Peru

07. März 2019 14:40; Akt: 07.03.2019 14:40 Print

Mehr als 130 Kinder wegen El Niño massakriert

Letzten Frühling machte der Fund von Dutzenden Kinderskeletten in Peru Schlagzeilen. Nun haben Forscher den möglichen Grund für die Morde gefunden.

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2011 wurden erste Überreste eines Massengrabes im nordperuanischen Ort Huanchaquito-Las Llamas gefunden. Bei den gefundenen Überresten dürfte es sich um das grösste Kinderopfer-Ritual der Welt handeln, wie ein Forscherteam um den peruanischen Archäologen Gabriel Prieto berichtet. Demnach wurden die Kinder vor rund 550 Jahren offensichtlich während einer Opfergabe der vorspanischen Kultur Chimú getötet. Viele der gefundenen Skelette wiesen Schnitte am Brustbein und Ausrenkungen im Rippenbereich auf, was auf eine rituelle Praxis zur Entnahme des Herzens schliessen lasse, vermuten die Forscher aus Peru und den USA. Nun gibt es bei der Frage, weshalb so viele Kinder auf so brutale Art und Weise geopfert wurden, neue Erkenntnisse. Demnach dürfte zu der Zeit das Klimaphänomen El Niño zu sintflutartigen Regenfällen geführt haben, die verheerende Überschwemmungen und Erdrutsche zur Folge hatten. Den entscheidenden Hinweis auf El Niño fanden die Forscher in Form einer dicken Schlammschicht über dem Sand, in dem die Opfer begraben waren. Im Schlamm fanden sie auch die Abdrücke von Sandalen von Erwachsenen (l.), Fussspuren von Kindern (m.), die barfuss unterwegs waren, und von Lamas (r.). Insgesamt fanden die Forscher bei den Grabungen von 2011 und 2016 137 vollständige Kinder- und mehr als 200 Lamaskelette. Die Kinder wurden mit dem Gesicht Richtung Meer begraben, die Lamas dagegen mit Blick Richtung Anden. Die Fundstätte befindet sich im nordperuanischen Ort Huanchaquito-Las Llamas an der Pazifikküste.

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Vor 550 Jahren fand in Peru das grösste bekannte Kinderopfer-Ritual der Welt statt. Über 130 Mädchen und Jungen im Alter von 5 bis 14 Jahren wurden den Göttern der Chimú-Kultur geopfert. 2011 wurden erste Überreste von spielenden Kindern entdeckt, worauf eine grossangelegte Ausgrabungsaktion anlief.

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Neben den Kinderskeletten stiessen die Forscher auch auf die Überreste von mehr als 200 jungen Lamas. Die Knochenreste wurden in rund 300 Meter Höhe über dem Meeresspiegel im nordperuanischen Ort Huanchaquito-Las Llamas gefunden. Unweit des Fundorts liegen die Ruinen der Stadt Chan Chan.

Viele der gefundenen Skelette wiesen Schnitte am Brustbein und Ausrenkungen im Rippenbereich auf, was auf eine rituelle Praxis zur Entnahme des Herzens schliessen lasse, vermuten die Forscher aus Peru und den USA. «Es handelt sich um eine Opfergabe in Form eines systematischen Rituals», zitierte «National Geographic» 2018 den leitenden Archäologen, John Verano von der Tulane University in den USA.

Sintflutartige Regenfälle

Nun gibt es bei der Frage, weshalb so viele Kinder auf diese brutale Art und Weise geopfert wurden, neue Erkenntnisse, wie die Forscher im Fachjournal «Plos One» schreiben. Forscher um den Archäologen Gabriel Prieto sind zum Schluss gekommen, dass das Kinderopfer eine letzte verzweifelte Antwort auf das verheerende Klimaphänomen El Niño war. «Bei dem, was wir hier in Huanchaquito-Las Llamas vor uns haben, dürfte es sich um eine Opfergabe handeln, um sintflutartige Regenfälle, Überschwemmungen und Erdrutsche zu stoppen», sagte Verano der «New York Times».

Den entscheidenden Hinweis auf El Niño fanden die Forscher in Form einer dicken Schlammschicht über dem Sand, in dem die Opfer begraben waren. Da die Gegend eine Wüste ist, deutet die Schlammschicht auf eine Periode starker Regenfälle hin, wie sie durch El Niño verursacht werden. Durch Überschwemmungen wurden damals Ernten vernichtet, Fischbestände dezimiert und Menschen weggeschwemmt.

Als Reaktion auf diese katastrophalen Ereignisse dürften die rituellen Massentötungen schliesslich von den Mächtigen im Chimú-Staat befohlen worden sein. Damit wollten sie nicht nur die Götter besänftigen, sondern auch politische Zeichen setzen, wie die Bioarchäologin Tiffiny Tung der «New York Times» sagte. Die Führer konnten zeigen, wie weit sie gehen wollten, um die Katastrophe abzuwenden. Und sie erinnerten mit dem Massaker alle daran, wie viel Macht sie über ihr Volk hatten.

(jcg/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brain Bug am 07.03.2019 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit den Religionen!

    Religionen und die davon profitierenden Pristerkasten, waren zu keiner Zeit ein Segen.

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  • Ptui am 07.03.2019 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Nette Götter

    Nichts verursacht mehr Tote und Leid als Religionen.

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  • Antropologe am 07.03.2019 14:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kultur des Tötens...

    ....ist für mich keine Kultur sondern, ein Massenmord an Kindern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mayra Schmid am 12.03.2019 00:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Opfergaben

    Ich komme aus peru und bin selbst dort aufgewachsen. Mein grossvater ist ein nachfahrer der inkas, es wahr üblich für damals das man dies tat und die opfer waren geehrt geopftert zu werden da man ihnen verprach das sie einen besseren leben in jemzeits haben werden. Damals war es üblich aber heut zu tage ist das wirklich sehr schecklich. Heute gibt es witerhin opfergaben aber dies sind meist mit koka blätter und andere sachen.

  • Dani B. am 08.03.2019 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Nun, warum sind die Skelette...

    ...UNTER der Schlammschicht?

    • Jake am 11.03.2019 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani B.

      Es wäre gut möglich, dass man die Toten vergraben hat. Dadurch liegen sie in einer tieferen Erdschicht, welche sich noch vor dem Regen gebildet hat

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  • _uhu am 08.03.2019 22:40 Report Diesen Beitrag melden

    Der kleine, lebensrettende Unterschied..

    ..zwischen Religion und Glauben.

  • m.s. am 08.03.2019 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Furchtbar

    Kriege hat es schon immer gegeben wegen der Religion. Das ist heute immer noch so. Religion, Macht und Geld dass sind die Gründe für Kriege.

  • Ivan ell corrector am 08.03.2019 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Doppeldeutigkeit

    2011 wurden erste Überreste von spielenden Kindern entdeckt, worauf eine grossangelegte Ausgrabungsaktion anlief.. Wie wusste man, dass die Kinder am Spielen waren, als sie umgebrachtes wurden?

    • Daniel Rot am 08.03.2019 16:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Ivan ell corrector

      Du hast es falsch gelesen. Es waren spielende Kinder, welche die Überreste fanden.

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