Fliegendes Tschernobyl

14. August 2019 21:50; Akt: 15.08.2019 08:28 Print

Was wir zum mysteriösen Atom-Unfall bisher wissen

von Fee Riebeling - Nach der Explosion eines Raketenmotors mit sieben Toten in Russland herrscht Unsicherheit über die Folgen. Das ist bisher bekannt.

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Nach bisherigem Kenntnisstand wollte das russische Militär am vergangenen Donnerstag wohl einen neuen, atomar betriebenen Marschflugkörper des Typs SSC-X-9 Skyfall testen, welchen die russische Zeitung «Novaja Gaseta» als «fliegendes Tschernobyl» bezeichnet.

Der Versuch scheint jedoch schiefgelaufen zu sein. Es kam zu einer Explosion mit – je nach Quelle – fünf bis sieben Toten. Die Opfer sollen allesamt für die staatliche Atombehörde Rosatom gearbeitet haben.

Das Unglück soll sich auf einer Plattform im Meer auf dem Testgelände Njonoksa ereignet haben, das rund 30 Kilometer von der Stadt Sewerodwinsk entfernt ist (siehe Bildstrecke). Auf dem Areal werden unter anderem Russlands Atom-U-Boote gebaut.

Wie wurde der Vorfall bekannt?

Nach der Explosion, die weithin sichtbar gewesen sein soll (siehe Video), wurde in der nächst grösseren Stadt Sewerodwinsk ein vorübergehender Anstieg der Radioaktivität gemeldet. Kommuniziert wurde dies in einer mittlerweile wieder gelöschten Stellungnahme der Sprecherin von Sewerodwinsk. Daraufhin hatten sich viele Menschen in der Region mit Jodtabletten eingedeckt, die bei radioaktiver Verstrahlung helfen sollen.


Diese Aufnahmen sollen zeigen, wie heftig die Detonation war.
(Video: Youtube/В МИРЕ БЕЗ ПОЛИТИКИ)

Was macht den Fall so mysteriös?

Eine Rolle spielt dabei sicher die schleppende Kommunikation der russischen Behörden. So wurde etwa erst am Samstag – drei Tage nach dem Vorfall – der atomare Charakter des Unglücks von den Behörden eingeräumt.

Zunächst hatte Rosatom lediglich davon gesprochen, dass in Brand geratener Flüssigtreibstoff explodiert sei. Konkret teilte die Atombehörde mit, seine Beschäftigten seien damit beauftragt gewesen, die «isotopische Energiequelle» für eine Rakete zu betreiben, die auf der Plattform getestet wurde. Dass die in Njonoksa getestete Rakete neben dem Treibstoff offenbar auch eine nukleare Energiequelle hatte, wurde erst eineinhalb Tage später bekannt gegeben.

Auch dass der Hinweis auf erhöhte Radioaktivität in der Region nach kurzer Zeit wieder von der Internetseite der Sewerodwinsker Stadtverwaltung verschwand, ist wenig vertrauensfördernd. Genauso wenig wie die zum Teil gegensätzlichen Aussagen der offiziellen Stellen. Hatte das Verteidigungsministerium in Moskau nach der Explosion am Donnerstag mitgeteilt, die Strahlungswerte seien unverändert geblieben, hiess es aus Sewerodwinsk, dass vorübergehend mehr Radioaktivität gemessen worden sei. Der Umweltschutzorganisation Greenpeace zufolge soll die Strahlung um das Zwanzigfache gestiegen sein.

Was hat es mit der Sturmwarnung auf sich?

Rätselhaft wirkt im Rückblick auch, dass in Moskau offenbar die Ausstrahlung aller TV-Sender am Donnerstagabend unterbrochen wurde. Wie Spiegel.de schreibt, sahen Zuschauer ab acht Uhr während einer Stunde eine Sturmwarnung des Katastrophenschutzministeriums. Darin soll es geheissen haben, man möge die Häuser nicht verlassen. Allerdings blieb der Sturm aus, was Spekulationen geschürt hat.

Zudem haben die Behörden laut der Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf die russische Agentur Tass die Bewohner des Dorfes Njonoksa schriftlich aufgefordert, den Ort vorerst zu verlassen. Dies wurde mit nötigen Massnahmen des Militärs begründet. Ob ein Zusammenhang mit einem Unfall bei einem Raketentest vergangene Woche besteht, ist unklar.

Wie fielen die Reaktionen auf die Meldung aus?

Nach dem Zwischenfall gab es sowohl im In- als auch im Ausland die Befürchtung, dass die offiziellen Stellen in Russland nicht über das wahre Ausmass informiert hätten – so wie schon häufiger in der Vergangenheit.

So machte etwa Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow im Juli 2019 die Hintergründe eines Brandes an Bord eines russischen U-Boots zum Staatsgeheimnis, wie unter anderem Faz.net schreibt. Bei dem Vorfall waren 14 Marine-Soldaten ums Leben gekommen. Das russische Verteidigungsministerium teilte damals mit, der Brand sei rechtzeitig unter Kontrolle gebracht worden, das heisst, bevor der Atomreaktor des U-Boots beschädigt wurde.

Auch als im Herbst 2017 eine radioaktive Wolke über Europa zog, hüllte sich Russland zunächst in Stillschweigen, was Quelle und Ursachen betraf.

Wie hoch war die Strahlenbelastung wirklich?

