Postleitzahl

26. Juni 2014 11:25; Akt: 26.06.2014 11:25 Print

Mit vier Ziffern die Briefwelt umgekrempelt

Vor 50 Jahren führte die Schweiz die Postleitzahlen ein – als drittes Land nach den USA und Deutschland. Für die Pöstler bedeutete dies vor allem: weniger Auswendiglernen.

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«Ein Postlehrling hat bis jetzt viele Stunden daran geben müssen, sämtliche Poststellen der Schweiz und darüber hinaus auch die nächste Poststelle von sehr kleinen Ortschaften auswendig zu lernen», berichtete die «Neue Zürcher Zeitung» im Vorfeld der Einführung der Postleitzahlen. Denn für das Sortieren der Briefe und Pakete – damals noch reine Handarbeit – war die sogenannte Pöstlergeographie unumgänglich.

Der «ausgeprägte Mangel an geographiekundigem Personal» war denn auch einer der Hauptgründe für die Einführung der Postleitzahlen. Dies teilte die PTT in einem Sonderdruck des eigenen Amtsblattes vom 26. Juni 1964 mit. Der zweite Grund war die «stürmische Verkehrszunahme bei der Post in der Folge der anhaltend guten Wirtschaftslage».

Die «eilige Briefpost» hatte in 15 Jahren um 50 Prozent zugenommen. Damals verarbeitete die Post täglich rund 8 Millionen Kleinsendungen. Da halfen auch vorläufige Massnahmen wie der Einsatz von Frauen für die Grob- und Städtesortierungen nicht wirklich weiter.

Ende der Pöstlergeographie

Dank der neu eingeführten Postleitzahlen sollten in Zukunft auch Hilfskräfte ohne besondere Geografiekenntnisse bei der Sortierung mithelfen können. Dies war allerdings nur ein Zwischenschritt: Erklärtes Ziel bei der Einführung der Postleitzahlen war die vollautomatische Sortierung.

An der Landesausstellung 1964 in Lausanne präsentierte die Post erstmals eine Maschine, «die Briefe mit Postleitzahlen wesentlich schneller sortiert als die Hände noch so geübter Pöstler», wie es im Buch «Gelb bewegt – die Schweizerische Post ab 1960» heisst.

1967 wurde im Briefversand Lausanne die erste kleinere Maschinenkette in Betrieb genommen. Ein Jahr später kam in der Berner Schanzenpost erstmals eine teilautomatisierte und maschinelle Briefverarbeitungsanlage zum Einsatz. In der Zürcher Sihlpost ging eine neue maschinelle Paketsortieranlage in Betrieb. Die Sortierkapazität stieg auf einen Schlag um 50 Prozent.

Kampf um «gute Zahlen»

Die Bevölkerung gewöhnte sich schnell ans neue System. Wohl nicht nur darum, weil die PTT ihre Mitarbeiter in einem Schreiben aufforderte, sich «für die Neuerung freudig und tatkräftig» einzusetzen. Zudem kamen Sendungen mit Postleitzahl zuverlässiger und schneller beim Empfänger an.
Einzelne Gemeinden kämpften heftig um «gute Zahlen». Gossau SG zum Beispiel beantragte seit 1964 wiederholt eine «angemessene» Postleitzahl. Der vierte Anlauf im Jahr 1996 war schliesslich erfolgreich. Statt der ungeliebten 9202 dürfen die Gossauer nun ein 9200 vor ihre Ortschaft stellen. «Diese Postleitzahl entspricht der Grösse und wirtschaftlichen Bedeutung von Gossau», teilte der Gemeinderat stolz mit.

Es gibt keine Alternative

Seit der Einführung der Leitzahlen vor 50 Jahren hat sich einiges verändert. «In den letzten zehn Jahren hat die Entwicklung noch einmal einen gewaltigen Sprung gemacht, unsere Briefsortierzentren sind hocheffiziente Hightech-Anlagen», sagt Postsprecher Oliver Flüeler. «Heutige Sortieranlagen kennen jeden Briefkasten.» Sie würden die Briefe so sortieren, dass der Pöstler bei einem Mehrfamilienhaus die Briefkästen in der jeweiligen Reihenfolge der Kästen durchbedienen könne.

Die Postleitzahlen spielen auch heute bei der Sortierung eine gewichtige Rolle – als Basisinformation für die folgenden Sortierschritte. «Auch wenn die Sortiertechnik viel komplexer ist», so Flüeler, «gibt es weder Pläne, die Postleitzahlen abzuschaffen, noch eine Alternative dazu.»

(fee/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paul am 26.06.2014 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Seltsam

    Schon seltsam. Die Verteilstelle kann die Post nach der Reihenfolge der Briefkästen sortieren. Aber meine Postumleitung kann sie nicht erkennen und deshalb wird jede Post zuerst zum alten Wohnort gesandt und dort mit einem Kleber umadressiert und weitergeschickt. Für Packete kostet dies sogar extra.

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  • Peter am 27.06.2014 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Zustellung

    ich habe etwa jeden Monat Briefpost von einem Namensvetter, der wohnt aber 300 Meter von mir weg, und hat einen anderen Vornamen ! Auf der Post habe ich ein Formular ausgefüllt, aber die falsche Zustellung geht weiter.....! Die falsch zugestellten Briefe werfe ich dann beim Vorbeigehen in den richtigen Briefkasten, aber irgendwann werfe ich diese dann weg, wenn das so weitergeht ! Habe auf der Post dreimal 'reklamiert' genützt häts nichts !

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 27.06.2014 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Zustellung

    ich habe etwa jeden Monat Briefpost von einem Namensvetter, der wohnt aber 300 Meter von mir weg, und hat einen anderen Vornamen ! Auf der Post habe ich ein Formular ausgefüllt, aber die falsche Zustellung geht weiter.....! Die falsch zugestellten Briefe werfe ich dann beim Vorbeigehen in den richtigen Briefkasten, aber irgendwann werfe ich diese dann weg, wenn das so weitergeht ! Habe auf der Post dreimal 'reklamiert' genützt häts nichts !

  • Paul am 26.06.2014 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Seltsam

    Schon seltsam. Die Verteilstelle kann die Post nach der Reihenfolge der Briefkästen sortieren. Aber meine Postumleitung kann sie nicht erkennen und deshalb wird jede Post zuerst zum alten Wohnort gesandt und dort mit einem Kleber umadressiert und weitergeschickt. Für Packete kostet dies sogar extra.

    • ueli am 27.06.2014 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      armseelig

      meine güte, immer am jammern die schweizer. nicht mal so einen banalen beitrag kann man bringen, ohne dass einer heult !

    • Emil Steinberger, ex-Pöstler am 27.06.2014 11:14 Report Diesen Beitrag melden

      Gewinn-maximierung

      Personalabbau (Kosten senken), das ist das Ziel der Post u.a. Gewinn-orientierter Firmen; nicht Kunden-zufriedenheit - Post ist monopol-Betrieb. Tschüss Post - adieu PTT

    • Nicht Pöstler am 27.06.2014 12:55 Report Diesen Beitrag melden

      @Paul

      Weil es vielleicht keinen Sinn macht, wegen ein paar einzelfällen die grosse Masse zu behindern ;-) - Evl. steck dahinter ein sehr komplexes System, welches man vielleicht einmal im Ganzen anstatt aus der eigenen nicht relevanten Perspektive betrachten sollte. Gilt übrigens auch für alles andere auf dieser Welt ;-)

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