Infektionskrankheiten

06. Februar 2016 10:47; Akt: 06.02.2016 10:47 Print

Mit dem Kampf gegen Zika ist es noch nicht getan

von M. Baumann - Die Angst vor Zika ist unangemessen, sagt ein Tropenmediziner. Weitaus gefährlichere Krankheiten müssten auch dringend erforscht werden.

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verantwortlich gemacht. Bis 2007 waren weniger als 15 Infektionen beim Menschen bekannt. Alle Fälle wurden in Afrika oder Südostasien nachgewiesen. Doch seit vergangenem Jahr breitet es sich zunehmend auch in Süd- und Nordamerika aus. Im Januar 2016 ist es in 21 der 55 Länder des Kontinents präsent. Diese virale Erkrankung wird durch die Gelbfieber- (Aedes aegypti) und die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) übertragen. Beim klassischen Verlauf kommt es zu hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Hautausschlägen. In seltenen Fällen verläuft die Infektion schwer (Dengue-Hämorrhagisches-Fieber, Dengue-Schock-Syndrom) und kann zum Tod führen. In den letzten Jahren ist die Zahl der Dengue-Fieber-Fälle weltweit stark gestiegen. Laut WHO leben rund 40 Prozent der Weltbevölkerung in einem Risikogebiet (Mittel- und Südamerika, Zentralafrika, Südostasien, westlicher Pazifik). Doch auch in den USA, China und Japan wurde eine Zunahme der Fälle verzeichnet. Es wird hauptsächlich durch die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), aber auch durch die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) übertragen. Bei einer Infektion sind hohes Fieber, starke Gelenk- und Muskel- sowie Kopfschmerzen, manchmal auch Hautausschlag die Folge. Es kommt in Afrika, im Nahen Osten, in Asien und in Ozeanien vor. In jüngster Zeit konnte sich das Virus auch in Mittelamerika, in der Karibik, in einigen Ländern Südamerikas sowie in einzelnen Staaten im Süden der USA festsetzen. Auch in Europa ist es bereits zu Übertragungen gekommen. Auch hier sind Mücken die Überträger. Drei bis sechs Tage nach der Infektion kommt es zu plötzlichem hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Übelkeit und Erbrechen. Bei einem milden Verlauf ist die Krankheit damit überwunden. In schweren Fällen kommt es zu Bauchschmerzen, Leberschwellung, einer Gelbsucht, Nierenversagen und Blutungen in Haut, Schleimhäuten und Magen-Darmtrakt. Die Virus-Erkrankung, bei der in schweren Fällen die Sterblichkeit bei mehr als 50 Prozent liegt, kommt in den tropischen Gebieten Afrikas sowie Mittel- und Südamerikas vor. Laut WHO erkranken weltweit jährlich rund 200'000 Menschen an Gelbfieber, 30'000 sterben daran. Die Krankheit wird durch Pärchenegel übertragen, die in verunreinigtem Wasser leben. Bei Kontakt dringen deren Larven durch die Haut des Menschen. Über die Venen gelangen sie dann in Harnblase, Darm, Leber, Lunge und Gehirn. Nicht immer kommt es zu Symptomen. Wenn doch, sind sie unspezifisch (leichter Verlauf). In schweren Fällen kommt es zu schleimig-blutigem Durchfall. Die Egel sind in subtropischen und tropischen Gebieten Südamerikas, Afrikas und Asiens verbreitet. Der Erreger kann Säugetiere und Menschen befallen. In Europa sind