Pilze, Bakterien, Krebs

30. Juli 2018 22:09; Akt: 30.07.2018 22:09 Print

Mit Shellac können Sie Ihre Nägel ruinieren

Nicht nur im Sommer ist Shellac, der bis zu vier Wochen halten soll, verlockend. Aber wie gut ist dieser Lack für die Nägel?

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Drei Monate lang waren diese Nägel mit Shellac überzogen – dafür sehen sie noch ziemlich gut aus. Denn mitunter kann es nach Entfernung des Shellacs auch so aussehen. Das zeigt: So harmlos wie es die bunten Farben vermuten lassen, ist eine Shellac-Maniküre nicht. Im Grunde genommen birgt jeder Schritt Risiken. Zwar werden die Nägel weniger stark angeraut als bei klassischen Gel-Maniküren, dennoch können die Nägel – und auch die Nagelhaut – dabei Schaden nehmen. Mögliche Folgen sind Bakterien- und Pilzinfektionen sowie Nagelbettentzündungen. Besonders gross ist das Risiko, wenn man nicht bei jedem Kunden eine neue Feile nimmt. Ein weiteres Problem: Die Farblage auf den Nägeln behindert den normalen Wasserdampfaustausch und schafft so ein ideales Treibhausklima für die Erreger. Die in den Shellac-Farben enthaltenen Substanzen können Kontaktallergien und -ekzeme auslösen – an Fingern und Nägeln, aber auch an anderen Körperteilen, die mit dem Allergen in Berührung kommen. Zudem fördert es die Entstehung von Hautkrebs. Dies wegen des in der Regel für die Härtung der Farben verwendeten UV-Lichts. Laut US-Forschern reichen bereits acht Behandlungen mit einer UV-Lampe aus, um die DNA in der Haut zu beschädigen – Auch das Entfernen des Shellac ist nicht ganz ohne. Denn um die Farbe von den Nägeln zu bekommen, müssen diese entweder rund zehn Minuten in konzentriertem Aceton eingeweicht oder von einem Nagelprofi mit Feile oder Fräse vom Lack befreit werden. Beides birgt jedoch Risiken: Während ein Acetonbad die Nägel extrem entfettet, wodurch diese porös und anfällig für Keime werden, kann durch die mechanische Entfernung die Nagelplatte empfindlich beschädigt werden. Im schlimmsten Fall wachsen die Nägel verformt nach. Die Farbe stattdessen immer wieder aufzufüllen, ist laut Dermatologen auch keine gute Alternative. Denn zwischendurch sollte man seinen Nägeln immer ein wenig Pause gönnen, damit sie sich erholen. Doch auch wenn die Nägel nicht lackiert sind, sollten einige Dinge beachtet werden. Finger im Mund sind ungesund: Weil unter den Fingernägeln zahlreiche Bakterien stecken, sollten Nagelkauer wie Britney Spears ihre Leidenschaft besser schnell aufgeben. Dass sich das lohnt, haben gezeigt. 2007 untersuchten sie den Speichel von Probanden auf E.-coli-Bakterien, die Durchfall und Übelkeit auslösen können. Das Ergebnis: 76 Prozent der Nägelkauer wurden positiv getestet, bei den Nicht-Kauern waren es nur 26,5 Prozent. Eine der ersten Studien zu diesem Thema führten 1988 Forscher der University of Pennsylvania durch. Sie analysierten die Hände von 26 Erwachsenen. Ihr Fazit: Zwischen Nagel und Fingerkuppe verstecken sich zwar <a href="http://jcm.asm.org/content/26/5/950.short" target="_blank">die gleichen, aber deutlich mehr Erreger</a> als auf jedem anderen Teil der Hand. Dass sich die Mikroorganismen unter den Nägeln derart ansammeln, liegt laut den Forschern daran, dass die unter den Nägeln sitzende Feuchtigkeit die perfekten Bedingungen zur Vermehrung bietet, und daran, dass der Nagel die Bakterien wie ein Regenschirm vor Einwirkung von aussen schützt. Künstliche Nägel verschärfen das Problem weiter, wie eine mit Krankenschwestern zeigt. Demnach trugen diejenigen mit Plastik-Krallen deutlich mehr Erreger mit sich herum als jene, die ihre Hände natürlich hielten. Ob sie deshalb mehr Bakterien ... ... auf die Patienten übertragen, konnten die Forscher damals nicht sagen. Sicherheitshalber rieten sie Spitalangestellten aber, punkto Nageldesign auf Natürlichkeit zu setzen. Denn auch Handschuhe lösten das Problem kaum, weil sie durch die künstlichen, meist längeren Nägel schneller reissen würden. Doch wie verhält es sich mit kurzen, aber lackierten Fingernägeln? Dieser Frage gingen 1993 Pfleger des Johns Hopkins Hospitals in Baltimore nach. Dafür unter lackierten Kunst- und farbigen Naturnägeln jeweils vorm Auftragen der Politur und vier Tage danach. Dabei zeigte sich, dass Nagellack auf natürlichen Nägeln deutlich weniger problematisch ist, als jener auf künstlichen Krallen. Obwohl unter den Fingernägeln derart viel los ist, muss man sich vor seinen eigenen nicht ekeln. Denn gegen das Treiben an den Fingerkuppen hilft vor allem eins: Anständige Hygiene. Wie man den Bakterien am besten zu Leibe rückt, erklärten 2002 Forscher von der University of Georgia. Sie hatten Probanden winzige Fleischpartikel unter die Nägel geschoben und sie gebeten, diese zu reinigen. Dabei zeigte sich, dass deutlich mehr Bakterien verschwanden, wenn die Hände nicht nur gewaschen, sondern auch mit der Nagelbürste behandelt wurden. Richtig rein wurden dabei allerdings auch nicht alle, sondern nur die kurzen Nägel. Je länger sie waren, desto mehr Bakterien fanden die Forscher am Schluss noch.

