewerten?
Einigen Pflanzeninhaltsstoffen werden antientzündliche Wirkungen zugesprochen. Die Wirkung auf die Scheide wurde so aber nicht getestet. Auf einigen Websites wird versprochen, dass die Scheide mit solchen Sticks trockener wird, was für eine gesunde Scheidenflora sogar nachteilig wäre.

Braucht es solche Sticks überhaupt?
Nein. Eine gesunde Scheide ist perfekt in der Lage, sich selber sauber zu halten.

Welche Alternativen gäbe es, um die beschriebenen Effekte zu erzielen?
Aktivität, Sport und ein gesunder Lebensstil ohne zu viel Stress sind für eine gesunde Scheidenflora wichtig. Auch eine gezielte Beckenbodenphysiotherapie kann helfen. In seltenen Fällen braucht es Medikamente oder gar einen chirurgischen Eingriff.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • E.B am 05.06.2019 23:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage Antwort 5

    Mit dem Kärcher

  • divinemothertree am 06.06.2019 01:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ladys pflegt euch richtig!

    Ich wasche meine Intimzone nur mit lauwarmem Wasser, nur einige Sekunden mit der Brause. Jeden Tag Unterwäsche wechseln und nur Baumwolle. Meine Scheide riecht neutral/nach nichts, mein Freund liebt es. Die Vagina hat ihren eigenen pH-Wert und reinigt sich selber, alle äusseren Einwirkungen sind pures Gift! Gestank, brennen, jucken, Pilze usw. habe ich nochnie erlebt, weil ich dies schon mein ganzes Leben so handhabe. Finde es schlimm, dass solche Intimpflegezeugs überhaupt auf den Markt darf.

  • Autofahrer am 05.06.2019 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte um Aufklärung...

    Wenn kein Gemüse in die Vagina gehört......wie wird dann eine Vegetarierin/ Veganerin schwanger.....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Unglaublich am 06.06.2019 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    na sowas

    Es gibt Menschen denen kann man einfach alles verkaufen...

  • Dä Jesus am 06.06.2019 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eso Spinner...

    Ein bischen Indisch, ein bischen Hokus Pokus etwas Show und fertig ist das Geschäftsmodell.

  • Thomas am 06.06.2019 01:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vagina der Frau

    Dies darf natürlich jede Frau für sich selber entscheiden. Eigentlich gibt es, genau genommen, nur eine Sache die in die Vagina einer Frau gehört. Kleiner Tipp: es dient unter anderem für die Fortpflanzung.

  • divinemothertree am 06.06.2019 01:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ladys pflegt euch richtig!

    Ich wasche meine Intimzone nur mit lauwarmem Wasser, nur einige Sekunden mit der Brause. Jeden Tag Unterwäsche wechseln und nur Baumwolle. Meine Scheide riecht neutral/nach nichts, mein Freund liebt es. Die Vagina hat ihren eigenen pH-Wert und reinigt sich selber, alle äusseren Einwirkungen sind pures Gift! Gestank, brennen, jucken, Pilze usw. habe ich nochnie erlebt, weil ich dies schon mein ganzes Leben so handhabe. Finde es schlimm, dass solche Intimpflegezeugs überhaupt auf den Markt darf.

  • Vogel am 06.06.2019 00:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komische Aussage

    "Soll heissen: In die Vagina gehört genau nichts" wie sollen denn Kinder gezeugt werden? Somit also nur noch künstliche Befruchtung. Erfreuliche Zukunft!