Fünf Tage nach dem atomaren Unfall auf dem Militärstützpunkt hat die russische Wetterbehörde eine zeitweise höhere radioaktive Strahlung in der Gegend eingeräumt. In der Stadt Sewerodwinsk seien am Donnerstag bis zu 16-mal höhere Werte gemessen worden als gewöhnlich, erklärte die Behörde am Dienstag. Die Werte seien jedoch noch am gleichen Tag wieder in den Normalbereich gesunken.

Ein Messgerät habe, so die Nachrichtenagentur SDA, eine Strahlendosis von 1,78 Mikrosievert pro Stunde gemessen. Der gesetzliche Grenzwert liegt in Russland bei 0,6 Mikrosievert. Normalerweise werden in der Region im Durchschnitt 0,11 Mikrosievert gemessen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) steigt das Krebsrisiko jedoch erst ab 50'000 Mikrosievert.

Nach dem Unfall auf einem russischen Militärgelände wurde erhöhte Radioaktivität gemessen. (Video: AP)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • miru am 14.08.2019 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    menschheit

    die radioaktivität an sich macht mir keine angst... aber die menschheit die damit rum experimentiert schon...

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  • Henri Becquerel am 15.08.2019 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht Äpfel mit Birnen vergleichen

    Mal wieder die Einheiten durcheinander gebracht? Mikrosievert pro Stunde (DosisLEISTUNG) und Mikrosievert (Dosis) sind zwei verschiedene Dinge und können nicht miteinander verglichen werden. Das ist als würde man Geschwindigkeit, km/h, mit Strecke, km, vergleichen: "geblitz wird man ab 50 km/h, aber ich bin nur 30 km weit gefahren"... mach Sinn... nicht!

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  • divinemothertree am 15.08.2019 00:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deja vu?

    Das die Regierung der Bevölkerung keine Infos gibt, was genau vorgefallen ist oder zu tun ist, erinnert mich sehr stark an das Vorgehen bei Tschernobyl. Habt ihr gar nichts daraus gelernt? Es ist einfach traurig, aber nur zu, rottet euch selber aus, der Natur tut's gut...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jerome am 15.08.2019 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Pizza Rakete

    Aber das der "PizzaGate" Skandal sich mittlerweile als Wahr herausgestellt hat, wird nicht gross thematisiert. Epstein, Clinton, Lolitta Express = PizzaGate. Das sollte doch wohl eher thematisiert werden, als das gute Recht Russlands an Waffentechnik zu forschen.

    • Lion am 15.08.2019 16:25 Report Diesen Beitrag melden

      Überrascht

      Binüberrascht, dass dein Kommentar hier gebracht wird...Irgendwannkommt alles ans Licht.

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  • Opfer am 15.08.2019 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Und was macht Greta?

    Fährt in die falsche Richtung mit ihrer Luxusyacht. Damit ist klar, hier will niemand etwas retten, reine Selbstvermarktung.

  • X Perte für schmutizge Bomben am 15.08.2019 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr sehr mysteriös und hoch interessant

    Mich würde eher der Atom-Unfall in Epsteins Zelle interessieren! Genaue Ursache, Hintergründe, Beteiligte, Auswirkungen auf die Flora und Fauna in Politik, Wirtschaft, Nobility, Unterhaltungs- und Medienindustrie. Ach da müsste ja der Bock den Gärtner spielen, mäh!

    • Als er dieses Foto sah am 15.08.2019 13:45 Report Diesen Beitrag melden

      Clinton blieb der Keks im Hals stecken

      Die Leiche auf dem Foto das um die Welt geht ist NICHT Epstein. Kuckt mal genau die Nase und das Ohr an.

    • Sepp am 15.08.2019 15:18 Report Diesen Beitrag melden

      Eppstein bedroht mich nicht

      Eine atomkatastrophe auf unserem kontinent aber massiv! Was bitte soll das eine mit dem anderen zu tun haben?

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  • Fritz am 15.08.2019 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Atom - Unfall

    Nun lieber Leser, oft stören wir uns über die schleppende und verzerrende Orientierung eines Staates. Jedoch hat meiner Ansicht nach, beinahe jeder Staat ein Orientierungsdefizit. Auch die Schweiz, oder wie war das mit der Fichenaffäre, P26, Lucens und so weiter. Wir sind auch nicht besser! Oder Wissen Sie viel mehr, was in unserem Staat alles getan wird?

    • Bananen Alpenrepublik am 15.08.2019 13:47 Report Diesen Beitrag melden

      @Fritz

      Tod durch natürlich Ursache bei gesunden Männern zw. 25-50 Jahre sind durchaus gang und gäbe. (CD Datendieb)

    • Aber ganz diskret bitte am 15.08.2019 13:48 Report Diesen Beitrag melden

      @Fritz

      Wenn "die" wollen geht's dir in der Schweiz wie Epstein.

    • Opfer am 15.08.2019 14:53 Report Diesen Beitrag melden

      Ich weiss

      dass Greta in Lausanne war und nicht verhaftet und weggesperrt wurde. Versagen eines Staates!

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  • Joe Bachmann am 15.08.2019 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Alibi Umweltschutz in der Schweiz

    Den Bürgern werden Milliarden für den Klimaschutz aus den Taschen gezogen, damit die Welt gerettet werden könne. Und dann sehe ich diese riesige sichtbare und unsichtbare Verschmutzung.