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Wer seine Fingernägel farbig mag, muss bei herkömmlichem Nagellack vor allem geduldig sein. Denn bis Unterlack, Farbe und Top-Coat getrocknet sind, vergeht einige Zeit. Und das ist noch nicht alles. Denn so lange das Auftragen dauert, so schnell nutzt sich der Lack auch wieder ab – und die Prozedur beginnt von vorn.

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Deshalb setzen viele Frauen statt auf normalen Nagellack auf die deutlich länger haltbare und zurzeit angesagte Shellac-Variante (siehe Box). Bis zu vier Wochen sollen die Nägel makellos bleiben. Doch so harmlos, wie die bunten Farben erscheinen, sind sie nicht. So gut wie jeder Schritt birgt Risiken.

Lack lässt Keime gedeihen

Zwar werden die Nägel anders als bei klassischen Gel-Maniküren bei jenen mit Shellac nicht ganz so stark mit einer Feile angeraut, dennoch können die Nägel – und auch die Nagelhaut – dabei Schaden nehmen. Mögliche Folgen sind Bakterien- und Pilzinfektionen sowie Nagelbettentzündungen.

«Diese treten vor allem dann auf, wenn die Nägel mit viel Feuchtigkeit in Berührung kommen. Kunstnägel begünstigen das Eindringen von Erregern wie Bakterien und Pilzen noch, da sie keine Luft an den natürlichen Nagel lassen», erklärt Siegfried Borelli vom Dermatologischen Ambulatorium des Zürcher Stadtspitals Triemli. «Zudem sind solche Nägel meist lang, wodurch man leichter irgendwo hängen bleibt.» Dadurch entstehen weitere Eintrittsöffnungen in Form von kleinen Verletzungen.

Gesteigerte Hautkrebsgefahr

Die in den Shellac-Farben enthaltenen Substanzen selbst können Kontaktallergien und -ekzeme auslösen – an Fingern und Nägeln, aber auch an anderen Körperteilen, die mit dem Allergen in Berührung kommen.

Schwerer als das wiegt jedoch das Hautkrebsrisiko, das von dem in der Regel für die Härtung der Farben verwendeten UV-Licht ausgeht. Wie US-Forscher 2014 im Fachjournal «Jama Dermatology» schrieben, reichen bereits acht Behandlungen mit einer UV-Lampe aus, um die DNA in der Haut zu beschädigen – die häufigste Ursache für Hautkrebs.

Die Krux mit der Shellac-Entfernung

Auch das Entfernen des Shellac ist nicht ganz ohne. Denn um die Farbe von den Nägeln zu bekommen, müssen die Nägel entweder rund zehn Minuten in konzentriertem Aceton eingeweicht oder von einem Nagelprofi mit Feile oder Fräse vom Lack befreit werden.

