Termiten

27. März 2009 07:59; Akt: 27.03.2009 09:03 Print

Mit und ohne Sex

Termitenköniginnen können sich mit und ohne Sex vermehren. Mit diesem Trick vermeiden sie Inzucht und können sich rasch vermehren.

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Dass sich Termiten mit und ohne Sex vermehren, hat ein amerikanisch-japanisches Forscherteam gezeigt.
Aus befruchteten Eiern schlüpfen Arbeiter und Soldaten, aus den unbefruchteten werden hingegen neue Königinnen. Der Grund: Bei den Termiten gründet die Hauptkönigin mit einem Männchen, dem sogenannten König, eine Kolonie, stirbt jedoch bereits nach kurzer Zeit. Übernommen wird die Regentschaft dann von ihren Töchtern, die sich ebenfalls mit dem König paaren.

Der Vorteil dieser Taktik: Durch die grössere Anzahl an Königinnen können sich die Termiten schneller vermehren – und da die Königinnen dank ihrer ungewöhnlichen Geburt ausschliesslich die Gene ihrer Mutter mitbekommen, besteht auch nicht die Gefahr, dass sie sich mit ihrem eigenen Vater paaren. Die genetische Vielfalt wird also erhalten.

Beweis im Erbgut

Den Beweis für ihre These fanden die Forscher im Erbgut der Insekten: Arbeiter und Soldaten stammten eindeutig vom König ab, im Erbgut der jungen Königinnen konnten hingegen keine Übereinstimmungen mit Genen des Königs festgestellt werden. Bislang beobachteten die Forscher die Kombination aus Jungfernzeugung und sexueller Vermehrung nur bei der Termitenart Reticulitermes speratus. Nun sollen weitere Arten auf ihr Fortpflanzungsverhalten hin untersucht werden.

Davon versprechen sich die Wissenschaftler zum einem weitere Erkenntnisse über die genetischen Hintergründe der Fortpflanzung. Zum anderen erhoffen sie sich Hinweise darauf, wie Termitenbefall in Gebäuden vorgebeugt und bestehende Kolonien an der Ausbreitung gehindert werden können. Viele Termitenarten ernähren sich von Holz und verursachen jedes Jahr weltweit ökonomische Schäden in Milliardenhöhe. Die unterirdisch lebende Art Reticulitermes speratus beispielsweise stammt aus Japan und ist für ihre Gefrässigkeit bekannt.

Kein Einzelfall

Die sogenannte Jungfernzeugung oder Parthenogenese wurde bei Termiten zum ersten Mal beobachtet, sie ist aber gar nicht so selten und kommt sowohl bei Pflanzen als auch bei anderen Tierarten vor: Diverse Fische, Schnecken, Eidechsen, Krebse, Vögel und Insekten können sich ohne Paarung vermehren. Lediglich Säugetiere scheinen nicht zur Parthenogenese fähig zu sein. Die Jungfernzeugung wird durch bestimmte Hormone ausgelöst. Die dadurch entstandenen Nachkommen sind meist identisch mit den Muttertieren.

Mascha Schacht, wissenschaft.de