Echter Fall

18. Januar 2020 16:51; Akt: 19.01.2020 11:34 Print

Moskitostich beschert Mann Eierschalen-Hoden

Weil er Blut im Urin hatte, ging ein Inder zum Arzt. Doch statt Blasenentzündung, wie er vermutet hatte, bekam er eine ganz andere Diagnose.

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Grund für die Beschwerden eines Inders war nicht wie vermutet eine Blasenentzündung, sondern eine Flüssigkeitsansammlung im Hoden, die zu einer Verkalkung geführt hatte. Bei dem Mann betraf diese den Hodensack. Wie eine Eierschale hatte sich die Kalziumschicht darum gelegt. Die Ärzte des Mannes gehen davon aus, dass dieser sich eine Filariose zugezogen hatte: eine Infektion, die durch Fadenwürmer verursacht wird. Schlussendlich attestierten sie ihm eine spezielle Form des Lymphödems, die Elefantiasis. Erfahrungen damit hat auch ... ... der Kenianer Sorence Owiti Opiyo gemacht. Er hatte das, was sich viele Männer wünschen: einen grossen Penis. Allerdings war der so riesig geworden, dass er kein normales Leben mehr führen konnte. Ursprünglich mit einem normal grossen Gemächt ausgestattet, wuchs es während rund zehn Jahren kontinuierlich weiter. Der Urologe Thomas Hermanns vom Universitätsspital Zürich vermutete, dass Opiyo unter einer speziellen Form des Lymphödems litt, der sogenannten Elefantiasis. Übertragen werden die Parasiten durch Moskitos. Wenn sie zum Blutsaugen ansetzen, verursachen sie eine Entzündung, die nach und nach die Lymphgefässe verstopft. «Wie ein Staudamm stauen sie die Flüssigkeit darin, was zum Anschwellen der Gliedmasse führt», so Hermanns. Lebensbedrohlich und ansteckend ist eine solche Infektion nicht, heilbar jedoch auch nicht. Die Parasiten lassen sich zwar mit Medikamenten behandeln, oft ist jedoch der Schaden an den Lymphgefässen nicht mehr zu beheben. So wohl auch bei dem Afrikaner. «Möglich wäre gegebenenfalls noch ein plastisch-chirurgischer Eingriff», so der Experte. Ob dieser Opiyo hilft, seinen grössten Wunsch zu erfüllen, kann auch Thomas Hermanns nicht sagen: «Normaler Geschlechtsverkehr dürfte zwar nicht mehr möglich sein, aber solange die Fertilität nicht betroffen ist, ist er theoretisch noch zeugungsfähig – wahrscheinlich jedoch nicht mehr auf natürlichem Weg.» (Im Bild: Mann mit Elefantiasis an den Hoden, 1909) Bei dem Inder stellt sich dagegen die Frage nach Nachwuchs nicht unbedingt: Er war zum Zeitpunkt des Arztbesuchs bereits 80 Jahre alt.

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Probleme und Schmerzen beim Wasserlassen, dazu noch Blut im Urin: Alle Symptome, die ein Inder bei sich feststellte, deuteten auf eine Blasen- oder Harnwegsentzündung hin. Doch von seinen Ärzten erhielt der Mann eine völlig andere Diagnose.

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Die Mediziner waren stutzig geworden, weil einer der Hoden des Patienten «stark vergrössert» war und sich «steinig» anfühlte, wie es im Fachjournal «BMJ Case Reports» heisst.

Verkalkter Hodensack

Eine Computertomographie bestätigte den Verdacht, dass im Genitalbereich des Mannes etwas ungewöhnlich war. Im Hodensack des Mannes hatte sich Flüssigkeit angesammelt. Mediziner bezeichnen das als Hydrozele.

In der Regel bildet sich ein solcher Wasserbruch, so die deutsche Bezeichnung, von selbst zurück. Doch mitunter kommt es – wie im Fall des Inders – dazu, dass die Hydrozele zu einer Verkalkung führt. Bei dem Mann betraf diese den Hodensack, wie die Ärzte berichten. Wie eine Eierschale hatte sich die Kalziumschicht darum gelegt (siehe Bildstrecke).

Anschwellen der Gliedmasse

Was dazu geführt hat, können die Mediziner nicht mit Bestimmtheit sagen. Sie gehen jedoch davon aus, dass sich der Inder im Laufe seines Lebens eine sogenannte Filariose zugezogen hat: eine Infektion, die durch Fadenwürmer verursacht wird.

Die Parasiten werden von Moskitos auf den Menschen übertragen. Wenn sie zum Blutsaugen ansetzen, lassen sie Wurmlarven zurück. Diese setzen sich in den Lymphgefässen fest und verursachen eine Entzündung, die nach und nach die Lymphgefässe verstopft.

«Wie ein Staudamm stauen sie die Flüssigkeit darin, was schliesslich zum Anschwellen der Gliedmasse führt», erklärte Thomas Hermanns, Oberarzt an der Klinik für Urologie am Universitätsspital Zürich, in einem früheren Gespräch mit 20 Minuten. Besonders häufig davon betroffen seien Beine, Arme «und bei Männern auch das Genital».

Kombination von Therapien

Die indischen Mediziner attestierten ihrem Patienten eine spezielle Form des Lymphödems, die Elefantiasis. Wahrscheinlich haben die wiederholten Schwellungen zur Bildung der Hydrozele geführt.

Wie die Ärzte den Mann behandelten, ist nicht überliefert. Sie notieren jedoch, dass die chronische Form der Filariose nicht mehr mit Medikamenten behandelt werden kann. Vielmehr bräuchte es da eine Kombination von Massnahmen: eine operative Entfernung der «Eierschale», Pflege der Haut und Lymphdrainage.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sar Casm am 18.01.2020 18:48 Report Diesen Beitrag melden

    Harte Schale, weicher Kern

    Und die Moral von der Geschicht: Badet im Ganges besser nicht.

  • Silver Back am 18.01.2020 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dass Eier eine

    Schale haben können, ist ja ganz alltäglich und dass es unter uns auch schräge Vögel gibt, unterstützt diese Tatsache ja nur noch.

  • Ma_Backer am 18.01.2020 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Überraschend

    Kein Kommentar, gute Besserung!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Herr Mücke am 18.01.2020 22:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ouch!!

    Da bekomme ich schon beim lesen Phantomschmerzen!!!

  • SH3Y am 18.01.2020 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich?

    Wieso geht man damit an die Medien? Vorallem dann noch mit Aufnahmen

  • Hugo am 18.01.2020 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wissen.... ist keine Glücksache!

    Ok, aber Kalk und Kalzium sind Zweierlei....

  • Swisshoopz am 18.01.2020 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    True

    Einfach eine Randbemerkung zum ganzen hier. Mir ist aufgefallen, dass wenn sowas ist es immer Menschen sind aus Asien. Woran könnte das liegen, denn an Armut glaube ich nicht, da in Südamerika oder Afrika ja auch Geldknappheit herrscht und man liesst nie das es sowas dort gibt. Wäre mal interessant zu wissen, oder!?

    • Peter Pan am 19.01.2020 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Swisshoopz

      Frag doch einfach bei uns auf der Strasse...

    • Kieselstein am 19.01.2020 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Swisshoopz

      Es gibt es auch in Afrika, der hauptgrund sind dabei, wie in Indien, die Hygienischen zustände.

    einklappen einklappen
  • Bin Ohne am 18.01.2020 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tut weh

    Ja als Frau nicht nachvollziehbar ! Sicher eine einmaliges Erlebnis!