Anästhesie-Gase

14. April 2015 16:44; Akt: 14.04.2015 16:44 Print

Medizinische Eingriffe sind schlecht fürs Klima

Nicht nur Methangas und FCKW sind Klimakiller. Forscher haben einen weiteren Umweltsünder ausgemacht: Gase, die zur Narkose verwendet werden.

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Die Menge der Anästhesiegase in der Atmosphäre hat in den letzten Jahren zugenommen. Dies weisen Schweizer Forschende erstmals mit Messungen unter anderem in Zürich und auf dem Jungfraujoch nach. Ob bestimmte Gase vom Markt genommen werden sollten, ist umstritten.

Anästhesiegase aus der Gruppe der Flurane kommen zwar in viel geringeren Mengen als Kohlendioxid (CO2) vor, kurbeln jedoch den Treibhauseffekt um ein Vielfaches stärker an, heisst es in einer Mitteilung der American Geophysical Union. Ein Kilo Desfluran zum Beispiel erwärmt das Klima so stark wie 2500 Kilo CO2.

Messungen statt Schätzungen

Das Team um Martin Vollmer von der Materialprüfungsanstalt Empa hat diese Stoffe nun sogar in der Antarktis nachgewiesen. Erstmals basieren die Schätzungen zu den Betäubungsgasen nicht auf Verkaufszahlen, sondern auf effektiven Messungen in der Atmosphäre, wie die Forschenden im Fachjournal «Geophysical Research Letters» berichten.

In die Analyse flossen Daten aus abgelegenen Weltregionen seit dem Jahr 2000 ein, etwa einer Antarktis-Forschungsstation oder vom Eisbrecher Aaron im Nordpazifik. Seit 2013 erheben die Forschenden zudem zweistündlich die Konzentration dieser Gase auf dem Jungfraujoch in den Alpen und auf einem Hausdach in Zürich.

Die daraus errechneten, weltweiten Schätzungen ergeben, dass die Menge der Anästhesiegase in der Atmosphäre seit 2000 zugenommen hat. Das Klimagas Lachgas haben die Forscher bewusst ausgelassen, da es dafür auch andere Quellen als Operationssäle gibt.

Klimagase vom Markt

Im Vergleich seien Betäubungsgase zwar kleine Akteure beim Klimawandel, kommentiert der Anästhesist Jodi Sherman von der Yale Universität den Fachartikel. Da der Klimawandel aber ein grosses Gesundheitsproblem darstelle, gezieme es sich für den Gesundheitssektor, es besser zu machen.

Er schlägt vor, zumindest das stärkste Klimagas Desfluran vom Markt zu nehmen. Andere Anästhesisten widersprechen: «Manche von uns glauben, dass Desfluran klinische Vorteile hat», urteilt Edmond Eger von der Universität von Kalifornien in San Francisco.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hanspeter am 14.04.2015 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Op ohne Narkose

    Super, ab sofort werden alle Grünen und sonstigen Klimahysteriker ohne Narkose operiert!!! Die müssen schliesslich mit gutem Beispiel vorangehen...

    einklappen einklappen
  • Yves am 14.04.2015 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    Reissen muss der Titel

    Sorry aber was soll denn das? Lachgas ist nicht das einzige Anästhesiegas. Für alle anderen werden mit jedem Verdampfer für Anästhesiegase auch Absorber genutzt. Aber klar der Titel muss reissen - "Medizinische Eingriffe" -- sehr allgemein gehalten, dafür umso dramatischer.

  • smartphonetester am 14.04.2015 23:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer AKWs

    wieso werden immer kühltürme von AKWs bei co2 austoss gezeigt. ich stand schon einige mahl in einem kühlturm und dort wird Wasserdampf ausgestossen....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Maffay am 15.04.2015 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Für die Umwelt und für den Menschen nicht gesund, aber besser als zu sterben oder qualvoll zu leben.

  • smartphonetester am 14.04.2015 23:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer AKWs

    wieso werden immer kühltürme von AKWs bei co2 austoss gezeigt. ich stand schon einige mahl in einem kühlturm und dort wird Wasserdampf ausgestossen....

  • Anästhesie Pflege am 14.04.2015 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Text

    Also aus dem Text kann man entnehmen dass in Zürich erst seit 2013(!!!) regelmässig gemessen wird....die Analyse wurde aus "abgelegenen Gegenden dieser Erde" ausgewertet.....ich finde solche Analysen sollten doch ein bisschen fundierter sein um sie mit solch reisserischen Schlagzeilen dem breiten Publikum zu präsentieren!

  • Anästhesie am 14.04.2015 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2015

    Es wird zum grössten Teil im Anästhesiealltag mit intravenösen Narkosemittel gearbeitet (Disoprivan/Ultiva). Falls Anästhesiegase zum Einsatz kommen (meistens dann Sevoflurane oder Desfluran) werden sie durch einen C02 Absorber und Wandsaugung abgeleitet . Da Gasnarkosen in den letzten Jahren schweizweit enorm abgenommen und die Technik der Geräte perfektioniert wurden, verwundert mich diese "Analyse" sehr.....

  • Heinz Maier am 14.04.2015 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    Mensch vor Umwelt

    Wenn dabei ein Leben gerettet werden kann ist mir dieses Gas völlig egal.