vor allem Füchse und Fledermäuse die Überträger, in tropischen und subtropischen Ländern sind es in erster Linie Hunde. Symptome sind zunächst Unwohlsein, Kopfschmerzen, Fieber und Jucken sowie Schmerzempfindlichkeit. Später kommt es zu Muskelzuckungen, Hyperaktivität, Angstgefühlen sowie zu Atem- und Schluckkrämpfen. Später kommt es zu tödlichen Lähmungen. Sie kommt nahezu weltweit vor. Lediglich einige Länder West- und Nordeuropas, Kanada, Nordamerika, Australien, Neuseeland und Japan sind frei davon. In der Schweiz konnte die Tollwut bei Füchsen mithilfe von Impfködern ausgerottet werden. Sie kann aber selten noch bei Fledermäusen oder illegal importierten Tieren auftreten. Weil sie vor allem Kinder im Alter zwischen drei und acht Jahren betrifft, wird sie auch Kinderlähmung genannt. Die Infektionskrankheit wird durch Viren verursacht, die das zentrale Nervensystem befallen und zu Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod führen. Ein Heilmittel dagegen gibt es nicht. Ursprünglich war das Virus weltweit verbreitet. Doch dank Impfmassnahmen konnte es in vielen Ländern ausgerottet werden. Die WHO-Regionen Nord- und Südamerika, westlicher Pazifik und Europa werden seit mehreren Jahren als poliomyelitisfrei deklariert. In einigen Regionen Afrikas und Asiens ist das noch nicht erreicht. Ist eine durch das Hepatitis-A-Virus via Schmierinfektion verursachte Infektionskrankheit. Hauptsymptom ist eine akute Entzündung der Leber (Hepatitis). Die Erkrankung kann bis zu sechs Wochen anhalten und heilt ohne ernsthafte Komplikationen spontan aus. Das Virus kommt weltweit vor, besonders häufig aber in Gegenden mit schlechten hygienischen Bedingungen. Betroffen sind vor allem Südostasien, Russland, der vordere Orient, der Mittelmeerraum, Afrika, Mittel- und Südamerika. Wer dorthin reist, kann mit einer Impfung vorbeugen. Auch hierbei handelt es sich um eine Leberentzündung. Rund ein Drittel der Betroffenen hat keine Symptome. Bei den anderen sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Gelenkschmerzen, Fieber oder Hautausschlag die Folge. Meist heilt eine Hepatitis B vollständig aus. Bei 5 bis 10 Prozent der Betroffenen entwickelt sich jedoch eine chronische Hepatitis B, die im schlimmsten Fall zu Leberzirrhose oder -krebs führt. Sie kommt weltweit vor, vor allem jedoch in Ländern Asiens, dem Mittleren Osten, Afrika sowie in Teilen Amerikas. Eine bakterielle Durchfallerkrankung, die durch verschmutztes Trinkwasser oder verunreinigte Lebensmittel übertragen wird. Rund 85 Prozent der Infektionen verläuft milde. In schweren Fällen kommt es zu starkem Flüssigkeitsverlust und Erbrechen. Unbehandelt kann das innert Stunden zu Kreislaufkollaps, Muskelkrämpfen und in schweren Fällen zum Tod führen. Der Brechdurchfall kommt vor allem in ärmeren Regionen vor. Dazu zählen einige Länder Afrikas und Asiens sowie Papua Neuguinea, Kuba und Landstriche in Mexiko. In Industrieländern ist Cholera dank Kläranlagen und Wasserwerken selten geworden. Das hämorrhagische Krim-Kongo Fieber (CCHF) ist eine schwere virale Erkrankung, die von Zecken übertragen wird. Die Krankheit