Beides birgt jedoch Risiken: Während ein Acetonbad die Nägel extrem entfettet, wodurch diese porös und anfällig für Keime werden, kann durch die mechanische Entfernung die Nagelplatte empfindlich beschädigt werden. «Um allfällige Schäden auszugleichen, gilt es, den Nagel nachzufetten und ihm die entzogenen Feuchtigkeit zurückzugeben», empfiehlt Borelli.

Die Farbe stattdessen immer wieder aufzufüllen, ist laut Dermatologen auch keine gute Alternative. Denn zwischendurch sollte man seinen Nägeln immer ein wenig Pause gönnen, damit sie sich erholen können. Doch grundsätzlich gilt, so Borelli: «Je weniger Chemie an die Nägel kommt, desto besser.»

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bonifatz am 30.07.2018 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht auch anders

    Einfach gar nichts lackieren, anmalen, gelen, aufkleben, airbrushen, rekonstruieren, auffüllen, piercen, mit steinchen belegen, eckig feilen, in Aceton baden etc..Sondern einfach kurz und natürlich.

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  • Nancy Kraus am 30.07.2018 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Profis

    Habe seit mehr als sechs Jahren Gel Nägel. Und seit sechs Jahren absolut problemlos. Das A und O ist doch, dass es in einem hygienisch einwandfreiem Studio gemacht wird. Das ist nämlich der Hauptgrund für kaputte Nägel

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  • Eidgenossin am 30.07.2018 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    Nur ab und zu

    Ich lasse das ab und zu für besondere Anlässe machen,aber sonst sind meine Nägel ganz natur belassen,die Nägel müssen doch auch atmen können.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dermatologin am 24.08.2018 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    Anatomie

    Nägel welche auf dem Nagelbett liegen sind Atmungsaktiv,nur der Teil welcher über die Fingerkuppe hinauswächst ist tot.Wer von Anatomie keine Ahnung hat und sich dennoch Spezialistin nennt gefährdet die Kunden!

  • Mimma am 10.08.2018 00:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Gesund

    Ich finde Gellnägel nicht schön.Und es ist nicht gut, wenn man alles mit dieser Pappe zu kleistert!

  • A.W. am 09.08.2018 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    der andere Blickwinkel auf Gelnäge

    ... weil meine Naturnägel sehr weich sind und ständig einreissen, lasse ich sie mit Gel verstärken ... so sehen sie immer gepflegt aus. Allerdings verzichte ich um mir die Optik der Natürlichkeit zu bewahren auf French, Farbe, Schnickschnack, unnatürlich aussehende Nagelformen und Überlänge ... Notwendige Medikamente torpedieren meine gesunde Ernährung und somit auch die Nagelstabilität und mit dieser Alternative gönne ich mir ein persönliches Anrecht auf gepflegte Nägel ...

  • Judith am 04.08.2018 20:12 Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Ja und der Nagel muss doch atmen können.Das kann er doch nicht mit all dem wiederlichen Zeugs drauf!

    • Fibi am 23.08.2018 14:51 Report Diesen Beitrag melden

      So ists nun mal

      Schwachsinn! das mit dem Atmen ist ein Mytos. Mache meine Nägel seit Jahren selber und wenn ich sie mal weg mach, sind sie innert ein paar Tagen wieder genauso schön wie vor dem Gel. Selber Schuld wenn mans unprofesionel macht oder abreisst! Dann wundert mich gar nichts mehr. und China-Studios sollten eh gemieden werden, wegen minderwertiger Quali.

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  • Lena am 04.08.2018 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sensitives Material

    Auf das Material kommt es an und wie sauber gefeilt wird. Ich habe seit über 20ig Jahren Kunstnägel jedoch meine eigenen Nägel sind immer noch super schön. wenn man natürlich alles mit dem Fräser feilt, ist man schneller und erwischt eben den Naturnagel. es kommt auf das können dieser Person an. Immer di angstmacherei, ehrlich.

    • Laura am 04.08.2018 17:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Lena

      Niemand hat Angst!Es ist einfach nicht schön solche Nägel und es ist eine Abzocke .

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