Neue Studie

14. Februar 2020 02:59; Akt: 14.02.2020 02:59 Print

Meeresspiegel könnte mehr als erwartet steigen

Auf lange Sicht könnte das schmelzende Eis der Antarktis den Meeresspiegel um mehrere zehn Meter anheben. Davon gehen Wissenschaftler in einer neuen Untersuchung aus.

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Die Folgen der Eisschmelze in der Antarktis für den Anstieg des Meeresspiegels könnten bereits in diesem Jahrhundert deutlich stärker ausfallen als bisher erwartet. Laut der neuen Studie eines internationalen Wissenschaftlerteams könnte bis 2100 allein dieser Faktor einen Anstieg um 58 Zentimeter bewirken.

Allerdings gibt es bei den Prognosen der Experten hinsichtlich der Antarktis eine grosse Bandbreite, so Leitautor Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) am Freitag. Bei unvermindertem Treibhausgasausstoss liege der wahrscheinliche Effekt für den Anstieg des Meeresspiegels zwischen sechs und 58 Zentimetern, heisst es in der Studie. Gelinge es dagegen, die Emissionen rasch zu verringern, liege die Spanne zwischen vier und 37 Zentimetern.

«Der Antarktis-Faktor erweist sich als die grösste Unbekannte, aber dadurch auch als das grösste Risiko für den Meeresspiegel weltweit», erklärte dazu Levermann. Er betonte, die neuen Forschungsergebnisse lieferten vor allem wichtige Informationen für den Küstenschutz. Eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt es demnach, dass der Wert von 58 Zentimetern nicht überschritten wird.

New York geht unter

«Je mehr Computersimulationsmodelle wir verwenden, die alle leicht unterschiedliche dynamische Repräsentationen des antarktischen Eisschildes sind, desto grösser ist die Bandbreite der Ergebnisse, die wir bekommen - aber desto robuster sind auch die Schätzungen, die wir der Gesellschaft liefern können», erklärte Ko-Autorin Sophie Nowicki vom Nasa Goddard Space Flight Center. Zwar gebe es «immer noch grosse Unsicherheiten», doch sei es gelungen, das Verständnis des grössten Eisschildes der Erde beständig zu verbessern.

Auf längere Sicht, also in den kommenden Jahrhunderten bis Jahrtausenden, hat das Abschmelzen des antarktischen Eisschildes der Studie zufolge das Potenzial, den Meeresspiegel um mehrere zehn Meter anzuheben. «Was wir mit Sicherheit wissen ist, dass das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas die Risiken für die Küstenmetropolen von New York bis nach Mumbai, Hamburg oder Shanghai weiter in die Höhe treibt», warnte Levermann.

Antarktis wird beherrschender Faktor

Bisherige Prognosen zum Anstieg des Meeresspiegels aufgrund der globalen Erwärmung berücksichtigten vor allem die thermische Ausdehnung des sich erwärmenden Meerwassers sowie schmelzende Gebirgsgletscher als wichtigste Faktoren für den Anstieg des Meeresspiegels. Auch das Abschmelzen des grönländischen Eisschilds spielt eine Rolle.

Den jetzt in der Zeitschrift Earth System Dynamics der Europäischen Geowissenschaftlichen Union (EGU) veröffentlichten neuen Forschungsergebnissen zufolge dürfte jedoch der Anteil der Antarktis bereits in absehbarer Zeit zum wichtigsten Faktor werden.

Alle Faktoren zusammen ergeben dann das Gesamtrisiko des Meeresspiegelanstiegs. «Die Einbeziehung der anderen Beiträge zum Meeresspiegelanstieg von Grönland, Gebirgsgletschern und der Ausdehnung der Ozeane kann zu einem Meeresspiegelanstieg bis zu 150 Zentimeter führen», sagte Levermann der Nachrichtenagentur AFP mit Blick auf den Zeitraum bis Ende des Jahrhunderts. In den zurückliegenden 100 Jahren hatte es einen Anstieg um insgesamt etwa 19 Zentimeter gegeben.

(roy/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christian Z. am 14.02.2020 04:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich sag ja nur....

    Weswegen gibt es Fossilien von Meerestieren in der Wüste und hoch oben in den Bergen? 1. Weil Berge wachsen - 2. Weil Berge verfallen - 3. Weil es früher auch schon anders war als heute - 4. die Erde lebt und sich stetig verändert, auch ohne uns Menschen! Und zu 95% sind nicht die pubsenden Pflanzenfresser oder die Karnivoren von früher daran Schuld ah schau an, es gab ja auch damals noch gar keine Menschen .... wer hätte das gedacht.... und das Rad ist auch nich nicht so alt als dass es damals Schuld am Desaster hätte sein können.... Überlegt einfach mal genauer was die Erde schon sah...

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  • Expat am 14.02.2020 03:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu dicht besiedelt

    Man hätte Städte schon gar nie so nahe ans Meer bauen sollen aber der Mensch dachte immer, er könne die Natur beherrschen. Zudem wird mit der Überbevölkerung der Platz immer weniger und Städte entstehen, wo gar keine hingehören. Das sollte aufhören.

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  • mein kommentar am 14.02.2020 03:25 Report Diesen Beitrag melden

    wowww ...

    ... jetzt aber blitzschnell billiges land und bestehende liegenschaften an den küsten der weltmeere kaufen - think!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lalala am 16.02.2020 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ooh Herr Leverman

    Jetzt überspannt ihr den Bogen der seriösen Wissenschaft aber gewaltig mit solch einer Behauptung! Wenn es denn auf der Erde so warm werden würde, was würde wohl mit dem Wasser auf der Erde passieren!? Genau es würde verdampfen und in die Atmosphäre steigen dort würde es zu Wolken kondensieren, durch den Sog so weit hoch steigen bis in die Stratosphäre, den Himmel abdecken und uns eine neue Eiszeit bescheren!

  • Dietmar N. am 15.02.2020 23:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Koch

    jetzt ist die Erde zu 2/3 von Wasser bedeckt , dann würde ich sagen die wissenschaftler sagen nicht das Richtige , den so viel Eis gibt es nicht mehr auf der Erde das der Wasserspiegel um bis zu 10 meter ansteigen kann , das Eis unter Wasser gibt nicht viel mehr Wasser

  • Fisherman's Friend am 15.02.2020 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    hoch auf Pfählen überm Wasser

    Da gibt's wohl nur noch eine Lösung, zurück zu den Pfahlbauern! Hoch überm Wasser, da lasst sich's leben.

  • Ruckartige Wasserpegel garantiert am 15.02.2020 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Auf jedenFall steigt das Meer

    jeweils bis zum Strand an der Küste ; bestimmte tektonischen Platten sinken während andere heraufgepresst werden; logischerweise werden dadurch gewisse Gebiete unter Wasser geraten.

  • Kreta am 15.02.2020 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    cool

    dann ist die Antarktis wieder grün und wird wieder zu einem Tropenwald wie vor 1mio Jahren. Fazit, Klimawandel abgeschlossen.