ist aber auch direkt von Mensch zu Mensch oder von Haus- und Wildtieren auf den Menschen übertragbar. Die Sterblichkeit ist hoch und beträgt 10 bis 50 Prozent. CCHF kommt in vielen Ländern Afrikas und Asiens, aber auch in Teilen Europas vor. Jüngste Fälle gab es 2009 im Kosovo, 2008 in der Türkei und 2006 in Griechenland. Das HI-Virus verursacht eine Infektionskrankheit, deren Endstadium Aids ist. Das HI-Virus wird übertragen durch ungeschützten Sex, Spritzentausch bei Drogenkonsumenten, Nadelstichverletzungen im Klinikbereich, von Müttern auf ihre Ungeborenen oder Säuglinge und durch Bluttransfusionen in ärmeren Ländern. Das HI-Virus ist auf der ganzen Welt vertreten. Zu besonders vielen Ansteckungen kommt es in Afrika. Weltweit leben gemäss Schätzung UNAIDS rund 37 Millionen Menschen mit HIV oder Aids. Ausgelöst wird Malaria durch einzellige Parasiten der Plasmodium-Familie. Der Parasit wird durch den Stich von infizierten weiblichen Anopheles-Mücken, die abends und nachts stechen, auf den Menschen übertragen. Die WHO schätzt, dass über 300 Millionen Menschen betroffen sind, und jedes Jahr mehr als eine Million an den Folgen eines Malariaanfalls sterben. Malaria kommt in allen tropischen Gebieten Afrikas, Amerikas und Asiens vor. Etwa 90 Prozent der Erkrankten leben jedoch in Afrika, wo der besonders aggressive Erreger Plasmodium falciparum überwiegt. Die Meningitis (Hirnhautentzündung) ist eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute. Sie wird meist durch Viren, Bakterien oder andere Mikroorganismen verursacht. Südlich der Sahara kommt es regelmässig zu Meningitis-Epidemien, die durch Meningokokken-Bakterien ausgelöst werden. Im Meningitisgürtel gibt es während der Trockenzeit Epidemien mit einer Erkrankungsrate von 100 bis 800/100000 Einwohner pro Jahr. Die grösste bekannte Epidemie dieser Art ereignete sich 1996-1997. Damals erkrankten 250'000 Menschen und 25'000 starben. Rund ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit Tuberkulosebakterien infiziert. Bei etwa 10 Prozent der Infizierten bricht die Erkrankung aus. Pro Jahr sind rund neun Millionen Neuerkrankungen und 1,5 Millionen Todesfälle zu verzeichnen. Die Tuberkulose ist damit die Infektionskrankheit, die die meisten Opfer fordert. Die Krankheit ist besonders in Afrika, Südamerika, Südostasien und Osteuropa (speziell Russland) verbreitet. Etwa ein Drittel der jährlichen Todesfälle entfällt auf Afrika. In Osteuropa ist die zunehmende Resistenz gegen Medikamente für den Anstieg der Infiziertenzahlen verantwortlich. Ist eine hochgradig ansteckende Viruserkrankung, an der je nach Schwere und Verlauf bis zu 90 Prozent der Infizierten sterben. Erstmals tauchte Ebola 1976 im Sudan und der Demokratischen Republik Kongo auf. Die Krankheit kann von Wildtieren auf den Menschen, aber auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Ebola-Ausbrüche meldeten bisher Länder West- und Zentralafrikas. Vom aktuellsten Ausbruch waren Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria betroffen. Daneben wurden importierte Fälle aus den USA, Europa, China und Südostasien gemeldet.

