Laos

07. Juni 2011 21:10; Akt: 26.07.2011 17:26 Print

Mit Käfer und Ameisen gegen die Hungersnot

Ein UNO-Ernährungsexperte will Insekten als weltweite Nahrung lancieren. Für ihn haben die Vielbeiner einige Vorteile.

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Serge Verniau will die Menschen überzeugen, von Steaks und Chicken Wings auf den Verzehr von Grillen, Rüsselkäfern und anderen Insekten umzusteigen. Der Ernährungsexperte vertritt das mit Mangel- und Unterernährung kämpfende Laos bei der UNO-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO).

Sein Traum - wenn auch nur halb ernst gemeint - ist es, «die grossen Metropolen von Tokio bis Los Angeles über Paris» mit den Krabbeltieren zu ernähren. Bei einer Konferenz zu essbaren Insekten, die möglicherweise schon 2012 stattfindet, will er der Welt die bei einem Pilotprojekt gewonnenen Erkenntnisse präsentieren.

«Die Mehrheit der Weltbevölkerung wird in städtischen Ballungszentren leben», sagt Verniau. «Es wird nicht gelingen, den ganzen Planeten mit ausreichend Proteinen von Kühen zu ernähren.»

Dass sein Traum in Laos entstand, einem der ärmsten Länder der Welt, ist kein Zufall. Knapp ein Viertel der sechs Millionen Einwohner und beinahe 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren leiden an Unterernährung, wie aus der Statistik der laotischen Regierung hervorgeht.

Die typische, auf Reis basierende Ernährung bietet nur unzureichend Nährstoffe. Dieses Manko könnte mit dem Verzehr von protein- und vitaminreichen Insekten aus dem Weg geräumt werden, sagt Verniau.

Suche nach billigem Insekten-Futter

Gegrillt oder gebraten seien Insekten bereits Teil der laotischen Küche, sagt Udom Phonekhampheng von der landwirtschaftlichen Fakultät der staatlichen Universität Laos. Die meisten Menschen wüssten jedoch nicht, wie sie Insekten züchten können. Neben Hausgrillen versuchen sich die Wissenschafter an der Aufzucht von Mehlwürmern, Rüsselkäfern und bestimmten Ameisenarten.

In einem Versuch, die Kosten der Fütterung zu reduzieren, wird mit verschiedenen Futtermöglichkeiten für die Insekten experimentiert, wie der thailändische Insektenkundler Jupa Hanbunsong erklärt. Bislang wurde auf den etwa 20 Grillenfarmen in Laos Hühnerfutter verwendet; dieses ist aber teuer und muss importiert werden.

Gemüse oder Abfallreste, die beim Bierbrauen anfallen, könnten eine Lösung sein, sagt Jupa. Neben dem Kampf gegen Unterernährung könnte die Zucht auch dazu dienen, den Bauern ein neues einträgliches Geschäftsfeld zu eröffnen.

«Grünes Protein»

«Die Insektenzucht ist weniger schädlich für die Umwelt», sagt Insektenkundler Jupa. «Es ist ein grünes Protein.» Befürworter sind überzeugt, dass die Nährstoff- und Umweltvorteile auch über Laos hinaus von Nutzen sein könnten - insbesondere in anderen Entwicklungsländern, in denen die Menschen an den Verzehr von Zikaden und Heuschrecken gewöhnt sind.

So könne beispielsweise aus Grillen ein proteinreiches Pulver gemacht werden, sagt UNO-Ernährungsexperte Verniau: «Es ist fettarm und könnte in Regionen, die auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind, Keksen beigemischt werden.»

Die Hoffnung, selbst Skeptiker im Westen von seinem Traum zu überzeugen, hat Verniau nicht aufgegeben: «Ob Shrimp oder Grille, bei genauem Hinschauen hat beides doch denselben Reiz.»

(sda)