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Noch vor zwei Monaten war das Zika-Virus kaum jemandem ein Begriff. Doch seit es im Verdacht steht, bei Babys Schädelmissbildungen zu verursachen, kommt das Virus nicht mehr aus den Schlagzeilen. «Diese Aufregung ist eigentlich nicht gerechtfertigt», sagt Christoph Hatz, Chefarzt am Tropeninstitut Swiss TPH. Zwar seien die möglichen Folgen für Neugeborene katastrophal und müssten verhindert werden.

«Doch die Zika-Epidemie wird wohl schon in ein paar Monaten vorüber sein.» Denn bald bricht der südamerikanische Winter an. Durch das kältere und trockenere Wetter sterben viele der Aedes-Mücken, die das Virus übertragen. Und auch wenn sich bis dahin wahrscheinlich noch Millionen von Menschen mit Zika anstecken, leiden die meisten nicht darunter: Bei 80 Prozent der Infizierten verläuft Zika ohne Symptome.

Gefährlichere Viren

Doch die Aedes-Mücke überträgt nicht nur Zika, sondern auch andere Erreger wie Gelbfieber-, Dengue- und Chikungunya-Viren. «Und die sind weitaus gefährlicher», sagt Hatz. Beispielsweise grassieren in vielen Ländern südlich des Äquators immer wieder Dengue-Epidemien (siehe Bildstrecke). Die Krankheit fordert pro Jahr weltweit über 12'500 Todesopfer – die meisten davon Kinder. «Wir brauchen daher mehr als nur Notfallaktionen beim Ausbruch einer Epidemie», sagt Hatz.

Viele Krankheitserreger würden jedoch von der Forschung immer noch vernachlässigt – weil kein Geld dafür bereitsteht. Erst mit einer wirksamen Mückenbekämpfung und der Entwicklung von Impfstoffen könnten künftige Epidemien verhindert werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Onkel Thom am 06.02.2016 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Geld riechen

    Erst wenn die Medikamenten Firmen Geld riechen entwickeln sie die Medikamente gegen die anderen Krankheiten. Das Zika Virus kann auch westliche Kinder schädigen, daher wird hier das Geld gerochen und jede Medikamenten Firma möchte die erste sein und einen Impfstoff entwickeln. Es ist nicht eine Frage der Gesundheit sondern eine Frage des Geldes. ZB auch wieso sind Medis in der Schweiz nicht günstiger? Es hat keine Behörde interesse an günstigen Medis, da dies auch weniger Steuereinnahmen generieren würde.

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  • U. Müller am 06.02.2016 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Tja, da haben wirs wieder!

    Schon komisch, dass der Herd gerade dort ist, wo vor einigen Monaten gentechnisch veränderte Mücken ausgesetzt wurden . . . Klar, dass wenn der Mensch in die Natur pfuscht, dabei nichts Gutes resp. Gesundes entstehen kann.

  • baba am 06.02.2016 11:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    genaue Ursache?

    gemäss Meldungen sollen ja gerade ausgestzte Mücken, welche das Dengue Fieber verhindern sollen einige Monate zuvor verteilt worden sein. Ob die Meldung korrekt war konnte ich persönlich noch nicht rausfinden. Daher die Aussage bitte "mit Vorsicht geniessen ". Forschung wäre wichtig, ja. Doch werden da scheinbar auch oftmals wichtige Umweltparameter vergessen. Die Art und Weise wie Chemie vort Ort versprüht wird (Menschen werden unterwegs regelrecht eingenebelt und atmen das Zeugs ein) scheint mir wenig professionell und wird wohl auch noch Folgewirkungen nach sich ziehen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • André Gubelmann Brasilien am 07.02.2016 21:49 Report Diesen Beitrag melden

    Geld weg

    In Brasilien wurde das Geld für das Gesundheitswesen von der sogenannten Regierung schon gestohlen.Brasilien ist pleite und hat Resenschulden.Jetzt versucht man es dort mit der üblichen Propaganda.Das Resultat brauche ich gar nicht mehr zu schreiben.Dies kann sich jeder denken.

  • susi am 07.02.2016 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    panikmache

    Vermute mal, dass dieses Virus durch Labormücken mutiert ist und nun wartet man, bis die reichen Länder verseucht sind und sofort, aus dem Hut gezaubert, ein Impfstoff, den wir Bezahlen und die armen Länder gratis zur Verfügung steht! So läuft das ganze du ab!

  • Peter am 07.02.2016 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht passiv, sondern aktiv informieren!

    Kurios wird es wenn man sich über 'BOOSTRIX Impfungen in Brasilien' informiert!?

  • Diego F. am 07.02.2016 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch!

    Vor ca. 9 Monaten haben doch verschiedene Regierungen die Impfung (Polio,Tetanus,Keuchhusten) für Schwangere empfohlen. Und die Symptome von Zika, sind ähnlich wie die eines Impfschadens. In den 80ern waren Impfschäden durch diese Impfung noch anerkannt.

  • Urlauber am 07.02.2016 02:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welche Stechdinger?

    Sitze gerade in Rio und habe seit zwei Tagen keine Mücke gesehen! Trinke dafür 4-5 Bier mehr und warte ab ;)